DIE ALPENÜBERQUERUNG – DER 8.TE REITTAG – Stellungswechsel…

Es gibt Tage an denen ich mir echt vorkomme als ob das alles hier eine Pilgerreise wäre und so passt das, uns ständig begleitende, Jakobsweg-Schild perfekt. Nach einem leckeren Frühstück beginnt die tägliche Morgenroutine. Pferde satteln, Paddocks abbauen und pünktlich zum morgendlichen Abschiedshorn bereit stehen…

Der Tag startet heute mit einem Schnaps aus dem Depot unserer 2 Küken. Seit dem Start verspreche ich einen mit ihnen zu trinken und heute war es dann soweit. Mit einem Feigling am Morgen kann ja nichts mehr schief gehen 😉

Die obligatorische Lagebesprechung war schon gestern Abend, weil wir heute früh  starten müssen und keine Zeit dafür haben. Grund dafür ist, dass wir heute die „langen 28“ km vor uns haben und pünktlich loslegen müssen. Gleich nach dem Start merke ich, dass dieses ständige Bremsen die Lahmheit meines Pferdes verschlechtert hat. Es kommt mir daher sehr entgegen, dass wir erst einmal führen können. Nach einem kurzen Stück haben wir unerwartet die erste, etwas unfreiwillige, Pause. Unsere Schmiedin hat den nächsten Einsatz, nachdem sich das Pferd eines Reiters an einem Viehgitter ein Eisen abgezogen hat. Diese Dinger sind zwar eine einfache Lösung für Kühe, aber ein Graus für beschlagene Pferde. Die Stelle an der es passiert, ist wie meistens in diesen Situationen, eng und unübersichtlich, aber Katrin ist taff und beschlägt in jeder Situation. Manchmal frage ich mich, wie das Ganze ohne sie geklappt hätte? Wenn wir bei jedem Hufproblem das wir bisher hatten, auf einen ansässigen Schmied hätten warten müssen, hätte sich unser Ritt mit Sicherheit extrem verzögert. Wir haben Glück und so bringt unsere Schmiedin alles in Rekordzeit wieder in Ordnung und wir können weiterreiten.

Es folgt eine länger Trabstrecke, die sowohl die Pferde als auch die Menschen sehr genießen. Wir haben heute  morgen die strikte Anweisung bekommen nicht abzusteigen, damit wir das Tagespensum schaffen und ich halte mich ziemlich lang daran. Als mein Pferd jedoch immer stärker lahmt, interessieren mich die Anweisungen nicht mehr. In diesem Moment ist gesunder Menschenverstand gefragt. Ich steige ab und führe, gebe gleichzeitig Klara Bescheid, dass sie die Organisatorin verständigen soll. Am Picknickplatz wird für uns heute der Ritt zu Ende sein. Eigentlich total schade, denn es sind nur noch diese beiden Tage, aber in diesem Fall ist mir Soleo wichtiger. Dieser Ritt ist nicht alles und er ist es auf keinem Fall wert, dass mein Bub Schaden nimmt.

Während ich mit meinem schlechten Gewissen Georg gegenüber kämpfe, kommen wir zu den ersten Apfelplantagen. Absolut beeindruckend und da ich so etwas noch nie gesehen habe, bin ich total fasziniert. Die Bewässerungsanlage sorgt auch bei uns für Abkühlung und die Pferde sind anfänglich ein bisschen aufgeregt.Nachdem sie aber festgestellt haben, dass nichts passiert gehen sie entspannt durch. Witzig am heutigen Tag ist, dass wir einen Wanderer immer wieder treffen. Mal überholen wir ihn, dann wieder er uns. Nicht so witzig allerdings als er uns frägt, warum wir nicht auf den schönen Wanderwegen reiten, sondern den Fahrradweg nehmen….

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Nach einiger Zeit, kommt wieder eine Strecke an der wir aufsteigen müssen und jetzt versuche ich eine neue Taktik. Zuerst spreche ich mich aber mit zwei anderen Reiterinnen ab. Mein Plan ist es, Soleo sein eigenes Tempo laufen zu lassen. So kann er die volle Schrittlänge nutzen und wird nicht gebremst. Nachdem die Mädels mir versprochen haben, hinter Georg zu bleiben, kann ich beruhigt mit meinem Test loslegen. Schließlich sind Georg und ich ein Team und das nicht erst seit diesem Ritt. Bei meinem ersten Ritt hat er den unerfahrenen Soleo mit seinem Pferd gesichert und jetzt hatte ich endlich Gelegenheit mich zu revanchieren, da lässt man den anderen nicht einfach allein. Als alles geklärt ist, höre ich von Georg noch ein ironisches „Verräter“ aber er weiß, dass es bei uns um Abbrechen oder Weitermachen geht.

Soleo ist erst einmal verunsichert als er merkt, dass ich ihn nicht mehr bremse und er tatsächlich richtig gehen darf. Sobald er es verstanden hat, zieht er ruhig, aber beständig an den anderen Pferden vorbei. Nachdem ich schon einmal erlebt habe, wie die Stimmung hier kippen kann, wenn nicht vorher alles geklärt ist, frage ich Klara ob das auch für sie in Ordnung ist. Alle sind einverstanden und Soleo geht mit flottem Schritt voran. Ich merke, dass er sich endlich wieder streckt und deutlich entspannter geht. Er pendelt sich hinter oder neben Klaras Stute ein und ich merke, dass er deutlich weniger bis gar nicht mehr tickt. Ich schöpfe ein bisschen Hoffnung…

Nachdem alles gut läuft, traben wir längere Stücke und es klappt hervorragend. Sogar die Kommunikation entwickelt sich ein bisschen und (positiver Nebeneffekt) es kann heute über niemanden gelästert werden. Mein Wechsel hat also gerade nur Vorteile für den Gesamtfrieden, obwohl mir unsere blöden Witze schon fehlen. Im Gegensatz dazu, bin ich total glücklich, weil es meinem Pferd besser geht. Manchmal sind es einfach schon die Kleinigkeiten die soviel ausmachen können. Mein prüfender Blick geht immer wieder nach hinten zu Georg. Ich sehe, dass ihn die Mädels als Hahn im Korb umschwirren und deshalb ist mir klar, dass er sich wohl fühlt und ich mir keine Sorgen machen muss 😉

Als wir den Picknickplatz für heute erreichen, sind wir begeistert. Der Blick ist phantastisch, es gibt sogar Anbindebalken und somit wird die Pause auch für uns Reiter bequem werden. Ein kleines Bauernmädchen bringt Maisstauden für die Pferde und alle teilen gerecht. Völlig unerwartet kommt Klara auf mich zu und erzählt mir, dass Sie eine tiermedizinische Fortbildung gemacht hat und sich gerne Soleo anschauen würde. Nachdem ich zugestimmt habe, legt sie los und schafft es tatsächlich mit wenigen Griffen die Blockade zu lösen. Den Erfolg dieser Behandlung sieht man sofort an seinem Gangbild. Ich bin fasziniert und dankbar, vor allem macht mir dieses Erlebnis bewusst, dass jeder Mensch zwei Seiten hat. Man neigt nur manchmal dazu, dass zu vergessen. Ich beschließe es zu riskieren und den Ritt fortzusetzen. Nachdem mein Pferd behandelt wurde, döst er entspannt vor sich dahin und wir können die Pause genießen. Ein gelangweilter Dorfbewohner mit hohem Alkoholgehalt, nervt uns dabei wechselweise. Das macht er genau so lange, bis er den Ansatz macht, die Hand gegen Patricias Traber Paul zu erheben. Ich glaube es gibt wenig Menschen die so lieb sind wie Patricia, aber in diesem Moment platzt ihr der Kragen und ihr „schaug das di schleichst“ zeigt sofortige Wirkung. 😉

Von der Organisation werde ich nun darüber informiert, dass wir jetzt erstmal warten und dann würden sie den Hänger zur nächsten Station fahren, ausladen und Soleo und mich anschließend holen. Ich bin heilfroh, dass es meinem Pferd wieder besser geht und ich nicht testen muss wie sehr sich ein Pferd aufregen kann, dass allein zurückgelassen wird. So steigen wir auf und es geht weiter. Wir erreichen die ersten Apfelplantagen die nicht eingezäunt sind und durch die wir reiten können. Vermutlich reite ich mit offenem Mund durch.

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Einfach nur schön…

Ich finde das alles einfach so wunderschön und so beeindruckend. Soleo denkt wahrscheinlich, dass ich verrückt bin: Wir laufen durch das Schlaraffenland und er darf nichts essen. Es bedarf all meiner Überredungskünste ihm klarzumachen, dass wir die Äpfel nur anschauen und ganz nebenbei versuche ich zu verhindern, dass die Abstände zwischen vorderen und hinteren Reitern immer größer werden. Diese Aktion nervt meine Mitreiter, aber ich gebe nicht auf. Bei den Wanderritten mit Georg reite ich auch zumeist an der Spitze und bin es gewohnt ein Auge auf alle zu haben und auf alle zu achten. Ich warte bei Straßenüberquerungen und bitte immer wieder, dass wir warten bis der Rest aufschließt. Teilweise schaffe ich es, manchmal versagt es total, ich gebe jedoch nie auf. Abgesehen von Karlheinz, der mich meidet wie der Teufel das Weihwasser, komme ich mit den Reitern gut aus, auch wenn es wesentlich ruhiger ist, als bei uns in den letzen Tagen.

Wir reiten auch weiterhin durch endlose Apfelplantagen und unsere Strecke ist heute fast 39 km lang. Trotzdem bin ich happy als ich ankomme. Meinem Pferd geht es viel besser und ich liebe Apfelplantagen. Allein hier durchzureiten macht mich schon total glücklich 🙂  (Im Gegensatz zu allen anderen die total genervt sind von den ständigen Äpfeln um sie herum. Georg beschließt sogar spontan, dass er zu Hause alle Apfelbäume fällen will. Ich hoffe das überlegt er sich nochmal  🙂  )

Die Unterkunft für die Pferde ist – wie kann es anders sein – mitten in einer Apfelplantage. Dort befindet sich ein Reitplatz, der dem Besitzer des Bio-Hotels gehört, in dem wir heute übernachten werden. Total nett finde ich, dass unser Trossfahrer und die Organisatorin die Paddocks bereits aufgebaut haben. Nicht so toll daran, dass sie alles mit einem durchgehendem Band gemacht haben und somit alle miteinander verbunden sind. Um in den Paddock zu kommen, müssen wir deshalb die Bänder aushängen auf den Boden legen, Pferd drüber führen und wieder zu hängen. Darin sehe ich jetzt nicht das Problem, die Pferde bekommen das hin. Wovor ich eigentlich Angst habe ist, dass sich ein Pferd hinlegt und mit den Beinen in den Elektrobändern hängen bleibt. Sollte das passieren und es hektisch aufspringen, wird es die kompletten Paddocks umreißen wie die Steine am Domino-Day. Ich spreche unseren Trossfahrer darauf an und er meint, dass er das auch angemerkt hätte, aber jetzt würde schon alles stehen. Gut, ich will nicht immer den Teufel an die Wand malen und auch nicht undankbar erscheinen. Außerdem tröstet mich der Gedanke, dass hier so viele Äpfel sind, dass mein Pferd im Ernstfall nicht weit laufen, sondern sich durch die Plantage fressen würde.

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Ankunft in der Apfelplantage…

Das Biohotel ist ein Traum. Die Grundeinstellung, die hier gelebt wird, gefällt mir sehr gut. Es gibt nicht unzählige Gerichte, sondern lediglich die Wahl zwischen Vegetarisch und Fleisch. Laut Besitzer minimiert das die Mengen an Lebensmitteln die weggeschmissen werden müssen enorm. Je mehr Gerichte auf der Karte stehen, desto mehr muss vorrätig sein und desto mehr wird logischerweise auch weggeschmissen. Das gefällt mir, denn ich hasse nichts mehr als die Verschwendung von Lebensmitteln.

Nach dem Essen haben wir einen Vortrag in seinem Weinkeller und obwohl ich zuerst denke, dass ich zu müde bin und Keller nicht leiden kann, bin ich begeistert. Es ist echt spannend. Es geht nicht nur um Äpfel oder Wein, sondern um alle Themen, die persönliche Einstellung zum Leben und hier vor allem zum bewusstem Leben. Ganz nebenbei wird auch viel gelacht und wir haben jemanden mitgebracht. Unser Freund und Tagesbegleiter der Wanderer ist bei uns. Schließlich haben wir diesen Tag miteinander verbracht, das schweißt zusammen.

Sehr witzig auch die Antwort auf eine Frage von einer Reiterin. Sie hat immer Bedenken wenn sie irgendwo reitet und an einem Landwirt vorbei muss, der gerade sein Feld spritzt. Jetzt will sie wissen, wie schädlich das für sie und das Pferd ist. Die Antwort vom Chef Erich kommt prompt und ernst: “ Das kommt darauf an wie alt der Bauer ist. Du musst hinreiten und nachschauen. Wenn er alt ist, dann schadet es nix weil der lebt schließlich auch noch.“ Man merkt manchen Teilnehmern an, dass sie nicht wissen ob das jetzt tatsächlich ein Witz war oder ernst gemeint ist. Erich setzt aber noch eins drauf und erzählt den entsetzt dreinblickenden Mädels, dass es immer Zürcher Geschnetzeltes gibt, wenn ein Pferd mal das zeitliche segnet. Schließlich muss man alles verwerten. Wir lachen viel und sind gelöst wie noch nie auf diesem Ritt. Ich bekomme beim Südtiroler Dialekt Heimweh und fungiere zwischenzeitlich als Dolmetscher, wenn der Dialekt zu krass wird. Dieser Abend ist mit Abstand der schönste Abend seit wir unterwegs sind. Das erste Mal in 8 Tagen, sitzen wir zusammen und lachen zusammen. Das diese Brücke ein Südtiroler geschlagen hat und es vorher nicht so war ist traurig aber nicht zu ändern.

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Gastgeber Erich und unser Wanderer

Unser Zimmer ist schön, riecht unheimlich gut nach Holz und wir haben so viele Bette, dass fast alle bei uns schlafen könnten. Die Mädels melden sich bei uns an, weil es bei uns bestimmt sehr lustig ist und wir noch feiern könnten, aber Georg streikt. Das sind dann definitiv zu viele Hühner im Stall. 😉

Später lassen wir, wie jeden Abend, den Tag noch einmal Revue passieren und können es nicht fassen: Morgen ist tatsächlich der letzte Tag. Irgendwie ist es jetzt doch schnell vorbeigegangen. Wir freuen uns beide darauf und ich schlafe schnell ein. In der Nacht weckt mich das obligatorische blaue Facebook-Licht. Georg ist wieder aktiv 😉 Mich stört das nicht und irgendwie ist es vielleicht sogar ausgleichende Gerechtigkeit. Georg muss seinerseits damit klar kommen, dass ich mitten in der Nacht hochschrecke, ihn frage welches Pad ich jetzt beim Satteln hernehmen soll und schon wieder schlafe während er mir antwortet. Ein gutes Team mit allen Ecken und Kanten…

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Unser Zimmer im Bio-Hotel

Aufgeben und loslegen…

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man klare Entscheidungen trifft…

Wenn du erkennst, dass dich etwas kaputt macht hast du zwei Möglichkeiten:

  1. Ertrage es
  2. Ändere es

Genau diese Regel gilt auch wenn es um das heikle Thema Mobbing geht. Es ist ein Thema, dem sich keiner gern stellt. Es gilt immer noch als Zeichen der Schwäche von Mobbing oder auch Burnout betroffen zu sein. Dabei ist weder das eine noch das andere ein Grund sich zu schämen – denn schämen sollten sich diejenigen die es tun und nicht diejenigen die es ertragen müssen…

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Es gibt Dinge im Leben die ich nie begreifen werde. Zu diesen Dingen gehört das Phänomen Mobbing. Ich werde nie verstehen können was manche Menschen dazu bewegt, andere bewusst zu mobben und ich frage mich oft, ob es ihnen bewusst ist, dass das was sie tun Mobbing ist?

Ich würde gern wissen wie so etwas beginnt, würde gern wissen wie es funktioniert wenn zwei sich zusammen tun um einen Dritten zu mobben – würde gern diesen tatsächlichen Ablauf sehen…

Sitzt man gemütlich in der Kantine bei Schnitzel und Pommes und beschließt dann Person X nicht mehr zu mögen und spricht man das auch direkt so aus? Also so wie früher in der Grundschule „Wir reden jetzt nicht mehr mit ihr und sagen auch nichts wenn sie was wissen will“? Oder ist das eine stille Übereinkunft in der einer sieht was der andere macht und dann der andere folgt?

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Was ist es für ein Gefühl wenn man dann erkennt, dass man denjenigen tatsächlich am wunden Punkt getroffen hat? Ist das wie Schiffe versenken? Freut man sich und setzt am nächsten vermuteten Schwachpunkt erneut an? Was fühlt man wenn man die Tränen von Person X sieht? Sind das die „Bonuspunkte“ im Spiel oder werden sie übersehen? Kann man Mitgefühl einfach so abschalten?

Ist das Ganze ein Spiel, das man aus einer Laune oder einer Wut heraus beginnt und dass dann eine Eigendynamik entwickelt? Bereut man manchmal dieses Spiel begonnen zu haben und weiß nur keinen Weg mehr das ganze zu stoppen ohne das „Gesicht zu verlieren“?

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Ist es einem „Mitläufer“ tatsächlich nicht möglich, aus diesem Kreislauf auszubrechen? Bestimmt die Angst selbst der nächste zu sein das Handeln? Ist das die fehlende Zivilcourage von der immer wieder gesprochen wird?

Ich weiß es nicht und vielleicht ist es auch besser es nicht zu wissen und es sich auch nicht vorstellen zu können…

Ich möchte nur eine Lanze brechen! Eine Lanze für all diejenigen die an sich selbst zweifeln, die eine Schuld an sich suchen, die überlegen was sie falsch gemacht haben – NICHTS – GAR NICHTS…

Ihr wart zur falschen Zeit am falschen Ort und seid auf Menschen getroffen denen der Respekt vor anderen fehlt. Ich bin keine Heilige, ich liebe es blöde Witze zu reißen, aber wenn man merkt dass man tatsächlich übers Ziel geschossen ist, muss man auch genügend Rückgrat haben um zu seinem Fehler zu stehen und sich zu entschuldigen.

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In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Psychos und Weicheier. Die Arbeitswelt ist hart und man braucht harte Ellenbogen. Entschuldigt das alles? Der Konkurrenzkampf und der Leistungsdruck mögen belastend sein, aber meines Erachtens rechtfertigen sie nichts…

Man muss sich begreiflich machen, dass jeder Mensch – auch der Stärkste – seine Schwächen hat und im Umkehrschluss jeder Schwache genauso seine Stärken. Das bedeutet, dass es nicht zwangsläufig nur die Schwachen trifft, sondern meist diejenigen die nicht mit der Masse laufen oder diejenigen denen es gerade nicht so gut geht. Warum? Weil sie genau in diesem Moment sehr verletzlich sind.

Es könnte also jeden treffen und genau deshalb darf die Menschlichkeit nicht verloren gehen. Empathie und Mitgefühl dürfen nicht nur Worte sein. Ich kann mich an einen Spruch aus meiner Kindheit erinnern der hier perfekt passt:

„Was du nicht willst das man dir tu,

das füg auch keinem andrem zu…“

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Und es gibt auch noch ein Gedicht von Eugen Roth, dass ich euch ans Herz legen will:

Ein Mensch

“Ein Mensch, der sich sehr schlecht benahm, spürt zwar in tiefster Seele Scham. Jedoch, sofern er kein Gerechter, benimmt er fortan sich noch schlechter, weil du für seine falsche List ein wenn auch stummer Vorwurf bist.

Dies ist der Grundsatz, dem er huldigt: »Es klagt sich an, wer sich entschuldigt!« Auch ist ihm dieser Wahlspruch lieb: »Die beste Abwehr ist der Hieb!«

Und, da er sich einmal beleidigt, bleibt ihm nur, daß er sich verteidigt, indem er, sich in dir betrachtend, in dir sein Spiegelbild verachtend, dasselbe zielbewußt verrucht endgültig zu zertrümmern sucht.”

-Eugen Roth-