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Einfach mal abhängen…

Es ist für jeden Blogger ein Highlight, wenn ein Unternehmen ihn als Produkttester haben will. Bei der Firma Tropilex war es ein Hängesessel und ich durfte mir, aus einem Riesensortiment, sogar mein Lieblingsmodell aussuchen. Meine Wahl fiel auf das Modell Tropical Lounge-Natura. Bereits 2 Tage später kam das Paket bei mir an.

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Beim Auspacken ist mir sofort positiv aufgefallen, dass man absolut nichts gerochen hat. Was ich meine, ist der typisch, furchtbar, chemische Geruch, den ich von vielen Herstellern kenne. Auf den ersten Blick war ich beeindruckt, weil der Hängesessel unglaublich groß und vor allem stabil wirkt. Vor allem die Aufhängung gefällt mir gut und zeigt, dass hier Wert auf Qualität gelegt wurde.

Bevor ich jedoch testen kann, stellt sich für mich als Singlefrau, mit absolut fehlendem Handewerker-Gen, die Frage, wie ich das Ding befestigen soll. Das Telefonat mit dem Papa in der niederbayerischen Heimat bringt eine schnelle Lösung. Es werden keine Löcher in die Balken gebohrt (mein Vermieter wird es dem Papa danken) sondern ich brauche einen „Schlupf“. Wir haben in meiner Heimat viele komische Wörter aber dieses Wort habe ich nie zuvor gehört. Vermutlich kennt den Begriff hier in Oberbayern niemand und vielleicht gibt es ihn auch gar nicht und mein Papa findet es einfach nur lustig herauszufinden, ob ich mich im Baumarkt zum Horst mache. Ich betrete also den Heimwerkertempel und suche mir mit Vorsicht den Mitarbeiter aus, der so nett aussieht, dass er mich hoffentlich auch dann noch ernst nehmen wird, wenn ich mich gleich richtig lächerlich mache. Ich pirsche mich langsam, aber zielstrebig an den auserwählten Fachverkäufer ran und druckse umständlich rum. „Ich bräuchte was, von dem ich nicht weiß, ob es tatsächlich so heißt wie ich denke das es heißt und ich bin mir auch nicht sicher, ob mich meine Familie verarscht und ich gleich zur Lachnummer werde!“ An seinem Blick kann ich erkennen, dass ich zumindest seine Neugierde geweckt habe. Er antwortet mit süffisantem Grinsen „Sie können es ja auch umschreiben, wenn es Ihnen peinlich ist!“ Ok, in diesem Moment wird mir schlagartig klar, dass ich mich mit meiner seltsamen Formulierung in ein komplett falsches Licht gerückt habe. Wahrscheinlich schließt er aus dem Gehörten, dass ich etwas komplett Verrücktes für meinen hauseigenen Sadomasokeller suche. Um weitere Vermutungen in diese Richtung zu vermeiden, rücke ich lieber mit der Wahrheit heraus: „Also ich glaube ich brauche etwas das man Schlupf nennt und das ist so ein Ding wo man ganz schwere Sachen halten kann!“ Er wirkt ein klein bisschen enttäuscht und doch merke ich, dass er weiß von was ich spreche, denn jetzt grinst er breit. „Freilich woaß i wos a Schlupf is!“ Meine Erleichterung scheint mir ins Gesicht geschrieben zu sein, denn er läuft fröhlich lachend vor mir her und zeigt mir im Regal die verschiedenen Ausführungen vom Schlupf. Meine Frage ob es die Dinger echt nur in so häßlichen Farben gibt und nicht in Schwarz oder Natur, erheitert ihn erneut, denn auf Baustellen ist die passende Farbe wohl nicht so das Thema. Korrekt heißt der Schlupf übrigens Rundschlinge oder Baustellenhebeband. Ich bin zufrieden, kaufe stolz mein 1,00m langes Baustellenhebeband in dezentem Lila und mache mich auf den Heimweg. Das Set zum Aufhängen mit Feder und 2 Karabinern hatte ich schon bestellt und somit kann mein erster Versuch jetzt beginnen. Ich schmeiße den Schlupf gekonnt über den Balken, hänge den Karabiner ein, und??? Das Ding hängt! Ohne Bohren und fremde Hilfe. Das nenne ich mal eine frauenfreundliche Lösung!

Der erste Test und warum Drehungen nicht immer empfehlenswert sind:
Der erste Sitztest ist ein Traum! Wie bequem ist das denn? Ich fühle mich so wohl, dass ich beschließe, im wahrsten Sinn des Wortes, erst einmal ein bisschen abzuhängen und weil ich gerne seitlich liege, schmeiße ich mich beherzt auf die rechte Seite. Gut gemeinter Tipp für euch alle: Es ist keine gute Idee, dass Gewicht spontan auf eine Seite zu verlagern. Das sorgt unwiderruflich dafür, dass die Aufhängung auf eine Seite rutscht und man (in diesem Fall Frau) am Boden liegt und über sich selbst Tränen lachen muss. Aber ich bin lernfähig und so ist der zweite Versuch erfolgreicher. Ich bin weiterhin begeistert! Es ist unbeschreiblich gemütlich. Ich fühle mich geborgen und verbringe die nächsten 2 Stunden schaukelnd und zufrieden in meinem neuen Möbelstück. Eventuell ist es anzuraten, dass man sich langsamer an dieses neue Sitzgefühl herantasten sollte. Dies gilt vor allem dann, wenn man Probleme mit dem Gleichgewichtssinn hat. Nach 2 Stunden steige ich aus dem Hängesessel, also genauer gesagt taumele ich aus dem Sessel. Mir ist schwindlig, ich habe einen flauen Magen und mein Gang gleicht dem, eines betrunkenen Seemannes aber ich bin immer noch happy. Macht schaukeln generell glücklich? Sind es Erinnerungen an Kinderzeiten? Ich habe keine Ahnung was es ist und ehrlich gesagt ist es mir komplett egal, denn das Gefühl ist großartig.

Nach ein paar Tagen muss ich noch einmal nachbessern, denn der Balken ist viel zu nah am Fernsehapparat. Da ich weder den Balken noch den Fernseher versetzen kann, besorge ich eine Alternative zu meinem Schlupf. Nach kurzer Internetrecherche werde ich fündig und bestelle mir ein „Hängesesselgestell“, wie hätte es auch anders heißen können.  😉  Nur 2 Tage später bekomme ich die Lieferung. Nach einem überschaubarem Kampf mit der Aufbauanleitung ist es dann soweit und ich habe es geschafft. Ab sofort kann ich gechillt abhängen und bekomme kein Augenproblem.

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Mein persönliches Fazit:
Der Hängesessel von Tropilex ist uneingeschränkt zu empfehlen und hat sich innerhalb von 2 Wochen zu meinem absoluten Lieblingsplatz entwickelt. Hier lässt es sich gut träumen, lesen, nachdenken und was immer man sonst  darin machen will. Zugegeben kämpfe ich nach einer Extremhängesesselsession gelegentlich noch mit gelegentlicher Übelkeit, aber das ist es mir wert, denn es ist unbeschreiblich beruhigend und entspannend und setzt immer noch jede Menge Glückshormone in mir frei.

Qualitativ ist die Verarbeitung sehr hochwertig, die Optik absolut top und es gibt zusätzlich eine extra Stütze für die Füße, die bequemes Sitzen ermöglicht.

Wie fällt demzufolge mein Test aus? Ich liebe meinen neuen Hängesessel und hätte nicht gedacht, dass ich soviel Zeit in ihm verbringen würde. Wer von euch richtig abhängen will, dem kann ich den Hängesessel von Tropilex wirklich wärmstens empfehlen…

Also viel Spaß damit…

https://www.haengemattengigant.de/

 

Reiten im Landl – Abschied…

Nach 6 Reittagen war es soweit: Unser Abreisetag war gekommen. Im Gegensatz zu unserer letztjährigen Alpenüberquerung, gab es weder schlechte Stimmung, noch dieses erleichterte Aufatmen, weil es endlich vorbei war. Es gab auch keinen überstürzten Aufbruch mitten in der Nacht nur um endlich wegzukommen. Im Gegenteil! Wir waren traurig, weil unser Ritt schon vorbei war. Dieser Ritt war für mich in jeder Beziehung ein Ausnahmeritt ❤

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Unser Resümee nach diesem Ritt?

„Leit, es seit´s da Wahnsinn!!!“ 

Seit vielen Jahren gehe ich mindestens einmal im Jahr zum Wanderreiten. In dieser Zeit habe ich viele unterschiedliche Ritte gemacht und ich habe auf jedem Ritt viele spannende Dinge und auch so manches Abenteuer erlebt. Dieser Ritt, war jedoch der schönsten Ritt, den ich jemals gemacht habe und ich denke, hier darf ich für uns drei sprechen. Das Besondere an diesem Ritt waren vor allem die Menschen, die uns betreut und uns beherbergt haben. Wir waren nicht nur „irgendeine“ Reitkundschaft, nicht nur „irgendein“ Übernachtungsgast. Ihr habt uns das Gefühl gegeben Teil eurer Familien und Gemeinschaften zu sein. Wir waren in absolut jeder Unterkunft und jeder Mittagsstation aufs herzlichste willkommen. Wir wurden liebevoll umsorgt und verwöhnt und hatten die Gelegenheit Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen zu knüpfen. Einige dieser Kontakte halten immer noch an. Ihr Menschen, eure Herzlichkeit und eure ganz spezielle Art machten diesen Ritt für uns zu etwas ganz besonderem und deshalb von uns an das gesamte Reiten im Landl Team ein herzliches:

„Vergelt`s Gott! Wir werden euch nie vergessen und wir kommen wieder!!“

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Und ein besonderer Dank an meine Mädels, Steffi & Patricia:

Mit euch reite ich überall hin

Nachtrag: Auf dem Heimweg wurden Steffi und ich kurz vor München auf der Autobahn gestoppt. Mitten im Verkehrswahnsinn – Fahrzeugkontrolle! Und seine erste Frage: “Was habt ihr denn für Pferde? Ich habe auch eins…“  Pferdefreunde gibt es überall, selbst dort wo du sie gerade nicht vermutest, am Straßenrand mit Uniform und der Kelle in der Hand…

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DIE ALPENÜBERQUERUNG – DER 9.TE und letzte REITTAG – Finale, ohhohh…

Der Morgen beginnt mit einer aufregenden Neuigkeit und dem Bild das ihr oben sehen könnt. Als Georg mit den Mädels zum Füttern geht, teilt ihnen ein grinsender Erich mit, dass die Pferde ausgebrochen sind. Die Reiter eilen nervös durch die Apfelplantage und sehen erst einmal nichts…

Als sie etwas sehen, sind sie sprachlos. Alle Pferde stehen friedlich zusammen in einer Ecke und der Reitplatz sieht aus als ob ein Tornado durchgefegt wäre. Anscheinend ist genau das passiert was ich befürchtet hatte: Es war Domino-Day! Überall liegen abgebrochene Zaunstäbe, Elektrolitzen, zertrampelte Elektrogeräte, absolutes Chaos. Es gleicht einem Wunder, dass sich kein Pferd daran verletzt hat, sondern alle entspannt auf die Fütterung warten.

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Man beachte: Soleo hilft beim Aufräumen 😉

Die erste Überprüfung zeigt, dass keine größeren Blessuren zu finden sind und sie zeigt zusätzlich, dass in dieser nächtlichen Aktion jedes Pferd seinen Platz in der Gruppe gefunden hat. Wenn wir als Menschen das geplant hätten, wäre es mit Sicherheit schief gegangen. Die Pferde haben es unter sich geregelt. Meine geheime These ist jedoch eine ganz andere: Die Pferde wussten, dass wir bald nach Hause fahren und sie wussten ebenso, dass es nicht mehr viele Möglichkeiten geben würde, so richtig einen drauf zu machen. So haben sie die Gunst der Stunde genutzt, alle Zäune eingerissen und Party gemacht. Apollo hat sogar etwas gelernt in dieser Nacht. Er hat gelernt, dass sich nicht jede Stute von ihm decken lassen will. Von dieser Lektion erzählen zumindest die Abdrücke auf seiner Brust.  🙂  Soleo hingegen wirkt tiefenentspannt, hat einige wenige Bisswunden und scharrt stolz drei Damen um sich.

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Soleo und seine Girls…

Die Reiter entscheiden sich für das einzig Richtige: das Chaos beseitigen, ein bisschen Heu und Wasser verteilen und dann erstmal frühstücken gehen. Mehr als Schadensbegrenzung bringt sowieso nichts und es würde keinen Sinn ergeben die Gruppe jetzt zu trennen.

Wir frühstücken gemütlich und packen unsere Sachen. Als wir bei den Pferden ankommen steht Soleo immer noch bei seinen drei Damen und ich muss ihm erst einmal klar machen, dass mich seine überschäumenden Hormone kein bisschen interessieren. Die Debatte ist überschaubar, denn auch wenn mein Pferd in der letzten Nacht die Tatsache, dass er kein Hengst mehr ist komplett ignoriert hat, ist er jetzt einfach müde. Das verkürzt die  Diskussion, ob er beim Satteln stehen bleiben oder lieber zu den Mädels gehen soll,  erheblich.

Eine andere Mitreiterin ist total überrascht, weil ihre eigentlich stets vollblütige Stute entspannt wie nie ist. Woran das wohl liegen mag? 😉 Das Geschehen hat alle aufgeheitert. Vielleicht liegt es daran, dass keinem etwas passiert ist und das wir wissen, dass der letzte Reittag angebrochen ist. Beim Losreiten machen sich die Nachwehen der letzten Nacht bemerkbar. Soleo tänzelt wie ein spanischer Deckhengst durch die Gegend und die Stute einer anderen Reiterin hat ebenfalls einen Höhenflug und benimmt sich ähnlich wie mein stolzer Spanier. Die Nacht in Freiheit hat alle ein wenig übermütig gemacht 😉

Trotz der „Verräter“ Rufe meines Freundes Georg, darf Soleo auch heute vorne gehen. Nachdem er sich so tapfer durch den Tritt und die Lahmheit gekämpft hat, werde ich ihn am letzten Tag nicht ständig bremsen und nichts herausfordern. Er hat es sich verdient die letzten Kilometer so entspannt wie möglich zu gehen. Irgendwie habe ich darüber hinaus das Gefühl, dass es für die ganze Gruppe gut ist wenn ich hier reite. Schließlich kann ich so pausenlos unsere Rittführerin nerven, damit sie das Tempo an die Schwächsten anpasst und nicht ihr eigenes Ding macht und es kann auch nicht gelästert werden, weil ich das zwangsläufig hören würde. Ich vermute, dass irgendjemand (am besten die Veranstalter) sich mal die Mühe hätte machen und Klara diese Rittführer-Geschichte ausführlich erklären hätten sollen. Das hätte eventuell zu der Erkenntnis führen können, dass bei Licht besehen auch ein Leithammel nur ein Schaf ist und wir besser funktionieren, wenn wir zusammen halten.

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Im Gegensatz zu den Menschen, haben die Pferde nichts gegen die Veränderung in der Routine und so geht Soleo ganz entspannt voran. Es macht Spaß die anderen ein bisschen näher kennenzulernen, denn bisher war die Gruppe in 2 Bereiche gespalten.  Im Laufe des Tages lässt sogar unsere Rittführung vereinzelt menschliche Züge durchblitzen und wahrscheinlich bräuchte es nur noch weitere 10 Tage damit sie auftauen würde. Lediglich Karlheinz und ich finden so gar keinen Draht zueinander. Dabei ist es ihm scheinbar nicht wichtig wo ich gerade reite. Er ist extrem genervt von meiner Anwesenheit und muss das in regelmäßigen Abständen loswerden. Ständig brummt er vor sich hin wie gefährlich mein Pferd wäre und welches Risiko er hier eingeht. Sein Gemurmel klingt irgendwie wie betende alte Frauen beim Rosenkranz. Ich verzichte darauf ihm zu erklären, dass mein Pferd zuhause als Bremser für alle nervösen Pferde fungiert und selbst dann noch gelassen bleibt wenn jemand richtig dicht aufreitet. Alles was ich sagen würde ist hier vergebliche Mühe…

Ich konzentriere mich stattdessen auf die wichtigen Dinge eines Wanderrittes: die Truppenbetreuung. Nachdem wir den ganzen Ritt im Minutentakt die Meldung „Fahrrad“ gehört oder weitergegeben haben, löst mittlerweile allein das Wort bei den meisten von uns spontanen Brechreiz aus. Die Schmiedin und ich beschließen das zu ändern und heute nur noch wirklich interessante Meldungen nach hinten weiterzugeben. „Sexy Jogger von vorne“ kommt (zumindest bei den Mädels) gut an.  Ob das auch für den Jogger gilt und ob der sich blöd vorgekommen ist? Neiiiiiiin – Niemals 😉 Mit ein bisschen Glück hat er uns auch gar nicht verstanden…

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Nachdem unsere Hufschmiedin jeden Tag mindestens einmal zum Einsatz gekommen ist und vom verbogenem Eisen bis zu abgebrochenen Stiften alles repariert hat, erwischt es sie heute selbst. Am letzten Reittag muss sie tatsächlich noch ihr eigenes Pferd beschlagen. Wie so oft in den letzten Tagen befinden wir uns in einer Engstelle, es geht bergauf und trotzdem macht sie ihren Job souverän und lässig. Ich bin wirklich sehr froh, dass wir sie dabei haben. Hut ab ebenfalls vor ihrer Hilfsbereitschaft. Nach dieser kurzen Pause geht es weiter und wir befinden uns schon wieder in den Apfelplantagen. Vermutlich bin ich zu diesem Zeitpunkt die Einzige, die diese scheinbar endlosen Reihen von Äpfeln immer noch toll findet. Der Weg führt über kleine Brücken und schmale Wege. Das Wetter ist traumhaft und die Äpfel immer in Soleos Nasenhöhe 😉 Ja, ich weiß – Das grenzt ja schon fast an seelischer Grausamkeit, doch da muss er jetzt durch.

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Heute ist zur Pause etwas Besonderes geplant. Wir reiten durch einen schmalen Steig bis zu einem Biergarten. Der Aufstieg ist nicht ungefährlich weil es auf der linken Seite steil bergab geht, aber wir haben die Alpen geschafft. Was soll hier schon passieren? Karlheinz hält allen das Tor auf, während die Rittführerin sein Pferd mit nach oben nimmt. Er wäre nicht er selbst, wenn er es nicht schaffen würde, sogar hier alle durcheinander zu bringen. Während es links steil den Abhang runter geht, pirschte er sich rechts durchs Gebüsch ohne sich bemerkbar zu machen und verursacht damit erschrockene Pferde und ebenso erschrockene Pferdebesitzer die sich bemühen ihre Pferde vor dem Absturz zu bewahren. Eine Mitreiterin fragt ihn warum er sich nicht einfach bemerkbar macht, damit Pferd und Reiter ruhig bleiben. „Du hast mir gar nichts zu sagen“ schnauzt er sie an, um dann seinen Fehler zu bemerken. Er hatte sie mit mir verwechselt…  So wäre zumindest geklärt, dass er mich nicht so wirklich mag, oder?  😉

Soleo beweist einmal mehr, wie heldenhaft er ist und vor allem das er selbst mitdenkt. Dies lässt meinen (sowieso sehr großen) Stolz auf ihn noch einmal wachsen (wenn das überhaupt möglich ist). Das Pferd eines Mitreiters hat rechts Gras entdeckt und dabei doch glatt übersehen, dass links der Abhang ist. Auf einmal wird es hektisch, denn plötzlich ist das Pferd mit den Hinterhufen gerutscht und findet keinen Halt mehr. Bevor wir reagieren können, greift Soleo ohne mein Kommando ein. Er senkt den Kopf und schubst den Kumpel nach vorne auf den Weg. Der Reiter des anderen Pferdes und ich sind ein bisserl sprachlos und begeistert. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Ich habe das beste Pferd von allen Pferden!

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Superhorse… 😉

Die ganze Aktion ist, wie so vieles auf diesem Ritt, komplett an Klara vorbeigegangen. Den Blick starr nach vorne gerichtet geht sie unbeirrt ihren Weg und wird oben bereits von den Veranstaltern empfangen. Die Pferde werden an den Bäumen festgebunden und auch wenn das für einige ungewohnt ist klappt es überraschend gut. Karlheinz hat sich auch einen Platz ausgesucht. Leider einen Platz, der zu nah an den Stuten liegt und erhält prompt einen Rüffel der Organisatorin. Prinzipiell wäre das verständlich, aber wie so oft macht auch hier der Ton die Musik.

Gerade ich bin jetzt nicht diejenige die gut mit diesem Mann kann und es ist natürlich richtig, dass die Situation gefährlich ist, aber wir sind alle erwachsen und ein bisschen Respekt voreinander ist mir persönlich wichtig. (Abgesehen davon, dass es nicht das erste Mal ist, dass er andere in Gefahr bringt und sich bisher außer uns keiner darüber aufgeregt hat. Blöder Zeitpunkt jetzt damit anzufangen…)

Obwohl jegliche Kritik bisher spurlos an Karlheinz vorübergegangen ist, zieht er dieses Mal seine Konsequenz und bleibt bei seinem Pferd stehen. Alle sitzen um einen großen Tisch, essen und lachen miteinander und er steht abseits. Nach einiger Zeit setzt er sich an einen anderen Tisch, trinkt dort seinen Kaffee und schweigt. Es sollte jemand zu ihm gehen und in der Regel würde ich das übernehmen, bezweifele aber sehr stark, dass er mit mir sprechen will. Gottseidank wird mir die Entscheidung abgenommen, denn eine Mitreiterin empfindet ähnlich und übernimmt das. Die Geschichte die sie uns dann erzählt, macht nicht nur einiges klarer, sondern mich sprachlos und wütend. Karlheinz war tatsächlich noch nie vorher auf einem Wanderritt. Er war davon ausgegangen, dass ihm alles gesagt wird was er wissen muss, also auch wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Jetzt wäre er an seiner persönlichen Grenze angekommen und bräuchte deshalb seine Ruhe.

Selbst wenn er der erste Mensch in meinem Leben war, dem ich weh tun wollte, verstehe ich jetzt manche Dinge besser. Das teilweise rücksichtslose und gefährliche Verhalten der ganzen Tage ist vielleicht zu einem gewissen Teil charakterbedingt, hat aber meines Erachtens auch viel mit Unsicherheit und dem Überspielen derselben zu tun. Es wäre der Job des Veranstalters gewesen, solche Dinge abzufragen und dann gegebenenfalls, für den ersten Ritt, etwas Leichteres zu empfehlen. Wenn man denjenigen trotzdem mitnimmt, ist es noch wichtiger die grundlegenden Regeln zu erklären und nicht darauf zu hoffen das es irgendwie laufen wird. Diese Information an alle Mitreiter hätte wahrscheinlich sogar den ein oder anderen Ärger verhindern können. Verantwortung und Empathie gehen definitiv anders…

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Empathie geht anders…

Als wir wieder am Pferd sitzen bin ich nachdenklich. Hätte ich in manchen Situationen anders reagiert, wenn ich es gewusst hätte? Trotz allem Mitgefühl, das gerade in mir aufzieht, hat er sich selbst überschätzt. Ich höre auf diesen Gedanken nachzuhängen, denn ich war hier weder als Trainer noch als psychologischer Betreuer, sondern nur als Privatperson im Urlaub und somit war es nicht mein Job. Das gefällt mir zwar immer noch nicht, aber ich lasse es einfach so stehen.

Irgendwie ist heute die Luft raus und ich könnte nicht sagen an was das liegt. Keine Ahnung warum, aber irgendwie waren wir alle der Meinung, dass die Strecke heute kurz ist. Die Erkenntnis das dies nicht so ist, kommt nach endlosen Wegen auf denen wir uns abwechselnd durch Obstplantagen schlängeln oder auf dem allseits beliebten Radweg dahintrotten. Wir lassen uns von Radfahrern beschimpfen und weichen genervten Obstbauern aus, die mit voll bepackten Traktoren an uns Vorbeidonnern. Die unangenehme Strecke und die aufkommende Demotivation schlagen sich sofort auf das Verhalten der Pferde um. Ganz hinten kämpft eine Reiterin mit ihrer Stute, der es gerade zuviel wird und die deshalb nervös reagiert. Unsere Rittführerin kommentiert die Situation und meine Aufforderung zu warten lediglich mit genervten Augenverdrehen. Die Gruppe zieht sich immer weiter auseinander und erinnert gerade an die Karawane der Verdammten, die in der Wüste versuchen zum Wasser zu kommen. Vermutlich verdanken wir es nur der Tatsache, dass jeder auf ein baldiges Ende hofft, dass die Situation nicht eskaliert. Zum wiederholten Male wüsste ich gern was in Klara vor sich geht. Es müsste ihr doch klar sein, dass es nichts hilft vorauszueilen. Wir müssen zusammen zum Ziel kommen. Vermutlich ist ihr das  mittlerweile total egal: Sie soll uns die Strecke zeigen und in ihren Augen tut sie das.

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Geht ohne mich, lasst mich zurück… 😉

Bei der letzten Pause auf diesem Ritt ist eines deutlich zu merken: Die Nerven von allen liegen blank. Die Lager spalten sich immer mehr und auf einmal hänge ich zwischen den Fronten. Verhaltensweisen die man zuletzt in der Kinderzeit erlebt hat, kommen jetzt zum Vorschein. Weil ich jetzt „vorne“ reite, bin ich eine von „denen“. „Eine von denen“ bedeutet auch, dass ich zu den Bösen gehöre die immer nur Tempo machen und nicht auf die anderen schauen. Unglaublich wie sich hier eine Gruppendynamik entwickelt. Auch wenn es mir sehr schwer fällt, ich äußere mich nicht mehr und halte mich aus allem raus. Es fühlt sich ein bisschen so wie früher in der Schule an, wenn man sich mit den Strebern abgegeben hatte. Extreme Situationen bringen extreme Seiten an Menschen zum Vorschein, positive wie negative. Mir wird bewusst, dass wir alle nur noch „fertig werden wollen“ und das macht mich traurig…

Was ist aus meinem Traum geworden? Was aus dem Hochgefühl aller vorangegangenen Ritte? Ich nehme mir vor, mich nur noch auf mein Pferd und mich zu konzentrieren und versuche alles andere auszublenden. Es ist mein Ritt, mit meinem Pferd und ich will diese Sache so gut es irgendwie geht abschließen. In meinem Kopf ist aber nicht nur dieser Vorsatz, sondern noch ein ganz wichtiger: Nie wieder reite ich mit Veranstaltern die ich nicht kenne und mit denen ich vorher nicht geritten bin…

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Gut, nachdem das für mich geklärt ist, konzentriere ich mich auf andere Dinge. Das Panorama ist immer noch traumhaft und irgendwo an einer Wegkreuzung warten die Veranstalter auf uns.  „Ihr reitet jetzt durch ein Labyrinth und wenn ihr immer richtig abbiegt seid ihr bald da.“ lautet die Ansage. Für mich hört sich das nach Endspurt an! Für alle anderen auch und mit dieser Vorfreude traben wir los. In diesem Moment ist es sehr schön hier zu sein. Wir biegen zwischen den Baumreihen ab und die ganze Zeit über haben die meisten ein Grinsen im Gesicht. Bald ist es geschafft und dieser Abschluss durch die Plantage ist wirklich schön gewählt. Nachdem wir 5 Minuten durch die Plantagen geirrt sind und gerade anfangen an dem Weg zu zweifeln, landen wir am unvermeidlichen Fahrradweg.

Nichts ist geschafft. Zu früh gefreut! Es geht weiter, weiter an der Straße entlang, vorbei an überfahrenen Tieren und ständig überholt von genervten Autofahrern. Die Strecke scheint kein Ende zu nehmen und genau in diesem Moment bemerke ich, dass meine persönliche Grenze erreicht ist. Am liebsten würde ich absteigen, mich ins Gras setzen und mich erst wieder bewegen wenn Georg mit dem Hänger kommt. Ich habe keine Lust mehr, will einfach nur ankommen…

Nachdem ich schon befürchtet hatte, dass wir nie mehr ankommen, ist es soweit – Endspurt. Wir lassen uns jedoch nicht die Möglichkeit nehmen im Finale noch ein letztes Mal zu beweisen, dass wir als Gruppe im Verkehr wirklich ganz schlecht sind und sich das auch in 9 Tagen nicht verändert hat. Ich drehe mich um und sehe an Georgs Gesicht, dass er ebenso genervt ist wie ich. Deshalb ist es mir in diesem Moment total egal, wessen Job es eigentlich wäre. Ich stoppe von vorne die Autos um über die Brücke zu kommen, gehe los und weiß ohne mich umzudrehen, dass Georg von hinten alles klar machen wird. Er schiebt den Rest von hinten mit einem lautstarken „Vorwärts, vorwärts“ durch und ich bin beruhigt ihn zu hören. „Es ist jetzt aber schon rot!“ höre ich eine Stimme, doch die wird von einem erneuten und energischem  „Vorwärts“ unterbrochen. Ich muss grinsen und schüttele den Kopf. Man trennt keine Gruppe im Verkehr. Ist das immer noch nicht klar?

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Es geht weiter ein kurzes Stück durch das Dorf und dann haben wir es tatsächlich geschafft. Wir reiten in einen Hof und auf einmal ist alles vorbei. Unser Gastgeber begrüßt uns mit Schnaps und Sekt und ich bin unsagbar froh ihn zu sehen, denn das bedeutet, dass wir angekommen sind und es morgen nach Hause geht. Abgesehen von diesen Freuden, bin ich enttäuscht. Ich habe nicht dieses Siegergefühl, das man nach so einem Ritt haben sollte und ich habe nicht das  Gefühl etwas Besonderes geschafft zu haben. Der einzige der hier wirklich viel geschafft hat ist mein Pferd. Der hat 260 km geschafft und eine super Leistung abgeliefert. Er hat mich zuverlässig und souverän zum Ziel gebracht. Dafür darf er sogar an meinem Prosecco nippen 😉

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Prosecco ist jetzt nicht so sein Ding 😉

Das abschließende Gruppenbild entwickelt sich noch einmal zum Chaos. Zumindest steht Soleo gelassen direkt neben dem schallendem Jagdhorn und zuckt nicht mal mit der Wimper, das ist doch ein Erfolg. Nachdem die Pferde untergebracht sind, ist die Stimmung gelöst, wenngleich es immer noch 2 Gruppen gibt. Die eine besteht aus Klara und 2 Reitern, die andere aus dem Rest. Es ist jetzt vorbei und wichtig ist nur, dass wir es geschafft haben. In diese angenehme, entspannte Stimmung kommt jedoch umgehend wieder Hektik. Klara will ihren Anhänger leer haben. Jetzt! Auf der Stelle! Sie fährt zwar erst morgen und es würde reichen das später zu machen, aber ich habe aufgehört gegen Dinge anzukämpfen die mir nicht wirklich wichtig sind. In dem Anhänger ist vom Futter angefangen über Regendecken bis hin zum Zubehör für den täglichen Paddockbau alles was wir in diesen 9 Tagen gebraucht haben. Da Klara nicht mehr warten will, fängt sie an unkontrolliert und wild durcheinander alles aus dem Hänger zu tragen und in einem malerischen Durcheinander vor dem Anhänger auf einer Wiese zu verteilen. Jeder von uns versucht in dem Chaos seine Sachen zu finden und als wir damit fertig sind, nehmen wir unser Gepäck und beziehen zum letzten Mal auf dieser Reise unser gemeinsames Zimmer. Eine heiße Dusche später sind wir bereit für das Abschiedsessen.

Der erste Blick auf die Menükarte lässt mich spontan lachen. Es gibt tatsächlich Zürcher Geschnetzeltes. In den Gesichtern aller sehe ich, dass sie noch die Geschichte von Erich, unserem gestrigen Gastgeber, im Kopf haben. Die meisten stochern tatsächlich eher lustlos im Essen. Haben sie Angst, dass es doch altes Pferd ist? Die Magie der Worte sage ich da nur… 🙂

Das Essen verläuft ruhig und doch warte ich gespannt auf den Moment, der nach solchen Ritten eigentlich immer kommt. Die Feedbackrunde und die damit verbundene Frage wie es jedem gefallen hat. Die Frage kommt nicht, stattdessen öfters unangenehmes Schweigen. Die Organisatorin verteilt kleine Pokale an uns und ich persönlich freue mich sehr darüber. Wahrscheinlich sollten wir noch zusätzlich das Bundesverdienstkreuz bekommen, weil wir uns nicht gegenseitig in den Abgrund geschubst haben, aber ein Pokal ist auch schon was. 😀

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Die Stimmung bleibt angespannt und ich habe das Gefühl, dass jeder auf den Zeitpunkt wartet, an dem er/sie sich verabschieden kann. In diesem Moment steht eine von unseren Küken auf und ergreift das Wort. Sie beeindruckt mich wirklich immer wieder. Obwohl sie und ihre Freundin, Klaras bevorzugtes Motz- und Lästeropfer waren und sie sich immer wieder vor den Kopf stoßen lassen mussten, findet sie genau die richtigen Worte. Sie bedankt sich bei der Rittführung und schafft es für einen Moment, dass die Atmosphäre angenehmer wird. Das ist wahre Größe, wahrscheinlich sollte das Bundesverdienstkreuz dann doch an sie gehen. 😉

Georg und ich beschließen spontan am nächsten Morgen bereits gegen 4:00 Uhr aufzubrechen und verbinden damit die Hoffnung der letzten Rückreisewelle und den damit verbundenen Staus zu entgehen. Wir verabschieden uns von allen und ich nehme sogar Karlheinz zum Abschied in den Arm. Manchmal muss man über solchen Dingen stehen, um für sich selbst einen sauberen Abschluss zu finden. Der Abschied ist kurz aber herzlich und macht mir bewusst, dass es zwar viel Ärger und Unmut gab, ich jedoch wirklich tolle Menschen kennengelernt habe…

 

DIE ALPENÜBERQUERUNG – DER 7.TE REITTAG – Teil II

…und weil Karlheinz nun mal ist wie er ist, achtet er nur auf sich selbst, denn schließlich hat er Urlaub. Als wir immer noch alle total begeistert zusammenstehen, kommen die Polizisten erneut auf uns zu und sagen uns, dass wir hier nicht bleiben können…

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Wir müssen nochmal raus auf die Straße und erst eine andere Abfahrt runter. Dazu muss die Straße nochmal gesperrt werden und (wen wundert es) es muss wieder einmal schnell gehen. Alles kein Problem, ich bin bereit. Dieses Mal reite ich Soleo ganz dicht an das Ende der Gruppe, denn es hat Spaß gemacht durch den Tunnel zu rasen und so machen wir das jetzt auch. Mein Dauergrinsen ist immer noch da. Georg ist vor mir, wir machen unsere Scherze und dann drehe ich mich um…

Zuerst kann ich es nicht einordnen. Warum steht Patricia noch so weit hinten. Als ich genau hinsehe, kann ich den Grund erkennen: Karlheinz! Der ist nämlich noch einmal abgestiegen und ich kann euch beim besten Willen nicht sagen warum! Wahrscheinlich habe ich es mittlerweile einfach verdrängt oder es erschien mir zu diesem Zeitpunkt schon so absurd, dass ich es sofort wieder vergessen habe. Vermutlich musste er irgendetwas festbinden, Tempos suchen, sich die Haare kämmen, in der Nase bohren oder etwas ähnlich wichtiges machen. Ganz egal was er gerade macht, Fakt ist: Er steht neben seinem Pferd und das trotz der drängenden Patricia und unserer mittlerweile extrem genervten Rittführerin.

Diese sieht mich zögern, schaut aber gar nicht nach weiter hinten und schreit mich an: „Vorwääääääärts, wir müssen uns beeilen! Die Polizei will das wir uns beeilen!“ Ich schreie zurück, dass sie warten muss, weil Karlheinz nichts so weit ist, sie wiederholt nur, dass wir uns beeilen müssen und das Ende vom Lied? Typisches Sender – Empfänger Problem, sie hat anscheinend die beiden hinten nicht realisiert und bringt ihr Pferd in Bewegung. Dieses Mal auch nicht im langsamen Trab, sondern mit richtig Tempo. Ich brauche nicht zu überlegen was ich tun soll, ich kann nicht abhauen, denn wie wir alle wissen (oder es zumindest tun sollten): Pferde – Herde – Trieb – Panik.

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Die Gruppe ist direkt hinter der Rittführung und ich stehe mit meinem, jetzt doch panisch werdendem, Pferd in der Mitte. In diesem Moment dreht sich Georg um und sieht was hier abläuft. Er versucht Apollo zu bremsen, der aber logischerweise hinter der Herde her will und nicht begeistert von dieser Idee ist. Karlheinz, komplett entspannt und ruhig steigt auf sein Pferd und wirkt eher genervt von unserer Ungeduld. Dann galoppiert er wortlos und ohne irgendeine Ansage an. Bei dem Wechsel zwischen altem und neuen Asphalt rutscht sein Pferd weg. Ihn interessiert weder das, noch das unsere Pferde jetzt natürlich auch mit dem Kumpel fliehen und den anderen folgen wollen. Paul schießt hinterher, wir stehen noch auf demselben Fleck, denn Soleo zieht sich gerade so hoch, dass er auf der Stelle piaffiert und testet ob man die Straße auch auf 2 Beinen, hüpfend wie ein Karnickel, überwinden könnte, um sich dann für abgehacktes, seitliches galoppieren zu entscheiden.

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Der neue Asphalt ist nicht gerade hilfreich bei meinem Versuch mein Pferd herunterzuspielen und zeitgleich einen klaren Gedanken zu fassen. Eigentlich ist in meinem Kopf gerade das komplette Gedankenchaos:

  • Verdammte Scheiße, ich will das nicht!
  • Tief atmen!
  • Ich würde jetzt gern absteigen! (Da ich gerade das letzte Pferd hinter der Kurve verschwinden sehe, ist das keine gute Idee.)
  • Tief atmen!!!!
  • Ich hasse meine soziale Ader! Warum war es mir eigentlich nicht scheißegal, wie dieser Typ allein zurechtkommt. (Die Antwort kann ich mir aber auch gleich selber geben: Patricia war dabei und selbst wenn er allein gewesen wäre, sowas macht man nicht.)
  • Was ist wenn ich ihn jetzt einfach laufen lasse? (Kurzer Test zeigt, dass wir uns dann mit Sicherheit das Genick brechen, weil er 0,0% aufpasst und nur panisch zu den Kumpels will?)
  • Richtig tief atmen!
  • Warum zur Hölle wollte ich diesen Ritt machen?
  • Ok, jetzt habe ich ihn gleich…
  • Jesus!!!! Da ist Patricia!!!! Und ja, da – ebenfalls quer auf der Straße galoppierend – ist auch Georg. Halleluja…

Ich habe mich selten so gefreut jemanden zu sehen wie in diesem Moment, die beiden mit ihren Pferden. Es war mit Sicherheit nur ein Augenblick bis ich um diese Kurve und sie wieder in meinem Blickfeld waren und doch hat dieser Augenblick für so viele Gedanken gereicht. Mein erster Satz an Patricia ist deshalb auch „Ey, lass mich nicht allein hier hinten!“ Sie schafft es sogar zu grinsen und meint beruhigend „Na, na i bleib scho do!“ Georg und Apollo reiten immer noch quer und vom Rest ist nichts mehr zu sehen.

Ich brauche insgesamt ca. 500 Meter um Soleo einzufangen. Das hört sich nicht weit an, ist aber ein langes Stück Straße und eine endlos lange Strecke, wenn du gerade keine 100%ige Kontrolle über dein Pferd hast. Mein einziges Ziel ist es deshalb, mich selbst ruhig zu halten, damit Soleo sich beruhigen kann. Ich gehe vor, wie bei meinen Angstkursen und gebe mir gedanklich Anweisungen: „Tief in den Bauch atmen, Absätze tief, Hände locker, immer wieder nach vorn überstreifen, Atmen nicht vergessen!“ Und dann kommt der Moment, an dem ich merke, dass es ankommt und mein Pferd zumindest in Teilen wieder bereit ist zuzuhören. Die ganze Zeit über ist Patricia mit Paul an meiner Seite und das ist etwas, dass ich ihr definitiv nie vergessen werde.

Georg hat zwar Abstand zu uns, aber ich weiß, wenn es brennt findet er einen Weg zu helfen oder mich zumindest aufzufangen wenn ich mit meinem Pegasus vorbeifliege.

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Dann ist es soweit und ich spüre, dass ich jetzt angaloppieren kann. Es ist sogar ein langsamer, wenn auch äußerst spanischer Galopp. Vor allem aber ist es ein Galopp, den ich kontrollieren kann. Er ist angespannt, aber alles ist gut. Georg sieht das und konzentriert sich auf sein Pferd. (Kommentar hinterher: „Ich hab doch gesehen, dass du das im Griff hast.“) Jetzt reiten wir über die Schnellstraße und können es auch wieder genießen. Zu dritt so eine Straße für uns und das mit 3 Pferden, die es gerade echt verstehen eine Show abzuliefern, das hat schon was. Der Polizist grinst uns nett an als wir die Straße verlassen und dann steht sie da: unsere Gruppe…

Während wir einreiten und in betretene Gesichter schauen, beschließe ich nicht auf Konfrontation zu gehen. In meinem Kopf läuft ein Mantra ab „Ich rege mich nicht auf, ich rege mich nicht auf, ich rege mich nicht auf…“ Als Persönlichkeitstrainer sollte ich wissen, dass mein Unterbewusstsein das Wort „nicht“ ignorieren wird, als Mensch bin ich gerade so gereizt, dass ich nicht klar denken kann und dann reicht ein Blick der Rittführung, um aus der Haut zu fahren und ich muss mal ganz deutlich nachfragen, ob die Körperöffnung, an die die Sonne nie scheint, eventuell geöffnet sein könnte. Das ist jetzt die leserfreundliche Umschreibung meiner eigentlichen Aussage.

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Ich bin ein bisschen von mir selbst überrascht, denn eigentlich würde ich so etwas allerhöchstens sagen, wenn ich jemanden davon erzähle – aber so direkt? Ja, ich glaube hier kommen gerade alle meine Facetten zum Vorschein, auch die, die im Rahmen meiner guten Erziehung eliminiert wurden. Der Satz „Wir mussten uns beeilen.“ schmeißt meine Beherrschung dann ganz über den Haufen. Ich versuche bewusst zu machen, dass Karlheinz nicht am Pferd war und es ihre Aufgabe gewesen wäre, auf ihn zu warten. Karlheinz wiederum schaut gelangweilt in der Gegend rum und ist sich keiner Schuld bewusst.

Sehr amüsant auch der Erklärungsversuch, dass die Polizei einfach die Sperre aufgehoben hätte und dann keiner mehr Rücksicht genommen hätte. Sorry, die Polizisten sind keine Idioten! Was sind das für Räubergeschichten!. Mein „So ein Bullshit!“ wird von Georg abgebrochen. Der hat wohl erkannt, dass ich gleich ausflippe und bringt alle dazu weiterzureiten, weil wir noch sooooo eine lange Strecke vor uns haben. Man merkt, dass mich mein Freund Georg schon sehr lange kennt. „Reg dich erstmal ab, das ist es doch nicht wert!“ Damit hat er wohl recht und so mache ich weiter was ich auf der Straße begonnen habe. Tief atmen….

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Leider hätte ich ein bisschen Zeit gebraucht, um mich wieder abzuregen, aber wir gehen nur einen kurzen Weg und dann wartet die Organisatorin am Wegesrand, um den ausgefallenen Kaffee von der Mittagspause nachzuholen. An und für sich eine tolle Sache, wenn – ja wenn, da nicht Karlheinz wäre. Der Karlheinz der noch kein einziges mal auf diesem Ritt kapiert hat, wenn er andere in Gefahr gebracht hat, genau dieser Karlheinz kommt, während ich noch auf meinem Pferd sitze, auf mich zu und fängt an zu argumentieren.

Er verstünde gar nicht warum ich mich so aufrege. Ich nehme mich zusammen und versuche ihm ruhig zu erklären, wie ein Pferd funktioniert. Was es mit dem Herdentrieb auf sich hat, das wir – also Patricia, Georg, er und ich, für uns eine Herde waren und wir gefahrlos hätten hinterher reiten können, bis zu dem Zeitpunkt an dem er abgezischt ist. Sein Argument, dass er bei uns nicht reiten kann, weil unsere Pferde zu gefährlich sind, schmeißt erste Funken auf die Lunte, die direkt zu meinem äußerst scharf geladenen innerem Pulverfass führt.

Georg sieht mich an und merkt, dass es jetzt gleich vorbei ist mit Diplomatie und Psychologie und versucht mich mit einem Handwinken zu beruhigen. Ich bin bemüht! Meinen Mühen entgegen steht aber ein Mensch, der nicht weiß, wann es Zeit ist ruhig zu sein oder zu gehen. „Also schließlich hast du ja unterschrieben, dass du in jeder Gangart reiten kannst, dann musst du dich jetzt nicht so aufregen. Ich kann auch nichts dafür das du nicht reiten kannst!“ 2 Sekunden absolute Stille, dann sage ich sehr leise und aufs äußerste beherrscht „Ich habe nicht unterschrieben, dass ich einem Idioten auf der Teerstraße hinterher schießen muss und jetzt tu dir selbst einen Gefallen und geh einfach!!!!“

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Karlheinz ist jetzt in Fahrt und beginnt einen Vortrag über unsere gefährlichen Pferde zu halten und weil er jetzt nicht geht, riskiert er tatsächlich der erste Mensch zu werden, dem ich eine deftig, bayerische Watschn geben muss. Ich versuche es nochmal mit Atmen. Beim nächsten „…ja aber…“ ist es jedoch mit jeglicher Selbstbeherrschung vorbei. Ich springe von Soleo, wie die Trickreiter in Pullmann City, und schreie im Flug „So und jetzt krachts…“ Ich habe keine Ahnung woher Georg so schnell kommt und warum er mich sofort am Ärmel hat, während ich in Richtung Karlheinz will und weiterbrülle „Der fangt etzt oane, vielleicht schoit a dann`s Hirn wieda ei!!!“ (Für Nichtbayern: Ich hege die Hoffnung, dass ein Schlag auf seinen Kopf, seine Fähigkeit für logisches Denken reaktivieren könnte!)

Ich glaube, dass mich nicht viele Leute in dieser Situation bremsen können, denn genau in diesem Moment will ich ihm einfach eine reinhauen. Nicht weil ich gewalttätig bin, sondern einfach in der Hoffnung, dass er aufwacht und erkennt, was er gerade für einen Scheiß labert. Georg hält mich immer noch mit einer Kraft am Ärmel fest, die mich zwingt ihn anzuschauen. Er grinst mich breit an und meint „Das bringt doch nichts!“ Ich bin anderer Meinung, aber sein Grinsen lässt mich schlagartig erkennen, wie grotesk und unfreiwillig komisch die ganze Situation gerade ist und so muss ich tatsächlich über mich selbst lachen. „Hast du das gemerkt? Ich wollte ihm echt weh tun?“ Jetzt lachen wir beide und gehen kopfschüttelnd Kaffee holen, während Karlheinz (immer noch vor sich dahin meckernd) den nächsten Leuten auf die Nerven geht.

Unsere Rittführerin kommt zwischenzeitlich auf uns zu und gibt zu, dass sie Karlheinz nicht gesehen hatte. Die Schuld aber jetzt allein auf ihn zu schieben, finde ich nicht richtig. Es wäre in ihrer Verantwortung gelegen, denn das ist der Job des Rittführers. Ihre erneute Aussage, dass die Polizei dann die Sperre aufgehoben hätte und die Autos von allen Richtungen gekommen wären, will ich nicht mehr kommentieren und überlasse daher Georg die Debatten. Heute will ich einfach ankommen und meine Ruhe haben.

Ich habe zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wie lange es dauern wir, bis sich mein Wunsch erfüllt, aber davon im nächsten Teil mehr…

Die ganze Situation wird mir nach dem Urlaub noch einmal vor Augen geführt werden. Eine unserer Mitreiterinnen wollte das wunderschöne Panorama und den Blick über die Straße in einem Video festhalten. Angelockt durch mein Geschrei, hat sie die Kamera drauf gehalten. Ich sag nur soviel: Ich hatte keine Ahnung, dass ich so aggressiv sein kann und danke, dass es nicht in das Gruppenalbum geladen wurde. ❤

Die Alpenüberquerung – Der 4.te Reittag

Der 4.te Reittag – Es menschelt…

Der Tag 4 ist wohl irgendwie ein verhexter Tag. Nicht nur, dass dieser Tag (auch mit Abstand betrachtet) der schlimmste Tag dieses Rittes war, nein, er ist auch einfach verschwunden. Also zumindest ist er aus meiner Seite verschwunden. Ich hatte den Artikel in meinem Blog am Samstagabend online gestellt und am Sonntagmorgen war er weg. Ich bin wirklich froh, dass ich von einigen von euch schon Reaktionen erhalten habe, denn sonst würde ich jetzt wahrscheinlich an meinem Geisteszustand zweifeln. Aber heißt es nicht immer man wächst an seinen Aufgaben? So soll es wohl auch dieses Mal sein und ich fange noch einmal ganz von vorne an.

Wir sind also bei unserem vierten Reittag. Es ist mittlerweile Sonntag. Wie jeden Morgen ist auch heute beim Frühstück eine Art „Vorbesprechung“. Dieses Mal erfahren wir zwischen Kaffee, Semmel und Ei, dass wir eventuell auf freilaufende Kaltblüter treffen werden und dann einfach davon traben sollen. Aha… Ich bin irritiert und sehe an den Blicken der anderen Teilnehmer, dass es Ihnen ähnlich ergeht. Was ist mit dem Herdentrieb? Was mit der Tatsache, dass dies eine direkte Aufforderung zum hinterher rennen ist? Oder mache ich mir umsonst Gedanken, weil diese besonderen Kaltblüter ein Holzbein haben und nicht so schnell humpeln können wie wir traben? Vielleicht hängen sie an einer Kette wie ein Hofhund oder sind sie vielleicht einfach besser erzogen als unsere Pferde und sagen sich „Ach, das sind ja die Wanderreiter. Da müssen wir stehen bleiben!“?

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Ich kann die Aussage nicht nachvollziehen und will mehr wissen. Meine Frage ob diese Vorgehensweise wirklich so intelligent ist, wird im ersten Anlauf nicht beantwortet. Auf mein mehrfaches Nachfragen bekomme ich dann aber noch eine zusätzliche Auskunft. Die Reiter, die offene Westernzügel haben, sollen nach außen gehen und mit dem wedelnden Zügeln den anderen die Pferde vom Leib, bzw. vom Pferd halten. Das hätte bisher immer geklappt. Das ich da aber nicht selbst drauf gekommen bin? 😉

Nachdem also der Umgang mit fremden Vierbeinern geklärt ist, kommt die nächste Information. Heute überqueren wir die Fernpass-Straße, da müssen wir uns alle beeilen um gemeinsam rüber zu kommen und wir müssen die Packtaschen abnehmen, weil wir eine Brücke überwinden müssen, die um eine Felsnase herumführt und äußerst gefährlich ist. Irgendwo wäre irgendwann ein Italiener an sowas schon mal hängengeblieben und soll mitsamt panischem Pferd abgestürzt sein. Die Information mit den Packtaschen und der zügigen Überquerung der Straße finde ich wichtig und sehr gut. Den Rest? Lasst es mich so sagen: Ich bewundere jeden Tag aufs Neue das psychologische Fingerspitzengefühl…

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Ich beschließe erst einmal abzuwarten und bin froh, dass Georg schon bei den Pferden ist. Das entsetzte Gesicht seiner Frau zeigt mir, dass sie die Auskünfte über den Tagesverlauf ebenfalls nicht sehr beruhigend fand.

Ich bin in diesem Moment sehr froh, dass wir uns entschlossen haben diesen Ritt gemeinsam zu machen. Wir kennen uns sehr lange und sind ein eingespieltes Team. Jeder weiß was er kann und vor allem wissen wir, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Eigentlich hatten wir den Plan entspannt ganz hinten zu gehen, einfach und locker mitzureiten und uns um nichts zu kümmern – schließlich haben wir Urlaub. Seit dem ersten Reittag ist uns jedoch klar geworden, dass man die Augen nicht so verschließen kann und so sichern wir die Gruppe von hinten ab, Georg blockt Straßen und vieles mehr. Viele Mitreiter wissen das mittlerweile zu schätzen und die meisten unserer Mitreiter sind auch wirklich super nett. Es ist dieser Spaß den wir miteinander haben, der uns immer wieder davon abhält abzubrechen. Während wir die Paddocks abbauen und die Pferde satteln, machen Georg und ich unsere persönliche Tagesbesprechung und wie immer ist klar, dass wir auf uns selbst aufpassen müssen und je nach Situation entscheiden werden.

Die Besitzerin von Siri hatte gestern ganz offen die Frage gestellt, ob es für jeden in Ordnung ist, wenn sie heute mitkommt. Sie will keinem zur Last fallen, weiß aber nicht ob ihre Stute die Tagesetappe durchhält. Ich war positiv überrascht, dass alle zugestimmt haben. Vielleicht täuscht man sich doch in manchen Menschen und sie können nur nicht so aus sich raus kommen.

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So geht es also heute wieder mit der kompletten Gruppe los. 10 Pferde – 10 Reiter und es startet wunderschön im sonnigen Frühnebel. Als wir in den Wald kommen, beeindruckt die Schönheit der Natur erneut und trotz manch seltsamer Situation gibt es durchaus auch witzige Begebenheiten. (Auch wenn ich diesen Witz bisher für mich behalten habe 😉 )

Wir müssen steil bergab gehen und deshalb führen wir. Ganz vorne wird ein Zitronenfalter entdeckt der auf einer Distelblüte sitzt. Wie bei Kindern wird diese Entdeckung nach hinten weitergegeben. „Zitronenfalter, Zitronenfalter, Zitronenfalter..“ Das wiederholt sich 9x bis es bei mir ankommt. Da ich ganz hinten bin und das Tempo gerade überschaubar ist, beschließe ich ein Bild von dem legendären Zitronenfalter zu machen, den alle so toll finden. Ich zücke also mein Handy und visiere ihn an, während ich in der anderen Hand die Zügel meines Pferdes halte. Bevor ich abdrücken kann macht es einen Haps… Ich starre entgeistert mein Pferd an. Er leckt sich genüsslich über die Lippen und sieht zufrieden aus. Vollkommen ungerührt kaut er Distelblüte mit Füllung. Da wo mal der Zitronenfalter war, ist jetzt nichts mehr. Obwohl es makaber ist, muss ich grinsen. Ob mein Pferd jetzt wohl Schmetterlinge im Bauch hat? Ich beschließe diese spannende Frage nicht mit meinen naturverbundenen Mitreitern zu diskutieren, denn das würde Soleos Image als nettes Pferd mit Sicherheit zerstören.

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Distel ohne Blüte und Zitronenfalter 😉

Wir reiten weiter Richtung See. Heute nicht nur, weil es auf dem Weg liegt und die Organisatorin dort Bilder machen will, sondern auch weil eine Mitreiterin Probleme mit dem Sattel hat und der Papa den Ersatzsattel bringt. Solche Papas sind wirklich Gold wert. Auf dem Weg dorthin treffen wir auch wieder auf eine größere Gruppe neugieriger Kühe. Anscheinend scheint die Gruppe vergessen zu haben, dass Siri Probleme mit den Kühen hat. Für unsere Jungs ist das jedoch kein Problem, Georg geht mit Apollo links, ich mit Soleo rechts und die Pferde fangen sofort an zu arbeiten und halten die Tiere auf Abstand. Es wirkt, als wenn sie nie etwas anderes getan hätten. Es ist auch schön zu sehen, wie schnell die Stute versteht, dass ihre Jungs auf sie aufpassen und sie dann auch relativ entspannt durch die Herde geht. In der kurzen Pause die wir machen gesellt sich noch ein Reiter aus der Gruppe zu uns und so haben wir alle etwas davon. Wir leben unseren Cowboytraum und Siri muss keine Angst vor Kühen haben.

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Yehaaaa….

 

Es geht weiter und nach einem kurzen Fotoshooting beginnt der anstrengende Aufstieg. Der Weg schlängelt sich den Berg entlang nach oben und bringt die Pferde an ihre Grenzen. Nachdem wir das geschafft haben, gönnen wir ihnen eine kurze und wohlverdiente Pause bevor es weitergeht. Auf dem Weg nach unten folgt die Anweisung für die Überquerung der Fernpass-Strasse. Warnwesten an, alle unten an der Straße sammeln, Straße blocken, gemeinsam zügig antraben und immer zusammenbleiben. Ich bin beeindruckt! Das ist eine Ansage die sogar mir, mit meinem ständigen Sicherheitsdenken, keinen Grund zum Meckern gibt. Vielleicht habe ich mich doch getäuscht und es brauchte nur ein bisschen Anlauf um gut zu werden.

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Wir ziehen also die Warnwesten an und steigen weiter ab Richtung Straße. Die ersten erreichen den Straßenrand und wir sehen von oben, dass es jetzt irgendwie hektisch wird. Wir sind immer noch zu dritt dabei den Weg runter zur Straße zu kommen. Zur Erinnerung: Es ist ein Berg und geht deshalb bergab! Wir hören einen Schrei und alle rasen im Trab los. Wir stehen immer noch am Berg und ich glaube wir sind alle gerade unsagbar froh, dass wir unsere Pferde kontrollieren können. Würden sie jetzt dem Herdentrieb folgen, würden wir ohne Chance einem Auto auszuweichen auf die Straße donnern. Es wäre manchmal tatsächlich hilfreich sich umzudrehen bevor man losreitet. Goldene Regel beim Reiten in der Gruppe: Niemals die Gruppe trennen und erst losreiten wenn alle bereit sind. Das lernt man bereits in der Grundausbildung des Reitens. ABER es ist ja alles gut gegangen, wir wollen nicht schon wieder belehren und deshalb beschließen wir, uns den Tag nicht vermiesen zu lassen. Wir haben Urlaub und wollen Spaß haben.

Die nächste Unstimmigkeit kommt aber direkt auf uns zu. Genau genommen lässt sie sich nach hinten fallen. Unsere Rittführung ist sauer. 2 Reiterinnen haben sich nicht an die heilige Reihenfolge gehalten. Sie hat zwar nie direkt gesagt, dass sie keiner überholen darf, aber für sie ist das eine unverzeihliche Frechheit. Ich finde es nicht dramatisch. Jeder Reiter weiß, dass Pferde unterschiedliche Schrittlängen haben und entspannter sind, wenn man das Tempo hier anpasst. Georg und ich bremsen unsere Pferde seit dem ersten Tag und es macht nicht immer Spaß. Anstatt aber ein klares Wort zu sprechen, hat die Rittführung beschlossen sich hinten zu verstecken um den beiden eine „Lehre zu erteilen“ wenn sie sich nicht mehr auskennen. Georg und ich sollen das auch tun. Obwohl ich bisher versucht habe ruhig zu bleiben, bin ich jetzt fast gezwungen zu antworten. „Sorry, ich bin nicht im Kindergarten. Wenn du was von ihnen willst, sag es einfach“ Dieser Kommentar kommt genauso schlecht an, wie Georgs Ausführung über die Verantwortung und Aufgaben eines Rittführers. Vermutlich werden wir heute nicht die beliebtesten Reiter des Tages werden.

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Zu allem Überfluss war der Zeitpunkt ziemlich schlecht gewählt, denn der Weg hat sich verengt. Da sie sicherstellen muss, dass die Brücke bereitbar ist, wäre es jetzt an der Zeit nach vorn zu reiten und das zu prüfen. Schwierig, wenn man sich eine Engstelle schafft und dann an allen Pferden vorbei muss, auch an denen die fremde Pferde nicht so nah hinter sich mögen. Irgendwann hat sie es dann geschafft und wir hören lautes Schimpfen, können aber dank Distanz und Dialekt den Inhalt nicht verstehen. Manchmal vielleicht auch besser so …

Wir sind dann irgendwann tatsächlich an der Brücke angekommen und weil wir gelernt haben, dass wir uns besser auf uns selbst verlassen, übernehme ich die Pferde, während Georg die Brücke prüft. Als er zurückkommt, kann er uns beruhigen. Sie ist relativ neu, stabil und mit hohem Geländer und somit sicherer wie manch andere Brücke die wir schon überritten haben. Soleo und ich sichern wie immer den Schluss unserer Truppe ab und so blockiere ich jetzt auch mehrere Mountainbiker, die nicht einsehen wollen warum sie nicht vorbei dürfen. Nebenbei bemerkt, ist dieser Teil der Strecke ausdrücklich als „Schiebestrecke“ ausgewiesen. Auf das wiederholte genervte „Warum können wir nicht einfach vorbei?“ muss ich doch die bekannt liebevolle, niederbayerische Art herausholen. „Weil i des gsogt hob!“ Ahhhh, vielleicht hat er nett nur nicht verstanden, denn jetzt ist er zwar immer noch genervt, bleibt aber brav stehen. Seine Mitfahrer auch und so überqueren wir alle sicher die Brücke.

Blöderweise können meine neuen Freunde auch nach der Brücke nicht an mir vorbei, weil der Weg immer noch so eng ist und müssen warten bis wir an eine Burg kommen. Es ist die Burg Fernstein in der Gemeinde Nassareith und hier gelingt es endlich uns zu überholen. Wir bedanken uns so überschwänglich für das Verständnis und die Geduld, dass sogar die Biker lachen müssen.

Wir reiten noch ein Stück und erreichen dann unseren Picknickplatz. Bei aller Kritik an vielen organisatorischen Punkten muss man eines jedoch anerkennen. Unser Trossfahrer macht den besten Salat den man sich vorstellen kann und schafft es jeden Tag uns mit einer neuen Variante zu überraschen. Generell ist das Picknick sehr schön organisiert und sogar an Kaffee wurde gedacht. Dieser Punkt beruhigt unsere Gemüter wieder sehr, zumal jetzt auch unser Koffeinpegel aufgefüllt ist und Georg und ich dadurch schon sehr viel friedlicher werden. Mir fällt auf wie sehr man sich über Dinge freut, die man als selbstverständlich hinnimmt, z.B. unsere Pferde, die brav angebunden am Baum stehen bleiben oder Patricias Traber Paul der gechillt neben ihr döst.

Am heutigen Zielpunkt findet ein Countryfest statt und ich denke, dass wir das nach den heutigen Streitereien gut brauchen können. So können sich alle wieder beruhigen und wir morgen entspannt von vorn anfangen. Vor diesen frommen Wunsch hat der Wanderreitgott jedoch noch eine Prüfung gesetzt die es in sich hat …

Im weiteren Streckenverlauf werden wir auf einen Reitweg kommen. Lt. Organisatorin perfekt zum Galoppieren. Ich bin mir nicht mehr sicher ob es 5 oder 7 km waren, es war auf jeden Fall lang. Siri’s Besitzerin möchte ihr Pferd verständlicherweise lieber schonen, damit sie morgen nicht wieder lahmt und deshalb beschließen wir die Gruppe zu trennen. 6 Reiter nehmen die Strecke im Galopp, wir bleiben bei ihr und es schließt sich noch eine Reiterin an, so werden wir zu 4 im Trab oder Arbeitsgalopp folgen. Als wir auf die Strecke kommen, stellen 2 weitere Reiterinnen fest, dass der Untergrund steinhart ist und sie deshalb auch lieber bei uns bleiben. Das bedeutet: 4 gehen voran, der Rest folgt.

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Die Karawane der Ahnungslosen 🙂

Da wir den Weg nicht kennen, vereinbaren wir ein Treffen am Ende des Reitweges. So weit so gut. Der Boden ist sehr hart und wir gehen flotten Schritt. Alles kein Problem, alles in Ordnung. Bis zu dem Moment an dem wir am Ende des Reitweges ankommen. Denn hier ist niemand. Kein Reiter, kein Pferd, kein Hinweis, nichts.

Wir sind irritiert. Rechnen noch für einen Moment mit einem Versteck und stellen dann fest, dass es kein Scherz ist und wir tatsächlich irgendwo im nirgendwo stehen, keine Zieladresse haben, weder die Organisatorin noch sonst jemand telefonisch erreichen können und auch unsere Bitte nach Rückruf nicht erfüllt wird. Zufällig treffen wir auf ein Paar, dass die Reiter gesehen hat und uns somit die grobe Richtung weisen kann. Wir haben auf dem Weg noch einige Male das Glück auf hilfsbereite Passanten zu treffen. Je länger wir aber unterwegs sind, desto größer wird unsere Wut. Die Tatsache, dass noch immer keiner ans Handy geht, macht die Sache nicht besser. So habe ich mir einen organisierten Ritt nicht vorgestellt und so war auch noch keiner der vielen Ritte die ich bisher gemacht habe. Irgendwann erreicht die Reiterin, der ihr Sattel gebracht wurde, ihren Papa und der ist tatsächlich noch vor Ort. Er ist erleichtert von uns zu hören und fährt uns entgegen.

Unser Einlauf am Zielort, gleicht wahrscheinlich dem Einlauf der Gladiatoren. Auf den ersten Blick sehen wir, dass der Rest gut angekommen ist und bereits die Pferde versorgt hat. Es erfolgt keinerlei Begrüßung und auch sonst keine Reaktion auf das Geschehene. Ich kenne Georg viele Jahre, aber ich habe ihn noch nie so wütend gesehen. Mir fällt auf, dass er versucht seine Wut mit Beschäftigung abzubauen und ich bin überzeugt davon, dass noch nie ein Paddock so schnell und vor allem mit so tief versenkten Koppelpfosten errichtet wurde. Dann geht es ganz schnell irgendwie wie der Showdown in einem alten Western…

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Die Linedancer stampfen mit ihren Stiefeln im Takt der Musik und wir Wanderreiter stampfen auch. Allerdings nicht im Takt sondern es gleicht eher dem Stier vor dem Kampf. Einer aus der Gruppe kommt auf mich zu und ich bin kampfbereit. Er überrascht mich, als er von sich aus sagt, dass er die Aktion nicht in Ordnung fand und auf uns warten wollte. Allein konnte er sich nicht durchsetzen und ein Rückruf an die Organisation hätte wohl ergeben, dass sie weitergehen sollten. Die Organisatorin wollte uns abholen. Dazu hätte sie wohl an ihr Handy gehen sollen, oder? Ich erfahre außerdem, dass Unverständnis darüber herrschte, warum wir uns so anstellen. Das ist ein ausgewiesener Reitweg den kann man galoppieren. Ich weise darauf hin, dass dieser Begriff nur dafür steht, dass wir dort reiten dürfen und nichts über die Beschaffenheit des Bodens aussagt. Er zuckt die Achseln und schweigt. In der Zwischenzeit gibt es an der vordersten Front Tränen und Geschrei. Ich habe beschlossen mich tatsächlich komplett herauszuhalten und versorge lieber die Pferde. Letztendlich ist es Georg zu verdanken, dass sich alles wieder irgendwie beruhigt. Beim Abendessen kann man deutlich sehen, dass dies wohl eher ein oberflächlicher Frieden ist. Alle sitzen in Gruppen und es ist deutlich stiller als sonst.

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Als ich endlich im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse, werde ich nachdenklich. Es ist faszinierend wie sehr solche extremen Situationen Menschen aneinander geraten lassen und wie sehr sie auch zusammenschweißen. Während ich darüber nachdenke höre ich den Regen auf das Dach prasseln und bevor ich einschlafe denke ich noch grinsend: „Na ja, zumindest haben wir keine Kaltblüter getroffen…“

Die Alpenüberquerung – Der 3.te Reittag

Heute liegt der bisher schönste und auch anstrengendste Reittag hinter uns. Nach dem Start mit einem tollen Frühstück, wartete schon meine neue Helferin auf mich…

Genauer gesagt stand sie mit ihren Gummistiefeln schon seit 6:30 Uhr bereit. Soleo bewies auch heute wieder, dass er trotz ausgebrochenem Pferd  das auf ihn zustürmte und der Tatsache, dass ihm gerade ein  kleines Mädchen etwas von geflochtenen Zöpfen  und rosa Schleifen erzählte, durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist.  😜

🦄

Allerdings gab es an diesem Morgen leider auch eine schlechte Nachricht. Ira’s Stute war es wohl gestern zuviel und deshalb fällt sie heute aus. So etwas ist immer traurig für alle. Bitter vor  allem auch für Ira, die wirklich diejenige in unserer Gruppe ist, die sich am besten vorbereitet hatte. So ziehen wir also heute mit 9 Menschen und 9 Pferden los und zumindest ein Teil von uns ist bedrückt. Wir hoffen, dass sich bis morgen eine Besserung einstellt und die beiden wieder dabei sein können.

Bevor wir zur heutigen Etappe starten, ertönt wieder das unvermeidliche Jagdhorn mit dem die Veranstalterin den Tag gern ein und manchmal auch ausläutet. Im Gegensatz zum ersten Tag, an dem alle Pferde das Tröten ziemlich erschreckend fanden, ignorieren es heute die meisten. Wir packen uns etwas zum Essen ein, denn heute gibt es steckenbedingt kein Picknick. Es sind viele tolle und vor allem lange  Trab-Strecken dabei und auch die Landschaft verändert sich zunehmend. Wir kommen heute sogar einmal auf eine Höhe von 1200 Metern und machen insgesamt 33 km.

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Für mich persönlich ist die Begegnung mit den freilaufenden Rindviechern oder auch Weidevieh (wie der Fachmund sagt) das Highlight des Tages. Wir reiten durch ein großes Gatter an dem schon auf die freilaufenden Kühe hingewiesen wird und zugegeben bin ich etwas nervös. Ich weiß aus der Erfahrung der letzten Tagen, dass mein Pferd keine Angst vor Kühen hinter einem Zaun hat und auch dann ruhig bleibt, wenn die Youngster spielend auf uns zugaloppieren. Ich habe jedoch keine Ahnung wie er reagiert, wenn dieser Zaun nicht mehr zwischen uns ist und wir direkt durch die Herde müssen. Ein bisschen schade finde ich hierbei, dass die Frage nach dem richtigen Verhalten in solchen Situationen unbeantwortet blieb. Nach mehrfacher Nachfrage gab es zumindest die Auskunft „Durchreiten.“ – Ja, das wäre uns jetzt so auch klar gewesen und ist genau die fachmännische Auskunft die man braucht um neue Situationen zu meistern. Gut, dass eine ganz liebe Mitreiterin aus Österreich kommt und auf ihren Reitwegen sehr häufig Kühe sind. Also handhabe ich es so, wie ich es auch mit jedem meiner Schülern handhaben würde: Wir klemmen uns an ein erfahrenes Pferd und ich werde je nach Reaktion handeln.

Was soll ich sagen? Soleo zuckt nicht mal, sondern ist interessiert. Es ist wirklich der Hammer!!! Keine Sekunde gezögert und mein Stolz ist unsagbar groß. Wir stehen inmitten dieses Glockengeläutes und irgendwie finden die Kühe uns genauso interessant wie wir sie.

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Die Pause machen wir inmitten in einer Herde neugieriger Kälber und Kühe und diese sind zwar neugierig, aber auch vorsichtig im Umgang mit den Pferden. Nach dem Aufsteigen will ich es natürlich wissen und muss testen ob Soleo Rinder treiben kann. Der Versuch gelingt im ersten Anlauf und man sieht deutlich wie toll auch mein Pferd es findet, dass die Rinder vor ihm weichen. Schmeichelt definitiv seinem Ego 😉

Ganz nebenbei kann man auch ganz deutlich die unterschiedlichen Naturelle der Pferde erkennen. Apollo ist sofort im Angriffsmodus und hechtet mit angelegten Ohren auf die Kühe zu, während Soleo souverän und beherrscht bleibt und sie ruhig aber konsequent dorthin treibt wohin ich das will. Ich würde jetzt gern sagen „…wie der Herr so`s Gscherr“ aber das glaubt wieder keiner und darum bin ich einfach super glücklich über mein entspanntes Cowhorse.  😍

Unser nächstes Ziel an diesem Tag ist der Grenzübergang nach Österreich und hier vor allem die Tankstelle an der Grenze zu Österreich. Schließlich sind Georg und ich seit dem Frühstück ohne Kaffee und somit definitiv auf Koffeinentzug. Wer uns kennt, weiß das dies ein grausliger Zustand ist, vor allem für alle anderen…

Kaum angekommen werden die Pferde getränkt und die Angestellten der Tankstelle sind hier echt super und total hilfsbereit. „Wasser für die Pferde am Klo, Kaffee kriagts bei uns“ Für die Touristenbusse und Familien sind wir so exotisch wie Ausserirdische und es werden viele Bilder von unserer Gruppe gemacht, Es werden Kinder für Erinnerungsbilder auf die Pferde gesetzt und die Stimmung ist entspannt. Nicht zu vergessen: Der Kaffee ist super! 👍☕️☕️

Nach diesem Stopp geht es zur letzten Etappe des Tages. Mit Begleitschutz überqueren wir die stark befahrene Straße und traben dann im flotten Tempo das letzte Stück zum Tagesziel.

Wir freuen uns dort Ira und ihre Stute Siri zu sehen. Vielleicht war die unfreiwillige Pause ganz gut für Stute Siri (das Pferd mit der Kuhphobie) weil sie somit den Hardcore-Kuh-Test nicht machen musste. Dank unserer Fachfrau Katrin, bekam Siri am Abend noch den „Katrin-Spezial-Huf-Verband“ angelegt und wir hoffen alle, dass die beiden morgen wieder mit uns kommen können.


Nachdem die Paddocks aufgebaut und die Pferde versorgt sind, können wir an uns denken. Bei der Hotelsuche stoßen wir auf den Hinweis zum Jakobsweg und manchmal denke ich, dass wir auch irgendwie eine Art Pilgerweg gehen. Zumindest üben wir uns in Ruhe und Gelassenheit und das ist manchmal gar nicht so leicht, aber bevor ich abschweife, suche ich lieber das Hotel und gehe duschen. Schließlich wartet der riesige Löwenteller auf uns.

 

Ein aufregender Tag liegt hinter uns und ich bin sehr gespannt was morgen kommen wird. Morgen geht es Richtung Fernpass und somit auf zu neuen Abenteuern…

Die Alpenüberquerung – Der 2.te Reittag

Tag 2: Ein wundervoller Start in den Morgen bei strahlendem Sonnenschein. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell sich das Gruppengefühl bei einem Wanderritt entwickelt.

Die Pferde sind schon ab dem ersten gemeinsamen Tag eine Gruppe und auch die Menschen verbindet das gemeinsame Abenteuer sehr schnell. Menschen die im Normalfall nie etwas miteinander zu tun hätten, lernen sich hier kennen. Man lernt aufeinander zu achten und Rücksicht zu nehmen. Manchmal geht das schneller und manchmal dauert es ein bisschen, aber es funktioniert immer 😜
Heute war deutlich zu merken wohin die Reise gehen soll, denn wir sind mittlerweile im Voralpenland angekommen.  Zusätzlich zu dem täglich wachsenden Bergpanorama, steigt auch die wachsende Anzahl an Kühen. Eigentlich ganz witzig, aber für manche Pferde total erschreckend, sind vor allem die Gruppen mit den jungen Kälbern. Die sind total neugierig und verspielt und finden es lustig uns im Galopp, laut Muhend zu verfolgen. Logischerweise ist das nicht immer ganz ungefährlich, aber auch mein Versuch den Kühen zu erklären,  dass eigentlich wir die Cowboys und sie die gejagten Rinder sind, hat nicht wirklich viel bewirkt.


Für mich ist es immer wieder wunderschön zu merken was für ein fabelhaftes Pferd ich habe. Wir haben unseren Platz am Ende der Gruppe eingenommen, schützen alle anderen Pferde vor dem was kommt, bzw. was kommen könnte und er ist in jeder Sekunde total ruhig. Egal ob von allen Richtungen Kühe auf uns zugestürmt kommen, LKWs oder Traktoren zu nah auffahren, Soleo ist gechillt. Ich liebe dieses Pferd ❤️


Eine Gruppe mit zehn Pferden wirkt schon sehr imposant und so werden wir immer wieder zu Fotomotiven verschiedene Touristen. Wäre interessant zu wissen, wo diese Bilder überall gesehen werden.

Unsere Strecke ist heute ein Traum. Wir sind fast 30 km unterwegs und reiten diese in 5 Stunden und 46 Minuten. Wir reiten auf wunderschönen Wegen in Richtung Schloss Lindenhof und als patriotischer König Ludwig Fan würde ich natürlich gerne direkt dorthin  reiten, aber vielleicht ist das auch ein Ziel für den nächsten Ritt. Muss das nochmal aus Franz, unserem Trossfahrer, rauskitzeln 😜

Ich hatte übrigens auch Gelegenheit, die  Action Cam meine Freundin Steffi einzusetzen. Anscheinend habe ich die Sonne unterschätzt und jetzt kann ich auch nicht mehr leugnen,  dass ich die Kamera benutzt habe 😜


Böse Mitreiter-Zungen behaupten zwar, das es sowas wie ein Brandzeichen wäre und „Voglwuid“ bedeutet, aber ich persönlich bin davon überzeugt, dass das die Stellen sind an denen eigentlich meine Flügel  angebracht sind… 😇

Nach einem sagenhaften Ritt kommen wir in einem kleinen Dorf am äußersten Rand von Deutschland an.Direkt nach der Ankunft, hat Soleo gleich zwei kleine Fans an seiner Seite. Die beiden Mäuse sind echt so süß und bringen mich mit ihren Weisheiten total zum Lachen. Sie lassen es sich auch nicht nehmen ihn später in seinen Paddock zu bringen. Süßester Spruch: „I dad a gern mit euch mit geh, aber i ko doch net so lang vo meina Mama weg.“

Nach einem hervorragendem Abendessen und einer gelungenen Überraschung für Georg geht es in unserer Hotel und es ist so, wie es immer ist – ich will duschen und schlafen. Das funktioniert auch hervorragend, zumindest nachdem ich mein Zimmer gefunden habe…
Also euch allen eine gute Nacht und bis morgen 😘