Reiten im Landl – Tag 3

Unser Wunsch wurde erhört. Am Morgen hatte der Regen zumindest nachgelassen und hörte bis zum Frühstück komplett auf. Der erste Blick auf die Pferde zeigte, dass Paul und Soleo den Wanderritt mit einem Wellnessritt verwechselt hatten und sich dazu passend eine flächendeckende Schlammpackung verpasst hatten. Captain Sepp schickte uns Frühstücken und wusch in der Zwischenzeit tatsächlich unsere Pferde. Sogar mein übervorsichtiger Spanier ließ sich entspannt von ihm säubern.

Unser Captain ist halt ein echter Gentleman und bewies das gleich noch einmal, indem er sein Pferd sattelte und uns ein Stück begleitete.

Nachdem wir uns wieder getrennt hatten, mussten wir eine Steigung bewältigen, die es in sich hatte. Sogar bei unserer Alpenüberquerung im Vorjahr war kein vergleichbarer Aufstieg dabei. Die Pferde bewiesen uns, dass sie, wenn es darauf ankommt, das Zeug zur Bergziege haben und schoben sich sicher und souverän Meter für Meter voran. Wir waren unsagbar stolz auf unsere Jungs und begeistert wie vielseitig und abwechslungsreich die Strecke ist.

Zur Erholung kam anschließend ein eher gemütlichen Teil und dann kamen wir zu einem Aussichtsturm, dessen Optik wie gemacht war für tolle Erinnerungsbilder. Nach dem Shooting ging es weiter und an diesem Tag schafften wir es tatsächlich zum ersten Mal (trotz einer kurzen „Alternativroute“) fast pünktlich bei unserem Mittagsziel anzukommen. Als wir auf den Stall zuritten, begann es erneut zu tropfen. Franky, der Hufschmied, erwartete uns bereits mit vorbereiteten Boxen, Heu und Wasser für die Pferde und einer Pizza aus dem Steinofen für uns.

In der Zwischenzeit verwandelten sich die leichten Regentropfen in starke Regenfälle. Da wir stets positiv denken, waren wir immer noch fest davon überzeugt, dass es sich hier nur um einen Schauer handelt. 2 ½ Stunden und einen Verdauungsschnaps später, kamen wir zu der schmerzlichen Erkenntnis, dass es heute wahrscheinlich kein Schauer ist. Im Gegenteil, es hatte sich mittlerweile richtig eingeregnet und zum strömenden Regen kam noch dichter Nebel und machte das Wetter perfekt. Also perfekt um sitzenzubleiben und dem Feuer im Kamin zuzusehen. Da wir jedoch noch eine ziemlich lange Strecke auf einer Teerstraße vor uns hatten, konnten wir nicht länger warten. Rein in die Regenmäntel, Hut in die Stirn gezogen und dann konnte es weitergehen. Später erfuhren wir, dass dies der schlimmste Regen seit Jahren war. Straßen wurden unter- und überspült und kleine Rinnsale verwandelten sich in reißende Bäche und mittendrin wir: Unerschrocken, immer noch Witze machend und manchmal sogar singend. Die aktuelle Stärke der Regenschauer konnte ich der Wassermenge, die von meinem Hut tropfte oder lief, entnehmen.

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Als wir gerade bei Starkregen angekommen waren (also durchgehende Wasserrinne vom Hut), kamen wir zeitgleich auch an eine weitere Steigung von 970 Höhenmetern. Bei trockenem Wetter wäre es ein schöner Aufstieg durch den Wald gewesen, bei diesem Wetter wurde es zu einer Herausforderung und zur Schwerstarbeit für die Jungs. Der schmale Weg den wir aufsteigen mussten, hatte sich in einen tiefen matschigen Sumpf verwandelt und wir alle hofften inständig, dass unsere Hufeisen dort blieben, wo sie hingehörten. Der Schmiedegott schien es gut mit uns zu meinen und so blieben die Eisen an ihrem Platz. Oben angekommen waren wir auf der angekündigten langen Strecke die wir auf der Straße gehen mussten. Das hieß auch, ab jetzt gab es keine schützenden Bäume mehr und die allgemeine Stimmung auf der „Road to Nowhere…“ wurde nur durch ein regelmäßiges „…is no weit?“ unterbrochen. Das Wetter schaffte es trotzdem nur in kurzen Momenten unsere Stimmung zu drücken. Die nächste Erkenntnis war jedoch die, dass weder unsere Regenmäntel noch die Schuhe, den Test zur wasserabweisenden Bekleidung bestanden hatten. Die Straße zog sich endlos dahin und manchmal hatte das Ganze etwas vom Treck nach Oregon.

Ok, das ist übertrieben, obwohl es uns bei dem Wetter nicht verwundert hätte, wenn wir unterwegs Noah getroffen hätten, der sich gerade eine Arche zusammenzimmert. Noah war es dann nicht, aber ein Stimmungsaufheller kam trotzdem . Ungefähr 6 km vor dem Ziel kreuzte der Captain mit seinem kleinen, bis unters Dach vollgepackten, Auto unseren Weg und fungierte umgehend als unser persönliches Safety Car.

Vollkommen durchnässt kamen wir gegen 19.30 Uhr bei Claudia und Peter an und wurden hier bereits herzlich erwartet. Das Reiterstüberl war geheizt, damit unsere Sachen über Nacht trocknen konnten und nachdem die Pferde versorgt waren, wartete eine heiße Dusche auf uns. Nachdem wir den ganzen Nachmittag im Regen unterwegs waren, war eine heiße Dusche das absolute Highlight. Nachdem wir äußerlich gewärmt und wieder trocken waren, wartete Claudia mit einer warmen Nudelsuppe und hausgemachten Speck- und Brennesselknödel auf uns.

Es war total schön, dass wir auch hier sofort in die Familie integriert wurden. Die Töchter des Hauses waren genauso offen und herzlich wie ihre Eltern und man muss sich hier einfach wohlfühlen. Ohne mit der Wimper zu zucken, durften wir unsere stinkenden Pferdesachen im ganzen Haus zum Trocknen aufhängen, die komplett aufgeweichte Karte wurde ersetzt und von Peter sicherheitshalber laminiert. Auch hier zogen sich die Gespräche bis tief in die Nacht – Rosserer hoit…

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Als wir ins Bett fielen und den Tag Revue passieren ließen, mussten wir über viele Sachen lachen und genau das schätze ich an meinen Mädels: Egal wie das Wetter ist, wir haben immer unseren Spaß! Regentage gehören zu einem Wanderritt und  obwohl das jedem klar ist, strengt es trotzdem sehr an. Bevor ich einschlafe, setze ich eine Wachsjacke auf meine Wunschliste, alles andere ist wohl doch nur für leichte Schauer gedacht…

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Reiten im Landl – Tag 2

Der Sonntag begann mit einem ausgiebigen Frühstück und weil wir mit Spiegeleiern aus der Riesenpfanne (vom dazu passenden Riesengrill) und vielen anderen leckeren Dingen verwöhnt wurden, vergaßen wir tatsächlich die Zeit. Erst nach dem dezenten Hinweis unseres Gastgebers brachen wir endlich gegen 11.15 auf.

Nachdem wir, irgendwo im Wald, eine falsche Abzweigung genommen hatten, mussten wir improvisieren. Unser „Schleichweg“ der uns einen Hang bergab, am Wiesenrand entlang führte, war auch der direkte Weg zum Wiesenbesitzer, der bereits unten auf uns wartete. Wir legten uns schon alle hervorragenden, guten, nicht ganz so guten und auch einige ziemlich miese Ausreden parat, und? Wir brauchten keine davon… Statt dem erwarteten Rüffel, erwartete uns ein grinsender Mann, der uns nicht nur den weiteren Weg beschrieb, sondern uns auch dazu aufforderte, weiterhin in der Wiese zu reiten und nicht auf der Straße. Schließlich wäre das für uns sicherer.

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So ritten wir fröhlich weiter. Unsere Ankunft in der „Mittagsstation“ verzögerte sich, dank unseres miesen Zeitmanagements, dann doch auf 15:30 Uhr. Die beiden Jungs vom Reiterhof waren uns schon besorgt entgegen gefahren und waren sichtlich erleichtert, als wir endlich auftauchten. Um uns die direkte Streck zu zeigen, ritten die beiden mit uns zur nächsten Station. Insgeheim vermuten wir immer noch, dass die beiden verhindern  wollten, dass sie spätnachts einen Suchtrupp zusammenstellen müssen um uns in den österreichischen Wäldern zu suchen.

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Egal welche Motivation dahinter lag, sie waren tolle Reitpartner und mit ihrer Unterstützung kamen wir dann auch sicher beim „Captain“ an. Der Captain heißt eigentlich Josef und ist ein absolutes Original. Bei unserer Ankunft stand er bereits am Grill, machte Witze über die Dimensionen unseres „kleinen Reisegepäcks“ und versorgte uns mit Grillfleisch und Salaten. Gleich im Anschluss präsentierte er uns seinen persönlichen Traum.

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Ein riesiges Holztipi, ausgestattet mit Matratzenlager und einem Ofen in der Mitte. Das Tipi wurde mit viel Liebe zum Detail mit Fellen, Federn, Zeichnungen und vielem mehr geschmückt und gibt Wanderreitern die Gelegenheit, sich, für eine Nacht, wie Winnetou zu fühlen. Da es nachts noch kühl war, hatte er uns auch bereits eingeheizt. Im Stüberl heizte er dann weiter 😉 Dieses mal mit Kaffee und Selbstgebranntem. Wir saßen noch ewig zusammen, hörten seine Geschichten, erzählten viel, lachten laut und fühlten uns einfach wohl.

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In der Nacht begann es zu regnen und so schön sich die Regentropfen auf dem Holzdach auch anhören mögen, wir alle hofften, dass es am Morgen wieder vorbei sein würde…

Reiten im Landl – Tag 1

Am Samstag den 06.05.2017 war es dann endlich soweit. Die Koffer waren gepackt und so startete Patricia in Österreich, während sich Steffi und ich in Oberbayern als Fahrgemeinschaft zusammentaten. Wir kamen sehr gut voran, doch vor die Ankunft auf der Key Mountain Ranch hat der liebe Gott noch eine enge steile Straße gesetzt, die sich in Serpentinen den Berg hinaufschlängelt. Unser einziger Wunsch, dass uns keiner entgegenkommt, wurde erfüllt und wir trafen fast zeitgleich auf der Ranch in Schlüsselfeld ein.

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Der Blick über das ganze Trattnachtal und den Kurort Bad Schallerbach war wahnsinnig beeindruckend. Bei strahlendem Sonnenschein standen wir auf der Terrasse, sahen uns an und auf einmal war es da: Das Gefühl Urlaub zu haben und zu wissen, dass dies ein ganz besonderer Urlaub werden würde. Zu diesem Gefühl trug definitiv die herzliche Begrüßung von unseren Gastgebern bei. Mandi heißt eigentlich Manfred Hofer und ist ein Bär von einem Mann. Er und seine Frau Heike strahlen so viel Wärme und Herzlichkeit aus, dass man sich nicht nur sofort wohlfühlte, sondern auch das Gefühl hatte ewig dazuzugehören. Die Boxen waren eingestreut, Heu uns Wasser lag zur Begrüßung bereit und so fühlten sich auch unsere Pferde sofort heimisch. Unsere Unterkunft für die erste und auch die letzte Nacht war ein gemütliches kleines Gartenhäuschen, direkt neben dem Chickenhouse gelegen. Sehr bezeichnend, oder?

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Nach einer kurzen Pause beschlossen wir noch einen kleinen Willkommensritt zu machen und Heike bot uns an, uns dabei zu begleiten. Bevor es losging, erhielten wir noch unsere Plakette „Reiten im Landl“. Mit dem Erlös werden die Beschilderung und der Erhalt der Reitwege finanziert und es werden ständig neue Routen geplant und ausgearbeitet. An dieser Aktion beteiligten wir uns natürlich gern. Abgesehen davon ist es für uns eine tolle Erinnerung und ziert jetzt die Halfter unserer Pferde. Der erste Eindruck bestätigte uns alles, was wir im Internet gesehen und uns erhofft hatten. Eine traumhafte Gegend, viele Wälder, schöne Wege und total nette und aufgeschlossene Menschen. Heike erklärte uns bei der Gelegenheit das erste Stück für den morgigen Tag und so konnten wir abends entspannt Mandis Erklärungen über die Streckenplanung zuhören.

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Wanderritt 2017 – Die Vorbereitungen…

Wanderreiten – Das Erlebnis mehrere Tage mit dem Pferd unterwegs zu sein und sich komplett dem Tempo des Pferdes und der Natur anzupassen, ist ein ganz besonderes Erlebnis und fast wie eine Sucht. Aus diesem Grund zieht es uns mindestens einmal im Jahr weg vom heimatlichen Stall und hin zu einem neuen Reitgebiet. In diesem Jahr wollten wir zu dritt, oder besser gesagt zu sechst reiten.  Wir das sind Steffi aus dem Raum Augsburg mit ihrem Tinker Desperado, Patricia aus dem Zillertal mit ihrem Traber Paul und ich, Mia, aus dem Raum Bad Tölz mit meinem Andalusier-Berber Mix Soleo.

Während Patricia und ich bereits  seit vielen Jahren aktive Wanderreiter sind, war es für Steffi der 2.te Wanderritt und deshalb stand für uns im Fokus, einen Anbieter zu finden, der nicht nur mit einer schönen Landschaft punkten kann, sondern ebenfalls mit einer guten Organisation. Jeder der öfter Organisierte Ritte macht, kommt leider auch irgendwann einmal an die schwarzen Schafe der Branche und so war es auch uns im letzten Jahr ergangen. Unser Resümee aus diesem absoluten Katastrophenritt? Wir wollten gebuchte Übernachtungen und somit ein Mindestmaß an Sicherheit, aber trotzdem wollten wir allein reiten. Entsprechend hoch war somit unsere Erwartung an den Veranstalter.

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Wir erstellten eine Liste mit all den Punkten, die uns wichtig waren. An erster Stelle in unserer Liste, wie bereits erwähnt: Wir wollen allein reiten! Ohne Rittführer, ohne fremde Gruppe aber mit erprobtem Kartenmaterial, dass uns den Weg zeigt. Als nächsten Punkt wollten wir fest gebuchte Unterkünfte für uns und unsere Vierbeiner, Verpflegung für die Pferde und wenn möglich Frühstück, wobei wir Reiter ja bescheiden sind. Hauptsache die Pferde sind versorgt, schließlich müssen die uns auch tragen. Bei den „Nice to have“ Punkten stand der Gepäcktransport ganz oben, gleich neben einem Ansprechpartner für eventuelle Notfälle. Auf den Punkt gebracht, wollten wir also einen organisiert, unorganisierten Ritt mit Raum für persönliche Freiheit und eigenen Abenteuer.

Die Suche nach diesem Wunderritt gestaltete sich, wie bereits befürchtet, ziemlich schwierig. Bei einigen Anbietern gefiel uns zwar das Angebot, jedoch war der Preis in Höhe eines 14-tägigen All inclusive Karibikurlaubs. Bei aller Liebe zum Pferd, aber irgendwie sollte doch alles noch in einer gewissen Relation stehen. Die Suche ging weiter und nach unzähligen Vorschlägen und Internetsuchen kam uns der Zufall, in Form einer anderen Freundin, zu Hilfe.

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Reiten im Sauwald, genauer gesagt im Landl. Sauwald? Landl? Was sollte denn das sein? Zugegeben meine Erdkundekenntnisse waren noch nie so gut und so brachte erst die Google Suche Klarheit. Was wir sahen, gefiel uns ausnehmend gut. Fast 300 km markierte Reitwege. Es gab sogar einen Verein, der dafür sorgt, dass die Wege in Stand gehalten und ausreichend beschildert wurden. Wir mussten nicht lang überlegen und schrieben die erste Anfrage. Die Antwort ließ nicht lang auf sich warten und es stellten sich uns Heike und Mandi Hofer, kurz, nett und unkompliziert vor. Wir mussten nur den Zeitraum angeben und sie versprachen uns, sich bald mit einem Routenvorschlag zu melden. Obwohl wir den Termin sogar kurzfristig verschieben mussten, gab es keine Schwierigkeiten und wir erhielten nach kurzer Zeit eine Rückmeldung mit unseren geplanten Stationen und der Strecke. Die Übernachtungen waren bunt gemischt. Vom Tipi über das Gästehaus, bis hin zum gemütlichen Mehrbettzimmer war alles dabei. Wir mussten nicht lange überlegen, buchten unsere Reise und waren gespannt, was uns erwartete.

 

 

Sorry….

…für die lange Zeit, in der ihr nichts mehr von mir gehört habt.

Das Leben meint es manchmal gut mit uns. Dann passieren so viele Dinge gleichzeitig und bis man sich versieht, sind Tage, Wochen und Monate vergangen. Ich hoffe, Ihr seid nicht böse und habt immer noch Lust auf meine Geschichten.

Als Erstes habe ich für euch ein neues Abenteuer, denn auch in diesem Jahr war ich wieder beim Wanderreiten. Dieses mal jedoch ohne Wutanfälle 😉

Viel Spaß und euch allen eine schöne Zeit.

Eure

Mia

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Mein persönliches Resümee der Alpenüberquerung 2016…

Ein Kaminkehrer heißt Kaminkehrer, weil er Kamine kehrt. Ein Werkzeugmacher heißt Werkzeugmacher weil er Werkzeuge macht und ein Rittführer heißt Rittführer weil er Ritte führt, so zumindest die Annahme. So unterschiedlich diese Berufe auch sein mögen, so haben sie doch eines gemeinsam: Für alle diese Berufe braucht man eine Ausbildung und das ist durchaus sinnvoll!

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Jeder der selbst Kurse hält, weiß wie wichtig es ist, aus den verschiedenen Menschen die sich zusammenfinden, ein Team, eine Gruppe zu formen. Das fördert den Zusammenhalt und somit auch die gegenseitige Achtung und Rücksichtnahme und vor allem gibt es jedem Einzelnen das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein. Auf diesem Ritt, wurde leider von den Verantwortlichen nichts dergleichen unternommen. Das Verhalten war geprägt von Ignoranz, Intoleranz, schlechter Laune, noch schlechteren Informationen und fehlender Hilfestellungen.

Ich bin seit vielen Jahren begeisterter Wanderreiter und kann mit miesen Unterkünften, schlechtem Wetter und seltsamen Essen umgehen. Was stimmen muss, ist dieses ganz besondere Gefühl, dass uns Wanderreiter verbindet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, des gegenseitigen Helfen und des Wissens, dass man den Ritt zusammen schaffen wird. Ein richtiger Wanderreiter braucht keinen unnötigen Luxus und uns ist die gute Unterbringung unserer Pferde wichtiger, als die eigene Unterkunft. Was wirklich zählt, ist gegenseitiger Respekt voreinander und der darf unter keinen Umständen verloren gehen…

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Ich hatte diesen Ritt gebucht, um mir einen Traum zu erfüllen. Die Buchung war sehr kurzfristig und ich war glücklich, dass Georg und ich noch einen Platz bekommen haben. Die Rückmeldungen der Veranstalter haben mir ein gutes Gefühl gegeben und ich war davon überzeugt, eine gute Wahl getroffen zu haben. Bereits kurz nach der Ankunft kamen die ersten Zweifel in mir hoch. Es ist mir durchaus bewusst, dass es gerade für ein kleines Unternehmen schwierig ist, einen kompletten Ritt abzusagen. Wenn ich jedoch selbst, gesundheitsbedingt, nicht reiten kann und ich keinen adäquaten Vertreter finde, wäre dies die einzig faire Entscheidung für alle Beteiligten gewesen.

Nach meinen ersten Blogbeiträgen bekam ich eine Nachricht von den Organisatoren. Thema war der Inhalt meiner Beiträge und die Frage ob es denn sein müsse, dass ich das alles so genau beschreibe. Wer mich kennt und zwischen den Zeilen lesen kann weiß, dass es sich hier um die „nette“ und nicht die ausführliche Variante handelt und JA ich bin der Meinung, dass ich es schreiben muss. Das Argument, ich müsse berücksichtigen, dass es sich um einen „Ausnahmeritt“ gehandelt hätte und es mit der richtigen Führung anders gewesen wäre, kann ich so nicht gelten lassen. Es mag sein, dass der Ritt anders gelaufen wäre, das kann ich jedoch nicht beurteilen. Ich kam ohne Vorankündigung in den zweifelhaften Genuss dieses „Ausnahmerittes“ für den ich jedoch keinen Ausnahmepreis gezahlt habe und nur diesen Ritt kann ich beurteilen…

Was mich an dieser ganzen Geschichte wirklich traurig gemacht hat, war und ist die Tatsache, dass ich nicht das Gefühl habe tatsächlich die Alpen überquert zu haben. Ich glaube diejenigen die dabei waren, können das nachempfinden. Dieser ganze Stress, die Hektik, das ewige Hin und Her. Es ging viel zu viel dabei verloren. Vor allem die Momente in denen man sich eigentlich denkt: „Wahnsinn, jetzt bin ich in Österreich“ oder „…jetzt sind wir am Pass“ all diese Momente, die einen sonst total umhauen, fehlen komplett. Gut, ich habe andere Momente im Gepäck. Zum Beispiel „Hey, ich bin allein auf der Reschenstraße galoppiert und zwar quer!“ oder „Schau mal, da oben habe ich meine Beherrschung verloren!“ das sind tatsächlich Momente, die mich (im Nachhinein) zum Schmunzeln bringen.   😀

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Da ich bekanntermaßen ein gnadenloser Optimist bin, will ich euch die positiven Seiten nicht vorenthalten. Ich habe meine persönlichen Grenzen ausgetestet und gelernt, dass es Menschen gibt, die sogar mich wahnsinnig machen und das es durchaus Dinge gibt, die mich stolz machen:

Stolz bin ich in erster Linie auf Soleo. Er schafft es zuhause vor seinem Schatten zu erschrecken (By the way: Wir haben gestern tatsächlich 40 Minuten gebraucht um an einem Absperrband mitten im Wald vorbeizukommen), aber bei diesem Ritt hat er LKW´S, Fahrradfahrer und ständiges Chaos mit einer Gelassenheit bewältigt, die unglaublich war.

Stolz bin ich auf Georg, weil er sich einmal mehr als der gute Freund bewiesen hat, der er ist.  Nicht nur, dass er mich auf diesem Ritt begleitet hat, wir haben uns gegenseitig davon abgehalten abzubrechen oder Mitreiter tätlich anzugreifen. Egal, ob wir zusammen mit Patricia auf dieser Sch….. Teerstraße galoppiert und piaffiert sind oder uns auf der „Top- Galoppstrecke“ die Steine um die Ohren geflogen sind, wir haben nie unseren Humor verloren.

Stolz bin ich auf Lissy und ihre Freundin, die trotz dem schlechten Verhalten von Anderen stets ihre Haltung bewahrt haben und nie auf das gleiche Niveau gesunken sind. Auf Lissy bin ich vor allem  deshalb stolz, weil sie mehrmals auf diesem Ritt versucht hat, die Wogen zu glätten und vermeintliche Schuld auf sich genommen hat, obwohl es nicht an ihr lag!

Stolz bin ich auf Patricia, weil sie sich vom ersten Moment an, als unheimlich liebenswerter und wertvoller Mensch bewiesen hat. Weil sie mit mir den Ritt durch freilaufende Kuhherden souverän gemeistert hat und mich trotz eigener Kämpfe mit ihrem Pferd auf der Reschenstraße nicht allein gelassen hat und weil sie mit mir über jeden Blödsinn lachen konnte.

Stolz bin ich auf einige andere, deren Namen ich hier nicht nennen soll, weil wir einfach zusammengehalten haben und gemeinsam versucht haben das Beste aus allem zu machen.

Stolz bin ich auch auf unsere selbstlose Hufschmiedin, die sich (obwohl sie nur ein Reitgast war) um sämtliche Beschlagsprobleme aller Reiter gekümmert hat.

Stolz bin ich letztendlich auch auf mich, weil ich weitergemacht habe als ich keine Lust mehr hatte und nie daran gezweifelt habe es zu schaffen. (Gut, manchmal habe ich daran gezweifelt, dass ich es schaffen werde ohne in der Zwischenzeit jemanden in den Abgrund zu schubsen oder im Hochmoor zu versenken. Aber ansonsten: Keine Zweifel!   😉  )

Was lehrt mich also das Leben und dieser Ritt? Egal was passiert, es hat immer seinen Sinn und bringt dir irgendetwas bei. Oder wie heißt es auch immer so schön? Es gibt kein zufälliges Treffen. Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk.  (manchmal vielleicht sogar ein guter Witz vom lieben Gott…)

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Ich bin mit meinem Bericht über die Alpenüberquerung am Schluss angelangt und danke all denen, die mir immer wieder dazu geschrieben haben und denjenigen die mich unterstützt haben, wenn ich dachte es geht nicht mehr. Ich werde, wie versprochen, auf jedem Fall eine erweiterte Version von diesem Blog veröffentlichen. Lasst mir einfach nur ein bisschen Zeit dazu, ich sage euch Bescheid sobald es soweit ist.

Am Besten abonniert ihr den Blog hier auf der linken Seite, dann verpasst ihr keine Info und seid auch wieder bei den Themen dabei, die nicht so pferdelastig sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Zeit

Alles Liebe und bis bald

Mia

DIE ALPENÜBERQUERUNG – Ab nach Hause…

Als der Wecker um 03:30 läutet, hasse ich ihn. Dann fällt mir ein, warum er läutet und auf einmal ist das Aufstehen ziemlich leicht…

Waschen, Anziehen, Koffer packen. Das alles in Rekordzeit. Irgendwie ist es schon fast lustig wie Georg und ich im Laufschritt,  mit Koffern bepackt, Richtung Auto rennen. Das Ganze hat ein bisschen was von Bonnie und Clyde auf der Flucht. Das Gepäck wird in das Auto geschmissen und Georgs Ansage „Mach den Hänger auf, ich hole die Pferde!“ verstärkt das Gefühl von Flucht. Während ich mich noch über die Situationskomik amüsiere, kommt Georg bereits im Dunkeln mit den Pferden.

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Die beiden Jungs steigen ohne zu zögern ein. Wahrscheinlich befürchten sie, dass sie sonst die Strecke wieder zurücklaufen müssen und wählen deshalb ihr persönliches Taxi. Es hätte mich  nicht gewundert, wenn die beiden in den Hänger galoppiert wären. In Rekordzeit ist alles verpackt, die Pferde verladen, der Hänger geschlossen und Georg startet sein Auto.

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Der Blick auf`s Handy zeigt: Eine Stunde nach dem Aufstehen sind wir unterwegs…

Das Blubbern des großen Dodge durchbricht die nächtliche Stille und ich denke noch kurz an diesen Trip zurück. Meine melancholische Stimmung wird jedoch durch eine sehr wichtige Mitteilung von Georg unterbrochen. „Wir brauchen Kaffee!!!!“ War eigentlich klar, dass wir ohne unsere morgendliche Koffeindröhnung nicht einsatzbereit sind. Gut, dass der Drang nach Hause zu kommen bei uns beiden überwogen hat, denn so wurde wahrscheinlich am Morgen das dringend benötigte Koffein durch Adrenalin ersetzt 😉

Mit einem riesigen Becher Kaffee in der Hand lässt es sich definitiv auch besser nachdenken. Ich freue mich unsagbar auf Zuhause, darauf meine Ruhe zu haben, nicht ständig streiten zu müssen, tun und lassen zu können was ich will, nicht mehr stundenlang auf Fahrradwegen entlangzureiten ABER ich werde einiges und vor allem einige vermissen. Ich werde in erster Linie vermissen, jeden Tag viele Stunden mit meinem Pferd unterwegs sein zu können, Kaffee mit Georg und den Mädels zu trinken, Frühstück das bereitsteht, leckerer Salat zum Mittagessen und definitiv werde ich diesen geregelten Tagesablauf mit den Pferden vermissen.

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Looking back…

Bei unserer Heimreise haben wir Glück und unser Plan geht auf. Ohne jede Verzögerung sind wir gegen Mittag im Stall. Kein einziger Stau hat uns blockiert und wir sind zügig durchgekommen. Als wir auf den Reschentunnel zugefahren sind, wurde uns bewusst in welch irrer Situation wir uns hier befunden haben. Das ist tatsächlich die Straße die wir entlang galoppiert sind. Unglaublich, das Ganze ist schon wieder so weit weg, dass es unwirklich erscheint.

Wenn ihr auf das Bild rechts schaut, sieht man eine Einfahrt. Das ist die Einfahrt, in der Patricia und ich auf Karlheinz gewartet haben und die Strecke die ihr hier seht, war ich dann beschäftigt mein Pferd zu beruhigen und darauf zu hoffen, dass bald irgendjemand auftaucht den ich kenne. Ich grinse durch den Rückspiegel mein Pferd an und meine stolz zu Georg: „Er ist schon toll, oder?“ „Ja, das ist er. Hat einen guten Job gemacht!“ kommt die Antwort und da wird es mir noch einmal bewusst. Mein Pferd mag in manchen Situationen ein Idiot sein, aber wenn es darauf ankommt, macht er Dinge die sensationell sind.

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An dieses Abenteuer werde ich wohl zukünftig immer denken, wenn ich hier entlang fahre…

Im Stall angekommen, ist mein alter Strietzi (Spitzname von Aaron) komplett außer Rand und Band. Soleo ist zurück und somit das Dreamteam wieder vereint. Die Stallkollegen sind mit Sicherheit auch sehr dankbar, weil mein alter Herr es geschafft hat fast 3 Tage durchgehend zu wiehern. Vielleicht mit ein bisschen Kalkül 😉 Schließlich hat er zum Trost viele tolle Dinge bekommen: Karotten, Äpfel, Mash und jede Menge Leckerli. An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Dankeschön an meine Stallmädels. ❤

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Meine Jungs ❤

Als Georg gefahren ist und ich meine Sachen verstaue, merke ich wie die Anspannung abfällt und ich einfach nur müde bin. Ich muss grinsen, als meine Stallkollegen überrascht sind, wie sportlich Soleo aussieht. Bei dieser anstrengenden Strecke, muss man den Erfolg sehen. Georg und ich haben ausgerechnet, dass wir von den insgesamt 260 km circa 160 km zu Fuß gegangen sind und ich glaube wir sehen ebenfalls sportlicher aus 😉  Ich erzähle kurz meine Schnellversion und blicke in erschrockene und erstaunte Gesichter. Mir fällt auf, dass ich mich so an das Chaos gewöhnt hatte, dass es für mich schon normal war. Seltsam wie schnell man sich anpasst, wenn die Möglichkeiten beschränkt sind…

Keiner kann begreifen, warum ich nicht abgebrochen habe. Ich denke kurz darüber nach, aber die Antwort ist ganz einfach: Gute Freunde lassen sich nicht im Stich und wenn sie eine Sache beginnen, bringen Sie diese auch gemeinsam zu Ende…

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Mein Resümee aus diesem Ritt? Seid gespannt auf den nächsten und endgültig letzten Teil dieses Berichtes.

Sprachurlaub, das Leben, die Liebe und der alltägliche Wahnsinn