DIE ALPENÜBERQUERUNG – Ab nach Hause…

Als der Wecker um 03:30 läutet, hasse ich ihn. Dann fällt mir ein, warum er läutet und auf einmal ist das Aufstehen ziemlich leicht…

Waschen, Anziehen, Koffer packen. Das alles in Rekordzeit. Irgendwie ist es schon fast lustig wie Georg und ich im Laufschritt,  mit Koffern bepackt, Richtung Auto rennen. Das Ganze hat ein bisschen was von Bonnie und Clyde auf der Flucht. Das Gepäck wird in das Auto geschmissen und Georgs Ansage „Mach den Hänger auf, ich hole die Pferde!“ verstärkt das Gefühl von Flucht. Während ich mich noch über die Situationskomik amüsiere, kommt Georg bereits im Dunkeln mit den Pferden.

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Die beiden Jungs steigen ohne zu zögern ein. Wahrscheinlich befürchten sie, dass sie sonst die Strecke wieder zurücklaufen müssen und wählen deshalb ihr persönliches Taxi. Es hätte mich  nicht gewundert, wenn die beiden in den Hänger galoppiert wären. In Rekordzeit ist alles verpackt, die Pferde verladen, der Hänger geschlossen und Georg startet sein Auto.

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Der Blick auf`s Handy zeigt: Eine Stunde nach dem Aufstehen sind wir unterwegs…

Das Blubbern des großen Dodge durchbricht die nächtliche Stille und ich denke noch kurz an diesen Trip zurück. Meine melancholische Stimmung wird jedoch durch eine sehr wichtige Mitteilung von Georg unterbrochen. „Wir brauchen Kaffee!!!!“ War eigentlich klar, dass wir ohne unsere morgendliche Koffeindröhnung nicht einsatzbereit sind. Gut, dass der Drang nach Hause zu kommen bei uns beiden überwogen hat, denn so wurde wahrscheinlich am Morgen das dringend benötigte Koffein durch Adrenalin ersetzt 😉

Mit einem riesigen Becher Kaffee in der Hand lässt es sich definitiv auch besser nachdenken. Ich freue mich unsagbar auf Zuhause, darauf meine Ruhe zu haben, nicht ständig streiten zu müssen, tun und lassen zu können was ich will, nicht mehr stundenlang auf Fahrradwegen entlangzureiten ABER ich werde einiges und vor allem einige vermissen. Ich werde in erster Linie vermissen, jeden Tag viele Stunden mit meinem Pferd unterwegs sein zu können, Kaffee mit Georg und den Mädels zu trinken, Frühstück das bereitsteht, leckerer Salat zum Mittagessen und definitiv werde ich diesen geregelten Tagesablauf mit den Pferden vermissen.

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Looking back…

Bei unserer Heimreise haben wir Glück und unser Plan geht auf. Ohne jede Verzögerung sind wir gegen Mittag im Stall. Kein einziger Stau hat uns blockiert und wir sind zügig durchgekommen. Als wir auf den Reschentunnel zugefahren sind, wurde uns bewusst in welch irrer Situation wir uns hier befunden haben. Das ist tatsächlich die Straße die wir entlang galoppiert sind. Unglaublich, das Ganze ist schon wieder so weit weg, dass es unwirklich erscheint.

Wenn ihr auf das Bild rechts schaut, sieht man eine Einfahrt. Das ist die Einfahrt, in der Patricia und ich auf Karlheinz gewartet haben und die Strecke die ihr hier seht, war ich dann beschäftigt mein Pferd zu beruhigen und darauf zu hoffen, dass bald irgendjemand auftaucht den ich kenne. Ich grinse durch den Rückspiegel mein Pferd an und meine stolz zu Georg: „Er ist schon toll, oder?“ „Ja, das ist er. Hat einen guten Job gemacht!“ kommt die Antwort und da wird es mir noch einmal bewusst. Mein Pferd mag in manchen Situationen ein Idiot sein, aber wenn es darauf ankommt, macht er Dinge die sensationell sind.

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An dieses Abenteuer werde ich wohl zukünftig immer denken, wenn ich hier entlang fahre…

Im Stall angekommen, ist mein alter Strietzi (Spitzname von Aaron) komplett außer Rand und Band. Soleo ist zurück und somit das Dreamteam wieder vereint. Die Stallkollegen sind mit Sicherheit auch sehr dankbar, weil mein alter Herr es geschafft hat fast 3 Tage durchgehend zu wiehern. Vielleicht mit ein bisschen Kalkül 😉 Schließlich hat er zum Trost viele tolle Dinge bekommen: Karotten, Äpfel, Mash und jede Menge Leckerli. An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Dankeschön an meine Stallmädels. ❤

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Meine Jungs ❤

Als Georg gefahren ist und ich meine Sachen verstaue, merke ich wie die Anspannung abfällt und ich einfach nur müde bin. Ich muss grinsen, als meine Stallkollegen überrascht sind, wie sportlich Soleo aussieht. Bei dieser anstrengenden Strecke, muss man den Erfolg sehen. Georg und ich haben ausgerechnet, dass wir von den insgesamt 260 km circa 160 km zu Fuß gegangen sind und ich glaube wir sehen ebenfalls sportlicher aus 😉  Ich erzähle kurz meine Schnellversion und blicke in erschrockene und erstaunte Gesichter. Mir fällt auf, dass ich mich so an das Chaos gewöhnt hatte, dass es für mich schon normal war. Seltsam wie schnell man sich anpasst, wenn die Möglichkeiten beschränkt sind…

Keiner kann begreifen, warum ich nicht abgebrochen habe. Ich denke kurz darüber nach, aber die Antwort ist ganz einfach: Gute Freunde lassen sich nicht im Stich und wenn sie eine Sache beginnen, bringen Sie diese auch gemeinsam zu Ende…

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Mein Resümee aus diesem Ritt? Seid gespannt auf den nächsten und endgültig letzten Teil dieses Berichtes.

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