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Reiten im Landl – Abschied…

Nach 6 Reittagen war es soweit: Unser Abreisetag war gekommen. Im Gegensatz zu unserer letztjährigen Alpenüberquerung, gab es weder schlechte Stimmung, noch dieses erleichterte Aufatmen, weil es endlich vorbei war. Es gab auch keinen überstürzten Aufbruch mitten in der Nacht nur um endlich wegzukommen. Im Gegenteil! Wir waren traurig, weil unser Ritt schon vorbei war. Dieser Ritt war für mich in jeder Beziehung ein Ausnahmeritt ❤

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Unser Resümee nach diesem Ritt?

„Leit, es seit´s da Wahnsinn!!!“ 

Seit vielen Jahren gehe ich mindestens einmal im Jahr zum Wanderreiten. In dieser Zeit habe ich viele unterschiedliche Ritte gemacht und ich habe auf jedem Ritt viele spannende Dinge und auch so manches Abenteuer erlebt. Dieser Ritt, war jedoch der schönsten Ritt, den ich jemals gemacht habe und ich denke, hier darf ich für uns drei sprechen. Das Besondere an diesem Ritt waren vor allem die Menschen, die uns betreut und uns beherbergt haben. Wir waren nicht nur „irgendeine“ Reitkundschaft, nicht nur „irgendein“ Übernachtungsgast. Ihr habt uns das Gefühl gegeben Teil eurer Familien und Gemeinschaften zu sein. Wir waren in absolut jeder Unterkunft und jeder Mittagsstation aufs herzlichste willkommen. Wir wurden liebevoll umsorgt und verwöhnt und hatten die Gelegenheit Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen zu knüpfen. Einige dieser Kontakte halten immer noch an. Ihr Menschen, eure Herzlichkeit und eure ganz spezielle Art machten diesen Ritt für uns zu etwas ganz besonderem und deshalb von uns an das gesamte Reiten im Landl Team ein herzliches:

„Vergelt`s Gott! Wir werden euch nie vergessen und wir kommen wieder!!“

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Und ein besonderer Dank an meine Mädels, Steffi & Patricia:

Mit euch reite ich überall hin

Nachtrag: Auf dem Heimweg wurden Steffi und ich kurz vor München auf der Autobahn gestoppt. Mitten im Verkehrswahnsinn – Fahrzeugkontrolle! Und seine erste Frage: “Was habt ihr denn für Pferde? Ich habe auch eins…“  Pferdefreunde gibt es überall, selbst dort wo du sie gerade nicht vermutest, am Straßenrand mit Uniform und der Kelle in der Hand…

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Reiten im Landl – Tag 6

Die Nacht war sehr kurz, unser Wecker dafür umso gründlicher und mit Aufwachgarantie. Der Hund des Hauses hatte es sich zur Aufgabe gemacht uns, auch an diesem Morgen, pünktlich aus dem Bett zu bekommen. Seiner Methode war kaum zu widerstehen 😉 Direkt nach seinem Bad im Teich, sprang er in unser Bett. Zumindest war er frisch gewaschen, also ein sehr anständiger Hund. Nach dem feuchten Morgengruß und einem tollen Frühstück durften wir uns heute über das bisher größte Begleitteam freuen. Gleich 3 Reiter begleiteten uns und auch heute war wieder ein Hengst dabei. Der Umgang von Brisch mit ihrem Hengst, war beeindruckend und zeigte ganz deutlich, dass Hengsthaltung nicht zwangsläufig Einzelhaft und Gefahr für andere bedeuten muss. Gut gearbeitete und gehaltene Hengste sind eine tolle Begleitung und eine wahre Bereicherung. Nicht einmal für Soleo war es ein Problem neben ihm zu gehen und das mag bei meinem Prinzen schon etwas heißen. 😉

 

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Die Strecke war ein Traum, ebenso wie das Wetter. Unser anschließender Einritt in Grieskirchen war vermutlich für einige Touristen die Attraktion und mancher Einheimische beobachtete mit einem Schmunzeln, die irritierten Autofahrer, als wir uns bei der Überquerung der Hauptverkehrsstraße, brav an der Ampel hinter ihnen einordneten. Eine bunt gemischte Gruppe, verschiedenster Pferde, stand geduldig inmitten der restlichen Verkehrsteilnehmer und wartete bis sie an der Reihe war.

 

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Bevor wir uns von unseren Begleitern verabschiedeten, gönnten wir uns noch einen gemeinsamen Zwischenstopp bei der Eisdiele am Marktplatz. Nach einem leckeren Eis  und einer herzlichen Umarmung trennten sich unsere Wege.

 

In diesem Moment wurde uns bewusst, dass wir jetzt tatsächlich zur letzten Etappe unseres Rittes aufbrachen: Der Rückweg zur Key Mountain Ranch…

Dort angekommen hatten wir den gleichen genialen Ausblick wie am ersten Tag und wir waren ein bisschen wehmütig. Ein letztes Mal die Pferde absatteln und in die Boxen bringen. Ein letztes Mal die Pads zum trocknen aufhängen, irgendwie alles ein letztes Mal… Die wehmütige Stimmung wurde sofort von Heike und Mandi vertrieben, denn die beiden hatten schon vorgesorgt. Es standen Liegen in der Sonne und Heike hatte die leckersten Bananenschnitten aller Zeit für uns gebacken. So ließ es sich aushalten und so konnten wir auch den Abschluss unseres Trips genießen.

 

Beim Abschiedsgrillen durften wir noch einmal Mandis Spezialitäten vom Grill genießen. Herrlich zartes Pulled-Pork, Mais, Kartoffeln, Salate und alles was man sich wünschen kann. Dieser Abend war der absolut gelungene Abschluss einer tollen Reitwoche…

Reiten im Landl – Tag 4

Die wichtigste Neuigkeit an diesem Morgen war eindeutig die, dass es aufgehört hatte zu regnen. Die zweite wichtige Nachricht: Das Frühstück ist fertig. Wir genossen es mittlerweile sehr, jeden Tag verwöhnt zu werden, und machten uns dann, frisch gestärkt  und ausgeruht, auf den Weg zur „Pferde-Autobahn“. Mit dieser Beschreibung hatten uns zumindest Claudia und Peter den ersten Teil unserer Strecke erklärt. Als wir an dem Weg angekommen waren, war uns klar, warum dieser Weg die Autobahn genannt wird. Der Weg war breit, übersichtlich und mit angenehm weichen Boden. Das bedeutete für uns, dass wir endlich mal wieder Gas geben konnten. Ok, eigentlich durften nur Despo und Soleo richtig Gas geben, für Paul war es immer noch langsamer Trab.

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An diesem Tag ritten wir direkt an einer sagenumwobenen Stelle vorbei und mussten natürlich einen Abstecher machen. So standen wir mitten im Wald und vor uns der Jungfrauenstein. Um diesen großen Opferstein ranken sich viele mystische Geschichten. Eine davon handelt von der Entstehung des „Wackelsteines“. Drei Riesenjungfrauen sollen den Jungfrauenstein in ihrer Schürze, getragen und ihn an dieser Stelle fallen lassen haben. Spannend daran, dass man ihn an der richtigen Stelle tatsächlich ganz leicht bewegen kann, er aber doch fest aufliegt. Dadurch erschien der Stein der Bevölkerung damals schon als heilig und es wurde jedes Unterfangen, den Stein von seiner Unterlage herunterzustoßen, schwer bestraft. Wir wollten unser Glück nicht herausfordern und wollten auch nichts stoßen, nur ein bisschen wackeln und einige Bilder machen. Bilder von uns, vom Stein und von den Pferden.

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Unserer Meinung nach, passten wir hervorragend auf und an diesen Stein. Die Jungfrauen schienen jedoch anderer Meinung zu sein, denn wie aus dem Nichts ging ein kurzer aber heftiger Graupelschauer auf uns nieder. Um es uns nicht komplett mit den Jungfern zu verscherzen, setzten wir vorsichtshalber zum Rückzug an und ritten weiter. Wer weiß, was den alten Jungfern sonst noch so eingefallen wäre…

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Unsere Fähigkeit Karten zu lesen, verbesserte sich spürbar von Tag zu Tag und so kamen wir an diesem Tag überpünktlich bei unserer Nachtstation „Zum Großn“ an. Hier wurden wir von Heike und dem Wirtspaar Nicki und Walter begrüßt. Unsere Pferde hatten heute schöne, große Boxen und widmeten sich entspannt ihrem Heu, während wir unser Zimmer bezogen. Das 8 Bett-Zimmer erinnerte ein bisschen an eine Jugendherberge, war aber gemütlich und sauber.

Nachdem wir geduscht hatten, ließen wir uns im Restaurant bekochen und gingen die Strecke für den nächsten Tag durch. Nicki erklärte uns die ersten relevanten Abzweigungen und so fühlten wir uns bestens gerüstet und konnten den Abend ruhig ausklingen lassen. Auch hier kamen wir wieder ins Gespräch mit interessanten Pferdemenschen und irgendwie gehen dabei die Themen nie aus…

 

 

Reiten im Landl – Tag 2

Der Sonntag begann mit einem ausgiebigen Frühstück und weil wir mit Spiegeleiern aus der Riesenpfanne (vom dazu passenden Riesengrill) und vielen anderen leckeren Dingen verwöhnt wurden, vergaßen wir tatsächlich die Zeit. Erst nach dem dezenten Hinweis unseres Gastgebers brachen wir endlich gegen 11.15 auf.

Nachdem wir, irgendwo im Wald, eine falsche Abzweigung genommen hatten, mussten wir improvisieren. Unser „Schleichweg“ der uns einen Hang bergab, am Wiesenrand entlang führte, war auch der direkte Weg zum Wiesenbesitzer, der bereits unten auf uns wartete. Wir legten uns schon alle hervorragenden, guten, nicht ganz so guten und auch einige ziemlich miese Ausreden parat, und? Wir brauchten keine davon… Statt dem erwarteten Rüffel, erwartete uns ein grinsender Mann, der uns nicht nur den weiteren Weg beschrieb, sondern uns auch dazu aufforderte, weiterhin in der Wiese zu reiten und nicht auf der Straße. Schließlich wäre das für uns sicherer.

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So ritten wir fröhlich weiter. Unsere Ankunft in der „Mittagsstation“ verzögerte sich, dank unseres miesen Zeitmanagements, dann doch auf 15:30 Uhr. Die beiden Jungs vom Reiterhof waren uns schon besorgt entgegen gefahren und waren sichtlich erleichtert, als wir endlich auftauchten. Um uns die direkte Streck zu zeigen, ritten die beiden mit uns zur nächsten Station. Insgeheim vermuten wir immer noch, dass die beiden verhindern  wollten, dass sie spätnachts einen Suchtrupp zusammenstellen müssen um uns in den österreichischen Wäldern zu suchen.

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Egal welche Motivation dahinter lag, sie waren tolle Reitpartner und mit ihrer Unterstützung kamen wir dann auch sicher beim „Captain“ an. Der Captain heißt eigentlich Josef und ist ein absolutes Original. Bei unserer Ankunft stand er bereits am Grill, machte Witze über die Dimensionen unseres „kleinen Reisegepäcks“ und versorgte uns mit Grillfleisch und Salaten. Gleich im Anschluss präsentierte er uns seinen persönlichen Traum.

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Ein riesiges Holztipi, ausgestattet mit Matratzenlager und einem Ofen in der Mitte. Das Tipi wurde mit viel Liebe zum Detail mit Fellen, Federn, Zeichnungen und vielem mehr geschmückt und gibt Wanderreitern die Gelegenheit, sich, für eine Nacht, wie Winnetou zu fühlen. Da es nachts noch kühl war, hatte er uns auch bereits eingeheizt. Im Stüberl heizte er dann weiter 😉 Dieses mal mit Kaffee und Selbstgebranntem. Wir saßen noch ewig zusammen, hörten seine Geschichten, erzählten viel, lachten laut und fühlten uns einfach wohl.

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In der Nacht begann es zu regnen und so schön sich die Regentropfen auf dem Holzdach auch anhören mögen, wir alle hofften, dass es am Morgen wieder vorbei sein würde…

Reiten im Landl – Tag 1

Am Samstag den 06.05.2017 war es dann endlich soweit. Die Koffer waren gepackt und so startete Patricia in Österreich, während sich Steffi und ich in Oberbayern als Fahrgemeinschaft zusammentaten. Wir kamen sehr gut voran, doch vor die Ankunft auf der Key Mountain Ranch hat der liebe Gott noch eine enge steile Straße gesetzt, die sich in Serpentinen den Berg hinaufschlängelt. Unser einziger Wunsch, dass uns keiner entgegenkommt, wurde erfüllt und wir trafen fast zeitgleich auf der Ranch in Schlüsselfeld ein.

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Der Blick über das ganze Trattnachtal und den Kurort Bad Schallerbach war wahnsinnig beeindruckend. Bei strahlendem Sonnenschein standen wir auf der Terrasse, sahen uns an und auf einmal war es da: Das Gefühl Urlaub zu haben und zu wissen, dass dies ein ganz besonderer Urlaub werden würde. Zu diesem Gefühl trug definitiv die herzliche Begrüßung von unseren Gastgebern bei. Mandi heißt eigentlich Manfred Hofer und ist ein Bär von einem Mann. Er und seine Frau Heike strahlen so viel Wärme und Herzlichkeit aus, dass man sich nicht nur sofort wohlfühlte, sondern auch das Gefühl hatte ewig dazuzugehören. Die Boxen waren eingestreut, Heu uns Wasser lag zur Begrüßung bereit und so fühlten sich auch unsere Pferde sofort heimisch. Unsere Unterkunft für die erste und auch die letzte Nacht war ein gemütliches kleines Gartenhäuschen, direkt neben dem Chickenhouse gelegen. Sehr bezeichnend, oder?

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Nach einer kurzen Pause beschlossen wir noch einen kleinen Willkommensritt zu machen und Heike bot uns an, uns dabei zu begleiten. Bevor es losging, erhielten wir noch unsere Plakette „Reiten im Landl“. Mit dem Erlös werden die Beschilderung und der Erhalt der Reitwege finanziert und es werden ständig neue Routen geplant und ausgearbeitet. An dieser Aktion beteiligten wir uns natürlich gern. Abgesehen davon ist es für uns eine tolle Erinnerung und ziert jetzt die Halfter unserer Pferde. Der erste Eindruck bestätigte uns alles, was wir im Internet gesehen und uns erhofft hatten. Eine traumhafte Gegend, viele Wälder, schöne Wege und total nette und aufgeschlossene Menschen. Heike erklärte uns bei der Gelegenheit das erste Stück für den morgigen Tag und so konnten wir abends entspannt Mandis Erklärungen über die Streckenplanung zuhören.

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Wanderritt 2017 – Die Vorbereitungen…

Wanderreiten – Das Erlebnis mehrere Tage mit dem Pferd unterwegs zu sein und sich komplett dem Tempo des Pferdes und der Natur anzupassen, ist ein ganz besonderes Erlebnis und fast wie eine Sucht. Aus diesem Grund zieht es uns mindestens einmal im Jahr weg vom heimatlichen Stall und hin zu einem neuen Reitgebiet. In diesem Jahr wollten wir zu dritt, oder besser gesagt zu sechst reiten.  Wir das sind Steffi aus dem Raum Augsburg mit ihrem Tinker Desperado, Patricia aus dem Zillertal mit ihrem Traber Paul und ich, Mia, aus dem Raum Bad Tölz mit meinem Andalusier-Berber Mix Soleo.

Während Patricia und ich bereits  seit vielen Jahren aktive Wanderreiter sind, war es für Steffi der 2.te Wanderritt und deshalb stand für uns im Fokus, einen Anbieter zu finden, der nicht nur mit einer schönen Landschaft punkten kann, sondern ebenfalls mit einer guten Organisation. Jeder der öfter Organisierte Ritte macht, kommt leider auch irgendwann einmal an die schwarzen Schafe der Branche und so war es auch uns im letzten Jahr ergangen. Unser Resümee aus diesem absoluten Katastrophenritt? Wir wollten gebuchte Übernachtungen und somit ein Mindestmaß an Sicherheit, aber trotzdem wollten wir allein reiten. Entsprechend hoch war somit unsere Erwartung an den Veranstalter.

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Wir erstellten eine Liste mit all den Punkten, die uns wichtig waren. An erster Stelle in unserer Liste, wie bereits erwähnt: Wir wollen allein reiten! Ohne Rittführer, ohne fremde Gruppe aber mit erprobtem Kartenmaterial, dass uns den Weg zeigt. Als nächsten Punkt wollten wir fest gebuchte Unterkünfte für uns und unsere Vierbeiner, Verpflegung für die Pferde und wenn möglich Frühstück, wobei wir Reiter ja bescheiden sind. Hauptsache die Pferde sind versorgt, schließlich müssen die uns auch tragen. Bei den „Nice to have“ Punkten stand der Gepäcktransport ganz oben, gleich neben einem Ansprechpartner für eventuelle Notfälle. Auf den Punkt gebracht, wollten wir also einen organisiert, unorganisierten Ritt mit Raum für persönliche Freiheit und eigenen Abenteuer.

Die Suche nach diesem Wunderritt gestaltete sich, wie bereits befürchtet, ziemlich schwierig. Bei einigen Anbietern gefiel uns zwar das Angebot, jedoch war der Preis in Höhe eines 14-tägigen All inclusive Karibikurlaubs. Bei aller Liebe zum Pferd, aber irgendwie sollte doch alles noch in einer gewissen Relation stehen. Die Suche ging weiter und nach unzähligen Vorschlägen und Internetsuchen kam uns der Zufall, in Form einer anderen Freundin, zu Hilfe.

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Reiten im Sauwald, genauer gesagt im Landl. Sauwald? Landl? Was sollte denn das sein? Zugegeben meine Erdkundekenntnisse waren noch nie so gut und so brachte erst die Google Suche Klarheit. Was wir sahen, gefiel uns ausnehmend gut. Fast 300 km markierte Reitwege. Es gab sogar einen Verein, der dafür sorgt, dass die Wege in Stand gehalten und ausreichend beschildert wurden. Wir mussten nicht lang überlegen und schrieben die erste Anfrage. Die Antwort ließ nicht lang auf sich warten und es stellten sich uns Heike und Mandi Hofer, kurz, nett und unkompliziert vor. Wir mussten nur den Zeitraum angeben und sie versprachen uns, sich bald mit einem Routenvorschlag zu melden. Obwohl wir den Termin sogar kurzfristig verschieben mussten, gab es keine Schwierigkeiten und wir erhielten nach kurzer Zeit eine Rückmeldung mit unseren geplanten Stationen und der Strecke. Die Übernachtungen waren bunt gemischt. Vom Tipi über das Gästehaus, bis hin zum gemütlichen Mehrbettzimmer war alles dabei. Wir mussten nicht lange überlegen, buchten unsere Reise und waren gespannt, was uns erwartete.

 

 

Die Alpenüberquerung – Der 4.te Reittag

Der 4.te Reittag – Es menschelt…

Der Tag 4 ist wohl irgendwie ein verhexter Tag. Nicht nur, dass dieser Tag (auch mit Abstand betrachtet) der schlimmste Tag dieses Rittes war, nein, er ist auch einfach verschwunden. Also zumindest ist er aus meiner Seite verschwunden. Ich hatte den Artikel in meinem Blog am Samstagabend online gestellt und am Sonntagmorgen war er weg. Ich bin wirklich froh, dass ich von einigen von euch schon Reaktionen erhalten habe, denn sonst würde ich jetzt wahrscheinlich an meinem Geisteszustand zweifeln. Aber heißt es nicht immer man wächst an seinen Aufgaben? So soll es wohl auch dieses Mal sein und ich fange noch einmal ganz von vorne an.

Wir sind also bei unserem vierten Reittag. Es ist mittlerweile Sonntag. Wie jeden Morgen ist auch heute beim Frühstück eine Art „Vorbesprechung“. Dieses Mal erfahren wir zwischen Kaffee, Semmel und Ei, dass wir eventuell auf freilaufende Kaltblüter treffen werden und dann einfach davon traben sollen. Aha… Ich bin irritiert und sehe an den Blicken der anderen Teilnehmer, dass es Ihnen ähnlich ergeht. Was ist mit dem Herdentrieb? Was mit der Tatsache, dass dies eine direkte Aufforderung zum hinterher rennen ist? Oder mache ich mir umsonst Gedanken, weil diese besonderen Kaltblüter ein Holzbein haben und nicht so schnell humpeln können wie wir traben? Vielleicht hängen sie an einer Kette wie ein Hofhund oder sind sie vielleicht einfach besser erzogen als unsere Pferde und sagen sich „Ach, das sind ja die Wanderreiter. Da müssen wir stehen bleiben!“?

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Ich kann die Aussage nicht nachvollziehen und will mehr wissen. Meine Frage ob diese Vorgehensweise wirklich so intelligent ist, wird im ersten Anlauf nicht beantwortet. Auf mein mehrfaches Nachfragen bekomme ich dann aber noch eine zusätzliche Auskunft. Die Reiter, die offene Westernzügel haben, sollen nach außen gehen und mit dem wedelnden Zügeln den anderen die Pferde vom Leib, bzw. vom Pferd halten. Das hätte bisher immer geklappt. Das ich da aber nicht selbst drauf gekommen bin? 😉

Nachdem also der Umgang mit fremden Vierbeinern geklärt ist, kommt die nächste Information. Heute überqueren wir die Fernpass-Straße, da müssen wir uns alle beeilen um gemeinsam rüber zu kommen und wir müssen die Packtaschen abnehmen, weil wir eine Brücke überwinden müssen, die um eine Felsnase herumführt und äußerst gefährlich ist. Irgendwo wäre irgendwann ein Italiener an sowas schon mal hängengeblieben und soll mitsamt panischem Pferd abgestürzt sein. Die Information mit den Packtaschen und der zügigen Überquerung der Straße finde ich wichtig und sehr gut. Den Rest? Lasst es mich so sagen: Ich bewundere jeden Tag aufs Neue das psychologische Fingerspitzengefühl…

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Ich beschließe erst einmal abzuwarten und bin froh, dass Georg schon bei den Pferden ist. Das entsetzte Gesicht seiner Frau zeigt mir, dass sie die Auskünfte über den Tagesverlauf ebenfalls nicht sehr beruhigend fand.

Ich bin in diesem Moment sehr froh, dass wir uns entschlossen haben diesen Ritt gemeinsam zu machen. Wir kennen uns sehr lange und sind ein eingespieltes Team. Jeder weiß was er kann und vor allem wissen wir, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Eigentlich hatten wir den Plan entspannt ganz hinten zu gehen, einfach und locker mitzureiten und uns um nichts zu kümmern – schließlich haben wir Urlaub. Seit dem ersten Reittag ist uns jedoch klar geworden, dass man die Augen nicht so verschließen kann und so sichern wir die Gruppe von hinten ab, Georg blockt Straßen und vieles mehr. Viele Mitreiter wissen das mittlerweile zu schätzen und die meisten unserer Mitreiter sind auch wirklich super nett. Es ist dieser Spaß den wir miteinander haben, der uns immer wieder davon abhält abzubrechen. Während wir die Paddocks abbauen und die Pferde satteln, machen Georg und ich unsere persönliche Tagesbesprechung und wie immer ist klar, dass wir auf uns selbst aufpassen müssen und je nach Situation entscheiden werden.

Die Besitzerin von Siri hatte gestern ganz offen die Frage gestellt, ob es für jeden in Ordnung ist, wenn sie heute mitkommt. Sie will keinem zur Last fallen, weiß aber nicht ob ihre Stute die Tagesetappe durchhält. Ich war positiv überrascht, dass alle zugestimmt haben. Vielleicht täuscht man sich doch in manchen Menschen und sie können nur nicht so aus sich raus kommen.

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So geht es also heute wieder mit der kompletten Gruppe los. 10 Pferde – 10 Reiter und es startet wunderschön im sonnigen Frühnebel. Als wir in den Wald kommen, beeindruckt die Schönheit der Natur erneut und trotz manch seltsamer Situation gibt es durchaus auch witzige Begebenheiten. (Auch wenn ich diesen Witz bisher für mich behalten habe 😉 )

Wir müssen steil bergab gehen und deshalb führen wir. Ganz vorne wird ein Zitronenfalter entdeckt der auf einer Distelblüte sitzt. Wie bei Kindern wird diese Entdeckung nach hinten weitergegeben. „Zitronenfalter, Zitronenfalter, Zitronenfalter..“ Das wiederholt sich 9x bis es bei mir ankommt. Da ich ganz hinten bin und das Tempo gerade überschaubar ist, beschließe ich ein Bild von dem legendären Zitronenfalter zu machen, den alle so toll finden. Ich zücke also mein Handy und visiere ihn an, während ich in der anderen Hand die Zügel meines Pferdes halte. Bevor ich abdrücken kann macht es einen Haps… Ich starre entgeistert mein Pferd an. Er leckt sich genüsslich über die Lippen und sieht zufrieden aus. Vollkommen ungerührt kaut er Distelblüte mit Füllung. Da wo mal der Zitronenfalter war, ist jetzt nichts mehr. Obwohl es makaber ist, muss ich grinsen. Ob mein Pferd jetzt wohl Schmetterlinge im Bauch hat? Ich beschließe diese spannende Frage nicht mit meinen naturverbundenen Mitreitern zu diskutieren, denn das würde Soleos Image als nettes Pferd mit Sicherheit zerstören.

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Distel ohne Blüte und Zitronenfalter 😉

Wir reiten weiter Richtung See. Heute nicht nur, weil es auf dem Weg liegt und die Organisatorin dort Bilder machen will, sondern auch weil eine Mitreiterin Probleme mit dem Sattel hat und der Papa den Ersatzsattel bringt. Solche Papas sind wirklich Gold wert. Auf dem Weg dorthin treffen wir auch wieder auf eine größere Gruppe neugieriger Kühe. Anscheinend scheint die Gruppe vergessen zu haben, dass Siri Probleme mit den Kühen hat. Für unsere Jungs ist das jedoch kein Problem, Georg geht mit Apollo links, ich mit Soleo rechts und die Pferde fangen sofort an zu arbeiten und halten die Tiere auf Abstand. Es wirkt, als wenn sie nie etwas anderes getan hätten. Es ist auch schön zu sehen, wie schnell die Stute versteht, dass ihre Jungs auf sie aufpassen und sie dann auch relativ entspannt durch die Herde geht. In der kurzen Pause die wir machen gesellt sich noch ein Reiter aus der Gruppe zu uns und so haben wir alle etwas davon. Wir leben unseren Cowboytraum und Siri muss keine Angst vor Kühen haben.

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Yehaaaa….

 

Es geht weiter und nach einem kurzen Fotoshooting beginnt der anstrengende Aufstieg. Der Weg schlängelt sich den Berg entlang nach oben und bringt die Pferde an ihre Grenzen. Nachdem wir das geschafft haben, gönnen wir ihnen eine kurze und wohlverdiente Pause bevor es weitergeht. Auf dem Weg nach unten folgt die Anweisung für die Überquerung der Fernpass-Strasse. Warnwesten an, alle unten an der Straße sammeln, Straße blocken, gemeinsam zügig antraben und immer zusammenbleiben. Ich bin beeindruckt! Das ist eine Ansage die sogar mir, mit meinem ständigen Sicherheitsdenken, keinen Grund zum Meckern gibt. Vielleicht habe ich mich doch getäuscht und es brauchte nur ein bisschen Anlauf um gut zu werden.

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Wir ziehen also die Warnwesten an und steigen weiter ab Richtung Straße. Die ersten erreichen den Straßenrand und wir sehen von oben, dass es jetzt irgendwie hektisch wird. Wir sind immer noch zu dritt dabei den Weg runter zur Straße zu kommen. Zur Erinnerung: Es ist ein Berg und geht deshalb bergab! Wir hören einen Schrei und alle rasen im Trab los. Wir stehen immer noch am Berg und ich glaube wir sind alle gerade unsagbar froh, dass wir unsere Pferde kontrollieren können. Würden sie jetzt dem Herdentrieb folgen, würden wir ohne Chance einem Auto auszuweichen auf die Straße donnern. Es wäre manchmal tatsächlich hilfreich sich umzudrehen bevor man losreitet. Goldene Regel beim Reiten in der Gruppe: Niemals die Gruppe trennen und erst losreiten wenn alle bereit sind. Das lernt man bereits in der Grundausbildung des Reitens. ABER es ist ja alles gut gegangen, wir wollen nicht schon wieder belehren und deshalb beschließen wir, uns den Tag nicht vermiesen zu lassen. Wir haben Urlaub und wollen Spaß haben.

Die nächste Unstimmigkeit kommt aber direkt auf uns zu. Genau genommen lässt sie sich nach hinten fallen. Unsere Rittführung ist sauer. 2 Reiterinnen haben sich nicht an die heilige Reihenfolge gehalten. Sie hat zwar nie direkt gesagt, dass sie keiner überholen darf, aber für sie ist das eine unverzeihliche Frechheit. Ich finde es nicht dramatisch. Jeder Reiter weiß, dass Pferde unterschiedliche Schrittlängen haben und entspannter sind, wenn man das Tempo hier anpasst. Georg und ich bremsen unsere Pferde seit dem ersten Tag und es macht nicht immer Spaß. Anstatt aber ein klares Wort zu sprechen, hat die Rittführung beschlossen sich hinten zu verstecken um den beiden eine „Lehre zu erteilen“ wenn sie sich nicht mehr auskennen. Georg und ich sollen das auch tun. Obwohl ich bisher versucht habe ruhig zu bleiben, bin ich jetzt fast gezwungen zu antworten. „Sorry, ich bin nicht im Kindergarten. Wenn du was von ihnen willst, sag es einfach“ Dieser Kommentar kommt genauso schlecht an, wie Georgs Ausführung über die Verantwortung und Aufgaben eines Rittführers. Vermutlich werden wir heute nicht die beliebtesten Reiter des Tages werden.

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Zu allem Überfluss war der Zeitpunkt ziemlich schlecht gewählt, denn der Weg hat sich verengt. Da sie sicherstellen muss, dass die Brücke bereitbar ist, wäre es jetzt an der Zeit nach vorn zu reiten und das zu prüfen. Schwierig, wenn man sich eine Engstelle schafft und dann an allen Pferden vorbei muss, auch an denen die fremde Pferde nicht so nah hinter sich mögen. Irgendwann hat sie es dann geschafft und wir hören lautes Schimpfen, können aber dank Distanz und Dialekt den Inhalt nicht verstehen. Manchmal vielleicht auch besser so …

Wir sind dann irgendwann tatsächlich an der Brücke angekommen und weil wir gelernt haben, dass wir uns besser auf uns selbst verlassen, übernehme ich die Pferde, während Georg die Brücke prüft. Als er zurückkommt, kann er uns beruhigen. Sie ist relativ neu, stabil und mit hohem Geländer und somit sicherer wie manch andere Brücke die wir schon überritten haben. Soleo und ich sichern wie immer den Schluss unserer Truppe ab und so blockiere ich jetzt auch mehrere Mountainbiker, die nicht einsehen wollen warum sie nicht vorbei dürfen. Nebenbei bemerkt, ist dieser Teil der Strecke ausdrücklich als „Schiebestrecke“ ausgewiesen. Auf das wiederholte genervte „Warum können wir nicht einfach vorbei?“ muss ich doch die bekannt liebevolle, niederbayerische Art herausholen. „Weil i des gsogt hob!“ Ahhhh, vielleicht hat er nett nur nicht verstanden, denn jetzt ist er zwar immer noch genervt, bleibt aber brav stehen. Seine Mitfahrer auch und so überqueren wir alle sicher die Brücke.

Blöderweise können meine neuen Freunde auch nach der Brücke nicht an mir vorbei, weil der Weg immer noch so eng ist und müssen warten bis wir an eine Burg kommen. Es ist die Burg Fernstein in der Gemeinde Nassareith und hier gelingt es endlich uns zu überholen. Wir bedanken uns so überschwänglich für das Verständnis und die Geduld, dass sogar die Biker lachen müssen.

Wir reiten noch ein Stück und erreichen dann unseren Picknickplatz. Bei aller Kritik an vielen organisatorischen Punkten muss man eines jedoch anerkennen. Unser Trossfahrer macht den besten Salat den man sich vorstellen kann und schafft es jeden Tag uns mit einer neuen Variante zu überraschen. Generell ist das Picknick sehr schön organisiert und sogar an Kaffee wurde gedacht. Dieser Punkt beruhigt unsere Gemüter wieder sehr, zumal jetzt auch unser Koffeinpegel aufgefüllt ist und Georg und ich dadurch schon sehr viel friedlicher werden. Mir fällt auf wie sehr man sich über Dinge freut, die man als selbstverständlich hinnimmt, z.B. unsere Pferde, die brav angebunden am Baum stehen bleiben oder Patricias Traber Paul der gechillt neben ihr döst.

Am heutigen Zielpunkt findet ein Countryfest statt und ich denke, dass wir das nach den heutigen Streitereien gut brauchen können. So können sich alle wieder beruhigen und wir morgen entspannt von vorn anfangen. Vor diesen frommen Wunsch hat der Wanderreitgott jedoch noch eine Prüfung gesetzt die es in sich hat …

Im weiteren Streckenverlauf werden wir auf einen Reitweg kommen. Lt. Organisatorin perfekt zum Galoppieren. Ich bin mir nicht mehr sicher ob es 5 oder 7 km waren, es war auf jeden Fall lang. Siri’s Besitzerin möchte ihr Pferd verständlicherweise lieber schonen, damit sie morgen nicht wieder lahmt und deshalb beschließen wir die Gruppe zu trennen. 6 Reiter nehmen die Strecke im Galopp, wir bleiben bei ihr und es schließt sich noch eine Reiterin an, so werden wir zu 4 im Trab oder Arbeitsgalopp folgen. Als wir auf die Strecke kommen, stellen 2 weitere Reiterinnen fest, dass der Untergrund steinhart ist und sie deshalb auch lieber bei uns bleiben. Das bedeutet: 4 gehen voran, der Rest folgt.

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Die Karawane der Ahnungslosen 🙂

Da wir den Weg nicht kennen, vereinbaren wir ein Treffen am Ende des Reitweges. So weit so gut. Der Boden ist sehr hart und wir gehen flotten Schritt. Alles kein Problem, alles in Ordnung. Bis zu dem Moment an dem wir am Ende des Reitweges ankommen. Denn hier ist niemand. Kein Reiter, kein Pferd, kein Hinweis, nichts.

Wir sind irritiert. Rechnen noch für einen Moment mit einem Versteck und stellen dann fest, dass es kein Scherz ist und wir tatsächlich irgendwo im nirgendwo stehen, keine Zieladresse haben, weder die Organisatorin noch sonst jemand telefonisch erreichen können und auch unsere Bitte nach Rückruf nicht erfüllt wird. Zufällig treffen wir auf ein Paar, dass die Reiter gesehen hat und uns somit die grobe Richtung weisen kann. Wir haben auf dem Weg noch einige Male das Glück auf hilfsbereite Passanten zu treffen. Je länger wir aber unterwegs sind, desto größer wird unsere Wut. Die Tatsache, dass noch immer keiner ans Handy geht, macht die Sache nicht besser. So habe ich mir einen organisierten Ritt nicht vorgestellt und so war auch noch keiner der vielen Ritte die ich bisher gemacht habe. Irgendwann erreicht die Reiterin, der ihr Sattel gebracht wurde, ihren Papa und der ist tatsächlich noch vor Ort. Er ist erleichtert von uns zu hören und fährt uns entgegen.

Unser Einlauf am Zielort, gleicht wahrscheinlich dem Einlauf der Gladiatoren. Auf den ersten Blick sehen wir, dass der Rest gut angekommen ist und bereits die Pferde versorgt hat. Es erfolgt keinerlei Begrüßung und auch sonst keine Reaktion auf das Geschehene. Ich kenne Georg viele Jahre, aber ich habe ihn noch nie so wütend gesehen. Mir fällt auf, dass er versucht seine Wut mit Beschäftigung abzubauen und ich bin überzeugt davon, dass noch nie ein Paddock so schnell und vor allem mit so tief versenkten Koppelpfosten errichtet wurde. Dann geht es ganz schnell irgendwie wie der Showdown in einem alten Western…

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Die Linedancer stampfen mit ihren Stiefeln im Takt der Musik und wir Wanderreiter stampfen auch. Allerdings nicht im Takt sondern es gleicht eher dem Stier vor dem Kampf. Einer aus der Gruppe kommt auf mich zu und ich bin kampfbereit. Er überrascht mich, als er von sich aus sagt, dass er die Aktion nicht in Ordnung fand und auf uns warten wollte. Allein konnte er sich nicht durchsetzen und ein Rückruf an die Organisation hätte wohl ergeben, dass sie weitergehen sollten. Die Organisatorin wollte uns abholen. Dazu hätte sie wohl an ihr Handy gehen sollen, oder? Ich erfahre außerdem, dass Unverständnis darüber herrschte, warum wir uns so anstellen. Das ist ein ausgewiesener Reitweg den kann man galoppieren. Ich weise darauf hin, dass dieser Begriff nur dafür steht, dass wir dort reiten dürfen und nichts über die Beschaffenheit des Bodens aussagt. Er zuckt die Achseln und schweigt. In der Zwischenzeit gibt es an der vordersten Front Tränen und Geschrei. Ich habe beschlossen mich tatsächlich komplett herauszuhalten und versorge lieber die Pferde. Letztendlich ist es Georg zu verdanken, dass sich alles wieder irgendwie beruhigt. Beim Abendessen kann man deutlich sehen, dass dies wohl eher ein oberflächlicher Frieden ist. Alle sitzen in Gruppen und es ist deutlich stiller als sonst.

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Als ich endlich im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse, werde ich nachdenklich. Es ist faszinierend wie sehr solche extremen Situationen Menschen aneinander geraten lassen und wie sehr sie auch zusammenschweißen. Während ich darüber nachdenke höre ich den Regen auf das Dach prasseln und bevor ich einschlafe denke ich noch grinsend: „Na ja, zumindest haben wir keine Kaltblüter getroffen…“