DIE ALPENÜBERQUERUNG – DER 5.TE REITTAG

Der Start in den fünften Tag beginnt mit Nieselregen, schlechter Laune und einem Verlängerten… Der Versuch einer Mitreiterin einen normalen Kaffee durch 5 Espresso in einer Tasse auszugleichen, bringt uns zum Lachen, sie selbst kurz vor koffeinbedingtes Herzrasen. 😉 Man merkt an diesem Morgen deutlich, dass der Ärger von gestern an niemandem spurlos vorübergegangen ist. Das ungezwungene Verhalten der ersten Tage ist weg und weder die Rittführerin noch die Organisation machen den Ansatz das zu ändern.

Nach dem Frühstück gehen wir nach draußen, machen die Pferde fertig und bauen die Paddocks ab. Mittlerweile hat sich eine Art Routine eingestellt und Georg und ich arbeiten Hand in Hand. Die Arbeit ist schnell erledigt. Da mein Reitkumpel ein Gentleman ist, leiht er mir heute seine Regenhose. Damit bin ich gegen jegliche Erkrankungen geschützt, das Wetter kann mir nichts anhaben und wir haben bei meinem Kampf mit den Reißverschlüssen auch am frühen Morgen unseren Spaß.

Wie jeden Morgen kommt auch heute der Befehl zum Aufbruch und alle stehen bereit. Da wir mitten im Dorf sind und der Berufsverkehr rollt, ist es wichtig das wir alle zusammen bleiben. Einer unserer Mitreiter ist der Meinung, dass er ganz cool – so quasi im fliegenden Start – auf sein Pferd hechten kann. Er setzt an, während die ersten schon losgehen, schwingt nach oben und rutscht mitsamt Sattel am Pferdebauch entlang. Patricia steht in seiner Nähe, springt beherzt hinterher und versucht beide vor dem Absturz zu retten. Zugegeben sieht das ziemlich witzig aus 🙂 Ihre Aktion kann jedoch nicht verhindern, dass wir alle noch einmal stehen bleiben müssen und die Rittführung, zum ersten Mal an diesem Tag, von soviel Unprofessionalität genervt ist.

Der Reiter, Georg und ich haben beschlossen ihn in unseren Aufzeichnungen Karl-Heinz zu nennen, gehört jetzt aber eigentlich eher in die Gruppe rund um die Führung und das ist für diese eher schlecht. Jetzt ist die Verzögerung also fast selbst verschuldet. Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass wir trotzdem noch genügend Gründe zum Lästern bieten. Erster Dorn im Auge ist die Tatsache, dass wir unsere Pferde zu Beginn und nach jeder Pause führen. Pferdefreundlich und partnerschaftlich finde ich, komplett übertrieben und unprofessionell finden andere. Ich bin froh, dass ich aus dem Alter raus bin, in dem ich mir die Meinung anderer Leute habe aufdiktieren lassen. Für mich ist mein Pferd kein Gebrauchsgegenstand sondern ein Partner und ich möchte mir die Leistungsfähigkeit über einen langen Zeitraum erhalten.

Am unverständlichsten ist bei diesem Ritt tatsächlich der Spruch „Dann hätte es kein Gaul werden sollen, wenn ich zu Fuß gehen muss!“ Für manchen handelt es sich wohl doch eher um ein Sportgerät. Ich kann manchmal nur schwer nachvollziehen, warum man sich generell aufregen muss. Wir beeinflussen weder das Tempo noch die Qualität des Rittes. Niemand muss auf uns warten und im Schritt führen wir genauso schnell, wie die anderen reiten. Zugegebenerweise führe ich zuhause nicht so oft und auch bei noch keinem anderen Ritt habe ich zwischen den Pausen so lange Strecken geführt, das mag aber auch daran liegen, dass ich in der Regel weder Fahrradwege noch Hauptstraßen als bevorzugte Strecke nutze.

dscn0580

…muss mal kurz mein „Sportgerät“ tanken 😉 Einmal Super bitte!

Wir folgen, wie erwartet, auch heute in großen Teilen einem Radweg und wenn wir den verlassen reiten wir (welch Wunder) durch Ortschaften. Das einzig Gute an dieser Vorgehensweise ist, dass ich sehe wie brav mein Pferd ist und wie souverän er die Gruppe von hinten schützt. Als ich einen LKW-Fahrer daran hindern will, noch näher aufzufahren und aggressiv auf ihn zureite, merkt er es nicht. Er lässt sein Fahrzeug rollen, während er Nachrichten in sein Handy tippt. Georg kommt uns zur Hilfe, damit der Fahrer endlich erkennt das der Arsch meines Pferdes nicht sein persönlicher Stoßdämpfer ist.

Wir biegen ab und müssen durch ein Firmengelände. Hier dürfen auf keinem Fall Hinterlassenschaften von Pferden liegen bleiben. Das heißt, die letzten müssen alles zur Seite schieben. Alle anderen reiten zügig durch und warten nach dem Durchqueren auf diejenigen die für Ordnung sorgen. Es geht los, alle reiten durch, die letzten machen sauber und die Rittführung reitet ohne zu stoppen weiter. Frei nach dem Adenauer-Zitat „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Wobei Adenauer ja eigentlich gesagt hat: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden.“

Wir schließen trabend auf und das ist nicht schwer, denn unser Weg führt uns direkt durch ein Rafting-Gebiet, das wir langsam durchreiten müssen. Die Rafter machen mit Sicherheit genauso viele Bilder von uns, wie wir von Ihnen. Witzig dabei, dass man aus deren Reihen hört welche Angst sie vor Pferden haben und das sie das nicht machen möchten, während ich mir  wiederum denke, dass ich vor Angst sterben würde, wenn mich jemand in ein Schlauchboot setzen würde. So hat jeder die Begeisterung für seinen Sport und achtet den des anderen.

Nach dem Überqueren einer Brücke, kommen wir direkt an einen Bahnübergang. Die Schranke ist geschlossen und wir müssen warten. Der Güterzug ist vollbeladen mit Autos und donnert lautstark an uns vorbei. Nebenbei bemerkt ist dies Soleos erster direkter, vor allem so naher Kontakt mit Zügen und ich bin gespannt auf seine Reaktion. Er ist ruhig, interessiert und wartet geduldig bis der Zug vorbei ist und sich die Schranke wieder öffnet. Wir folgen einem Weg nach oben, bei dem wir einen schwindelerregenden Blick auf den Fluss haben. Ich dachte immer, dass ich schwindelfrei bin, aber hier wird mir auch komisch und ich beschließe lieber nach vorne zu schauen.

Es geht flott weiter und dann verreiten wir uns erneut. Anstatt den Weg um die Stadt herum zu nehmen, gehen wir mitten durch die Stadt. Der Berufsverkehr ist im vollen Gange und jede Menge genervter Autofahrer treffen auf einen Trupp Reiter, die mit ihrem Verhalten im Straßenverkehr, die Verwirrung komplett machen. Es wird fröhlich vorbei gewunken obwohl der Gegenverkehr von vorn schon zu sehen ist (zumindest aus Reiterhöhe), was aber nicht dazu führt, dass der entgegenkommende Verkehr aufgehalten wird. Dieses wenig sinnvolle Handeln hat zur Folge, dass die Autofahrer gezwungen sind, zwischen uns einzuscheren und es nur ihrem und wir unserem guten Karma zu verdanken haben, dass niemanden etwas passiert.

Lt. Straßenverkehrsordnung dürfen wir hier in Österreich nicht nebeneinander reiten. Das interessiert aber keinen und so reitet die Gruppe in „flexibler Breite“. Das Chaos vor und hinter uns wird immer größer und es fällt schwer, nicht einzugreifen. Es werden Straßen überquert ohne das jemand auf die nachfolgenden Reiter oder den Verkehr schaut und schön langsam komme ich zu der Überzeugung, dass ich einen Survival-Ritt gebucht habe. Ich sollte mir angewöhnen das kleingedruckte zu lesen…

Irgendwann haben wir es geschafft und setzen zu den letzten Metern vor dem Picknick an. Ein Teil von uns steigt ab und führt. Die Pferde haben gute Leistung gebracht und sich das verdient. Eigentlich kann ich nicht mehr, stampfe jedoch eingepackt in Georgs dicker Regenreithose bei steigenden Temperaturen neben meinem Pferd her und kämpfe mit dem Gefühl gleich einen Hitzschlag zu bekommen. Weil mein Pferd ein braver Kerl ist, zieht er mich tatsächlich am Halfter den Berg rauf. Ich weiß, dass es jetzt für einige von euch zu viel Vermenschlichung ist, aber ich denke es hat etwas damit zu tun, dass wir ein Team sind. Zuhause reißt er den Kopf weg, wenn ich ihn am Halfter führen will, hier lässt er es zu, macht die ganze Arbeit und schleift mich japsend und mit der Kamera in der Hand hinter sich her. Mein tolles Pferd! ❤

dscn0586

Wir kommen endlich an einer Parkbucht an und während die anderen ihre Pferde auf die oben gelegenen Wiesen bringen, bleibe ich mit Soleo unten und lasse ihn dort grasen. Er folgt nicht dem Drang bei der Herde zu sein, sondern akzeptiert, dass wir bleiben wo ich bleiben will. Für mich ist das ein absoluter Vertrauensbeweis und ich freue mich darüber.

Unsere Rittführung hat sich abseits gestellt und schweigt. Eines der beiden Mädels, die am Vortag voraus geritten waren und somit der angebliche Auslöser für die Zickerei waren, überrascht mich total. Sie geht auf die Dame zu, um alles aus der Welt zu schaffen. Sich zu entschuldigen, obwohl man keinen Fehler gemacht hat, nur um etwas Gutes für die Gruppe zu erreichen, das nenne ich Größe! Respekt vor ihr, denn das hätten die meisten von uns nicht getan.

Schade allerdings, dass die Angesprochene immer noch zickt und sich lieber im Status der Unverstandenen sonnt, anstatt die Chance wahrzunehmen die sich ihr hier bietet. Vielleicht ist es manchen Menschen einfach wichtiger sich in der Opferrolle zu sehen, anstatt zu versuchen über ihren eigenen Schatten zu springen. Für alles, was ihnen widerfährt, suchen und finden sie die Schuld bei anderen. Das ist für das unmittelbare Umfeld (also uns) mühsam, nervig und ärgerlich und führt dazu, dass man den Kontakt gerne meiden würde. In unserem Fall ist das schwierig, weil sie den Weg kennt oder sagen wir mal weil sie zumindest täglich die Information bekommt wo wir hinreiten sollen. Um von diesen Gedanken wegzukommen hole ich mir lieber einen Kaffee – es ist mein Urlaub…

Nach dieser eher seltsamen Pause geht es weiter. Wir müssen alle aufsteigen, denn es folgt ein steiler Aufstieg. Wir reiten durch ein Wäldchen und durch eine Wiese und dann erwartet uns eine gigantische Aussicht. Das erste Mal auf diesem Ritt hat das Wort „Alpenritt“ ein Bild für mich. Ich bin absolut beeindruckt von diesem Ausblick und kann mich nicht satt sehen. Es ist unglaublich wie wunderschön es hier ist und dann kommt eine Überraschung die mich hoffen lässt, dass es zwischenmenschlich zwar schwierig aber nicht ausweglos ist. Unsere Rittführung bringt uns zu einer kleinen Bäckerei und dort bekommen wir Eiscafé oder Kaffee am Pferd serviert. Ich merke, dass es emotional ein ständiges auf und ab ist, das manchmal sehr an den Nerven zerrt. Genau in diesem Moment, mit einem Eiscafé in der Hand und meinem Pferd vor mir ist es eher ein auf und als gnadenloser Optimist, hege ich immer noch die Hoffnung auf ein Happy End…

Nach unserem Kaffeestop und einem weiteren Aufstieg mit verdienter Fresspause für die Pferde, machen wir uns ein letztes Mal auf den Weg um unser heutiges Tagesziel zu erreichen. „Neu Amerika“ Dieser kleine Weiler erhielt seinen Namen bereits 1880. Der Hof wurde damals von einem Rückkehrer aus Amerika gekauft und auf den Namen getauft. Es ist wie die Ankunft in einer anderen Welt. Mitten im Wald steht die Farm und für unsere Pferde wurden heute die eigenen Vierbeiner auf die Koppel geschickt. Das witzige daran ist, dass wir uns total freuen, weil wir keine Paddocks aufbauen müssen, unsere Pferde aber extrem nervös sind weil sie sich nicht mehr alle sehen können. Der Ruf zum Gruppenbild erscheint mir schwierig umzusetzen, weil der Innenhof durch geparkte Autos und Anhänger sehr eng ist und wie auf Kommando beginnen die ersten Pferde nervös zu werden. Um dem aus dem Weg zu gehen, versuche ich im Hintergrund zu bleiben, was mir aber nicht wirklich gelingt. Eine Stute rennt rückwärts, mein Bub steht ihr im Weg, der Tritt sitzt – direkt auf das Sprunggelenk, er setzt das Bein nicht mehr ab. Von der Organisatorin kommt die Frage: Hat sie ihn getroffen? – Ja – Ja, das passiert schnell. Ansonsten kommt nichts…

dig

Einritt in Neu-Amerika

Nichts, außer der Hilfe der Gruppe. Genau der Gruppe, der unsere sogenannte Rittführerin vorwirft keine Gruppe zu sein. Von ihnen kommt jeder und versucht seinen Teil beizutragen. Georg checkt mit mir den Bewegungsapparat, die Hufschmiedin holt aus ihrem Wunderkasten eine Creme die ich auftragen kann, jeder ist besorgt. Es geht hier nicht einmal so sehr um das medizinische Versorgen, sondern mehr um das Gefühl gut aufgehoben zu sein. Solche Unfälle können immer wieder passieren, schließlich haben wir es hier mit Lebewesen zu tun, die von Lebewesen geritten werden. Hier trifft niemanden die Schuld, aber es ist die Aufgabe des- oder derjenigen der den Ritt veranstaltet, sich um solche Dinge zu kümmern und dieses Gefühles zu vermitteln. Unser Trossfahrer ist derjenige, der weiß um was es geht und auch in diesem Fall eingreift. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat und die Pferde versorgt sind, trinken wir den wohlverdienten Willkommensschnaps und nutzen die Zeit um uns ein bisschen umzusehen.

Neu Amerika ist wirklich einen Besuch wert. Es gibt hier viele witzige und interessante Kleinigkeiten zu entdecken. Witzige Schilder, außergewöhnliche Skulpturen und hervorragendes Essen. Der Besitzer erinnert ein wenig an Bud Spencer und macht uns allen resolut klar, dass er keinen Schmutz in seinem Haus mag. So sitzen wir mit Socken im Saloon und genießen zusammen den Abend. Ich bemühe mich heute, die Kluft zwischen den Fronten zu schließen. Leider klappt das nicht so gut wie ich mir das vorgestellt hatte. Dafür ist das Essen hervorragend und man kann im Leben halt nicht alles haben. Vielleicht ist es auch bei diesem Trip nicht mein Job, immer für Frieden zu sorgen. Im Gegenteil, anscheinend soll ich mich mal so richtig ausleben. Ich habe mich selten so aggressiv erlebt und erschrecke in manchen Situationen vor mir selbst. Gerade wenn es um die Nichteinhaltung aller Sicherheitsregeln geht, vergesse ich wirklich meine gute Erziehung und komme mir vor, wie einer der beiden nörgelnden Alten bei der Muppets-Show und das ist nur die schöne Variante. Der zweite am Balkon ist dann wahrscheinlich Georg, der ähnliche Probleme hat. Deshalb muss ich den anderen jetzt und hiermit sagen: Eigentlich bin ich total nett!  😉

m

Irgendwann erfolgt die Zimmerverteilung. Sie erfolgt nach einem System, dass wir nicht nachvollziehen können, hat aber zur Folge, dass 4 Mädels in einem Zimmer sind. Im Gegenzug gibt es noch ein Gruppenzimmer für die Männer und 2 Doppelzimmer. Bei uns Mädels dauert es ziemlich lang bis wir einschlafen können, weil wir soviel zu quatschen und zu lachen haben, aber auch darüber reden können wie die anderen den Ritt bewerten. Im Gegenzug dazu können die Herren zwar schnell einschlafen, dies aber nicht lange tun. Karl-Heinz braucht wohl wenig Schlaf und darunter müssen seine Mitschläfer leiden. Ob in diesem Fall wirklich geteiltes Leid, halbes Leid ist? Rücksichtnahme ist nicht jedermanns Sache.

Ich bin froh, dass wir soviel zu lachen haben, denn Neu-Amerika ist zwar schön und gepflegt, aber alles ist irgendwie klamm und feucht. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Ranch direkt zwischen hohen Bergen steht, es ist auf jeden Fall unangenehm. Ich schmeiße mich in meine Jogginghose den Kapuzenpulli und die dicken Wollsocken und versuche es zu ignorieren. Es ist nur eine Nacht und die kann ein Wanderreiter fast überall aushalten. Für mich persönlich heißt das: Besser feucht und klamm als schmutzig und Spinnen und so schaffe ich es anscheinend irgendwann so müde zu sein das ich einschlafe…

 

Erkenntnis des Tages und ein Dankeschön…

Ihr habt euch bestimmt gewundert, warum ihr so lange nichts von mir gehört habt, bzw. warum die Fortsetzung auf sich warten lässt. Um ehrlich zu sein lag es daran, dass ich mit mir gehadert habe, was ich jetzt schreiben soll und darf und was ich lieber verschweigen sollte…

Ich habe mich ernsthaft um eine „politisch korrekte“ Fassung bemüht, die sich allerdings wie ein schlechter Schulaufsatz gelesen hat. Weil ich nun mal ich bin, habe ich mich für die Wahrheit entschieden. Vermutlich war es ganz gut, dass ich während des Rittes kaum Internetverbindung hatte und mir jetzt die Zeit genommen habe, um über vieles nachzudenken. So konnte sich das Ganze erst einmal setzen und sich meine Emotionen wieder auf ein Normalmaß reduzieren. Hier also erst einmal ein kurzes Resümee, dass man meist an das Ende einer Geschichte setzt. Ich finde hier ist der richtige Platz dafür.

Fangen wir mit dem Positiven an:

  • Ich habe mir den Traum, einmal mit meinem Pferd die Alpen zu überqueren, erfüllt.
  • Die Landschaft und die Erfahrung welch zuverlässiges Pferd ich an meiner Seite habe, haben mich für vieles entschädigt.
  • Zu sehen, dass mein Pferd auch dann noch mit mir und für mich kämpft, wenn es selbst an seinen Grenzen ist, hat uns noch enger zusammenwachsen lassen.
  • Ich habe gelernt, dass mein guter Freund Georg nicht nur ein guter Freund ist, sondern jemand dem ich blind vertrauen kann. Diese Lektion haben wir wohl beide gelernt. Er hat Soleo davon abgehalten, im gestreckten Galopp davonzuschießen wenn der Herdentrieb größer war als das Wissen über die Wegbeschaffenheit und ich habe ihm den Rücken freigehalten, wenn sein Youngster Apollo beschlossen hatte, dass von hinten immer Monster kommen und er Radfahrer nicht leiden kann. Es war ihm manchmal ein Bedürfnis diesen furchtbaren Zweibeinern mit ihren komischen Drahteseln zu erklären, dass es SEIN Weg ist, auf dem sie gerade fahren. Im Gelände und auf Reitwegen ist es nicht so schwer gegenseitig Rücksicht zu nehmen, auf den teilweise sehr engen Radwegen jedoch schon.
  • Weiterhin positiv war auch, dass ich unheimlich tolle Menschen kennengelernt habe und dabei sein durfte wie aus einer „Zweckgemeinschaft“ eine Gruppe wurde, die sich gegenseitig unterstützt und geholfen hat. Das galt nicht für jeden, aber doch für die meisten von uns und so hatten wir auch immer etwas zu lachen. Unser fester Plan war es, uns diesen Trip durch nichts vermiesen zu lassen und das haben wir meistens geschafft.

Ich habe für mich jetzt wieder die Basis gefunden um euch die Geschichten der weiteren Tage erzählen zu können. Geschichten voller Abenteuer, schwierigen und manchmal auch gefährlichen Situationen. Wahrheit ist immer Ansichtssache und so halte ich mich an ein Zitat von Voltaire und wünsche euch weiterhin viel Spaß beim Lesen…

9760ec8825fcf1f481a1592c15cb641f

 

 

Die Alpenüberquerung – Der 4.te Reittag

Der 4.te Reittag – Es menschelt…

Der Tag 4 ist wohl irgendwie ein verhexter Tag. Nicht nur, dass dieser Tag (auch mit Abstand betrachtet) der schlimmste Tag dieses Rittes war, nein, er ist auch einfach verschwunden. Also zumindest ist er aus meiner Seite verschwunden. Ich hatte den Artikel in meinem Blog am Samstagabend online gestellt und am Sonntagmorgen war er weg. Ich bin wirklich froh, dass ich von einigen von euch schon Reaktionen erhalten habe, denn sonst würde ich jetzt wahrscheinlich an meinem Geisteszustand zweifeln. Aber heißt es nicht immer man wächst an seinen Aufgaben? So soll es wohl auch dieses Mal sein und ich fange noch einmal ganz von vorne an.

Wir sind also bei unserem vierten Reittag. Es ist mittlerweile Sonntag. Wie jeden Morgen ist auch heute beim Frühstück eine Art „Vorbesprechung“. Dieses Mal erfahren wir zwischen Kaffee, Semmel und Ei, dass wir eventuell auf freilaufende Kaltblüter treffen werden und dann einfach davon traben sollen. Aha… Ich bin irritiert und sehe an den Blicken der anderen Teilnehmer, dass es Ihnen ähnlich ergeht. Was ist mit dem Herdentrieb? Was mit der Tatsache, dass dies eine direkte Aufforderung zum hinterher rennen ist? Oder mache ich mir umsonst Gedanken, weil diese besonderen Kaltblüter ein Holzbein haben und nicht so schnell humpeln können wie wir traben? Vielleicht hängen sie an einer Kette wie ein Hofhund oder sind sie vielleicht einfach besser erzogen als unsere Pferde und sagen sich „Ach, das sind ja die Wanderreiter. Da müssen wir stehen bleiben!“?

mule-28881_1280
Ich kann die Aussage nicht nachvollziehen und will mehr wissen. Meine Frage ob diese Vorgehensweise wirklich so intelligent ist, wird im ersten Anlauf nicht beantwortet. Auf mein mehrfaches Nachfragen bekomme ich dann aber noch eine zusätzliche Auskunft. Die Reiter, die offene Westernzügel haben, sollen nach außen gehen und mit dem wedelnden Zügeln den anderen die Pferde vom Leib, bzw. vom Pferd halten. Das hätte bisher immer geklappt. Das ich da aber nicht selbst drauf gekommen bin? 😉

Nachdem also der Umgang mit fremden Vierbeinern geklärt ist, kommt die nächste Information. Heute überqueren wir die Fernpass-Straße, da müssen wir uns alle beeilen um gemeinsam rüber zu kommen und wir müssen die Packtaschen abnehmen, weil wir eine Brücke überwinden müssen, die um eine Felsnase herumführt und äußerst gefährlich ist. Irgendwo wäre irgendwann ein Italiener an sowas schon mal hängengeblieben und soll mitsamt panischem Pferd abgestürzt sein. Die Information mit den Packtaschen und der zügigen Überquerung der Straße finde ich wichtig und sehr gut. Den Rest? Lasst es mich so sagen: Ich bewundere jeden Tag aufs Neue das psychologische Fingerspitzengefühl…

horses-1348616_1920

Ich beschließe erst einmal abzuwarten und bin froh, dass Georg schon bei den Pferden ist. Das entsetzte Gesicht seiner Frau zeigt mir, dass sie die Auskünfte über den Tagesverlauf ebenfalls nicht sehr beruhigend fand.

Ich bin in diesem Moment sehr froh, dass wir uns entschlossen haben diesen Ritt gemeinsam zu machen. Wir kennen uns sehr lange und sind ein eingespieltes Team. Jeder weiß was er kann und vor allem wissen wir, dass wir uns blind aufeinander verlassen können. Eigentlich hatten wir den Plan entspannt ganz hinten zu gehen, einfach und locker mitzureiten und uns um nichts zu kümmern – schließlich haben wir Urlaub. Seit dem ersten Reittag ist uns jedoch klar geworden, dass man die Augen nicht so verschließen kann und so sichern wir die Gruppe von hinten ab, Georg blockt Straßen und vieles mehr. Viele Mitreiter wissen das mittlerweile zu schätzen und die meisten unserer Mitreiter sind auch wirklich super nett. Es ist dieser Spaß den wir miteinander haben, der uns immer wieder davon abhält abzubrechen. Während wir die Paddocks abbauen und die Pferde satteln, machen Georg und ich unsere persönliche Tagesbesprechung und wie immer ist klar, dass wir auf uns selbst aufpassen müssen und je nach Situation entscheiden werden.

Die Besitzerin von Siri hatte gestern ganz offen die Frage gestellt, ob es für jeden in Ordnung ist, wenn sie heute mitkommt. Sie will keinem zur Last fallen, weiß aber nicht ob ihre Stute die Tagesetappe durchhält. Ich war positiv überrascht, dass alle zugestimmt haben. Vielleicht täuscht man sich doch in manchen Menschen und sie können nur nicht so aus sich raus kommen.

img_3624

So geht es also heute wieder mit der kompletten Gruppe los. 10 Pferde – 10 Reiter und es startet wunderschön im sonnigen Frühnebel. Als wir in den Wald kommen, beeindruckt die Schönheit der Natur erneut und trotz manch seltsamer Situation gibt es durchaus auch witzige Begebenheiten. (Auch wenn ich diesen Witz bisher für mich behalten habe 😉 )

Wir müssen steil bergab gehen und deshalb führen wir. Ganz vorne wird ein Zitronenfalter entdeckt der auf einer Distelblüte sitzt. Wie bei Kindern wird diese Entdeckung nach hinten weitergegeben. „Zitronenfalter, Zitronenfalter, Zitronenfalter..“ Das wiederholt sich 9x bis es bei mir ankommt. Da ich ganz hinten bin und das Tempo gerade überschaubar ist, beschließe ich ein Bild von dem legendären Zitronenfalter zu machen, den alle so toll finden. Ich zücke also mein Handy und visiere ihn an, während ich in der anderen Hand die Zügel meines Pferdes halte. Bevor ich abdrücken kann macht es einen Haps… Ich starre entgeistert mein Pferd an. Er leckt sich genüsslich über die Lippen und sieht zufrieden aus. Vollkommen ungerührt kaut er Distelblüte mit Füllung. Da wo mal der Zitronenfalter war, ist jetzt nichts mehr. Obwohl es makaber ist, muss ich grinsen. Ob mein Pferd jetzt wohl Schmetterlinge im Bauch hat? Ich beschließe diese spannende Frage nicht mit meinen naturverbundenen Mitreitern zu diskutieren, denn das würde Soleos Image als nettes Pferd mit Sicherheit zerstören.

dscn0485

Distel ohne Blüte und Zitronenfalter 😉

Wir reiten weiter Richtung See. Heute nicht nur, weil es auf dem Weg liegt und die Organisatorin dort Bilder machen will, sondern auch weil eine Mitreiterin Probleme mit dem Sattel hat und der Papa den Ersatzsattel bringt. Solche Papas sind wirklich Gold wert. Auf dem Weg dorthin treffen wir auch wieder auf eine größere Gruppe neugieriger Kühe. Anscheinend scheint die Gruppe vergessen zu haben, dass Siri Probleme mit den Kühen hat. Für unsere Jungs ist das jedoch kein Problem, Georg geht mit Apollo links, ich mit Soleo rechts und die Pferde fangen sofort an zu arbeiten und halten die Tiere auf Abstand. Es wirkt, als wenn sie nie etwas anderes getan hätten. Es ist auch schön zu sehen, wie schnell die Stute versteht, dass ihre Jungs auf sie aufpassen und sie dann auch relativ entspannt durch die Herde geht. In der kurzen Pause die wir machen gesellt sich noch ein Reiter aus der Gruppe zu uns und so haben wir alle etwas davon. Wir leben unseren Cowboytraum und Siri muss keine Angst vor Kühen haben.

14316698_1211580832231647_7407067476041912951_n

Yehaaaa….

 

Es geht weiter und nach einem kurzen Fotoshooting beginnt der anstrengende Aufstieg. Der Weg schlängelt sich den Berg entlang nach oben und bringt die Pferde an ihre Grenzen. Nachdem wir das geschafft haben, gönnen wir ihnen eine kurze und wohlverdiente Pause bevor es weitergeht. Auf dem Weg nach unten folgt die Anweisung für die Überquerung der Fernpass-Strasse. Warnwesten an, alle unten an der Straße sammeln, Straße blocken, gemeinsam zügig antraben und immer zusammenbleiben. Ich bin beeindruckt! Das ist eine Ansage die sogar mir, mit meinem ständigen Sicherheitsdenken, keinen Grund zum Meckern gibt. Vielleicht habe ich mich doch getäuscht und es brauchte nur ein bisschen Anlauf um gut zu werden.

dscn0484

Wir ziehen also die Warnwesten an und steigen weiter ab Richtung Straße. Die ersten erreichen den Straßenrand und wir sehen von oben, dass es jetzt irgendwie hektisch wird. Wir sind immer noch zu dritt dabei den Weg runter zur Straße zu kommen. Zur Erinnerung: Es ist ein Berg und geht deshalb bergab! Wir hören einen Schrei und alle rasen im Trab los. Wir stehen immer noch am Berg und ich glaube wir sind alle gerade unsagbar froh, dass wir unsere Pferde kontrollieren können. Würden sie jetzt dem Herdentrieb folgen, würden wir ohne Chance einem Auto auszuweichen auf die Straße donnern. Es wäre manchmal tatsächlich hilfreich sich umzudrehen bevor man losreitet. Goldene Regel beim Reiten in der Gruppe: Niemals die Gruppe trennen und erst losreiten wenn alle bereit sind. Das lernt man bereits in der Grundausbildung des Reitens. ABER es ist ja alles gut gegangen, wir wollen nicht schon wieder belehren und deshalb beschließen wir, uns den Tag nicht vermiesen zu lassen. Wir haben Urlaub und wollen Spaß haben.

Die nächste Unstimmigkeit kommt aber direkt auf uns zu. Genau genommen lässt sie sich nach hinten fallen. Unsere Rittführung ist sauer. 2 Reiterinnen haben sich nicht an die heilige Reihenfolge gehalten. Sie hat zwar nie direkt gesagt, dass sie keiner überholen darf, aber für sie ist das eine unverzeihliche Frechheit. Ich finde es nicht dramatisch. Jeder Reiter weiß, dass Pferde unterschiedliche Schrittlängen haben und entspannter sind, wenn man das Tempo hier anpasst. Georg und ich bremsen unsere Pferde seit dem ersten Tag und es macht nicht immer Spaß. Anstatt aber ein klares Wort zu sprechen, hat die Rittführung beschlossen sich hinten zu verstecken um den beiden eine „Lehre zu erteilen“ wenn sie sich nicht mehr auskennen. Georg und ich sollen das auch tun. Obwohl ich bisher versucht habe ruhig zu bleiben, bin ich jetzt fast gezwungen zu antworten. „Sorry, ich bin nicht im Kindergarten. Wenn du was von ihnen willst, sag es einfach“ Dieser Kommentar kommt genauso schlecht an, wie Georgs Ausführung über die Verantwortung und Aufgaben eines Rittführers. Vermutlich werden wir heute nicht die beliebtesten Reiter des Tages werden.

14264959_1729700790615203_274552295195495551_n

Zu allem Überfluss war der Zeitpunkt ziemlich schlecht gewählt, denn der Weg hat sich verengt. Da sie sicherstellen muss, dass die Brücke bereitbar ist, wäre es jetzt an der Zeit nach vorn zu reiten und das zu prüfen. Schwierig, wenn man sich eine Engstelle schafft und dann an allen Pferden vorbei muss, auch an denen die fremde Pferde nicht so nah hinter sich mögen. Irgendwann hat sie es dann geschafft und wir hören lautes Schimpfen, können aber dank Distanz und Dialekt den Inhalt nicht verstehen. Manchmal vielleicht auch besser so …

Wir sind dann irgendwann tatsächlich an der Brücke angekommen und weil wir gelernt haben, dass wir uns besser auf uns selbst verlassen, übernehme ich die Pferde, während Georg die Brücke prüft. Als er zurückkommt, kann er uns beruhigen. Sie ist relativ neu, stabil und mit hohem Geländer und somit sicherer wie manch andere Brücke die wir schon überritten haben. Soleo und ich sichern wie immer den Schluss unserer Truppe ab und so blockiere ich jetzt auch mehrere Mountainbiker, die nicht einsehen wollen warum sie nicht vorbei dürfen. Nebenbei bemerkt, ist dieser Teil der Strecke ausdrücklich als „Schiebestrecke“ ausgewiesen. Auf das wiederholte genervte „Warum können wir nicht einfach vorbei?“ muss ich doch die bekannt liebevolle, niederbayerische Art herausholen. „Weil i des gsogt hob!“ Ahhhh, vielleicht hat er nett nur nicht verstanden, denn jetzt ist er zwar immer noch genervt, bleibt aber brav stehen. Seine Mitfahrer auch und so überqueren wir alle sicher die Brücke.

Blöderweise können meine neuen Freunde auch nach der Brücke nicht an mir vorbei, weil der Weg immer noch so eng ist und müssen warten bis wir an eine Burg kommen. Es ist die Burg Fernstein in der Gemeinde Nassareith und hier gelingt es endlich uns zu überholen. Wir bedanken uns so überschwänglich für das Verständnis und die Geduld, dass sogar die Biker lachen müssen.

Wir reiten noch ein Stück und erreichen dann unseren Picknickplatz. Bei aller Kritik an vielen organisatorischen Punkten muss man eines jedoch anerkennen. Unser Trossfahrer macht den besten Salat den man sich vorstellen kann und schafft es jeden Tag uns mit einer neuen Variante zu überraschen. Generell ist das Picknick sehr schön organisiert und sogar an Kaffee wurde gedacht. Dieser Punkt beruhigt unsere Gemüter wieder sehr, zumal jetzt auch unser Koffeinpegel aufgefüllt ist und Georg und ich dadurch schon sehr viel friedlicher werden. Mir fällt auf wie sehr man sich über Dinge freut, die man als selbstverständlich hinnimmt, z.B. unsere Pferde, die brav angebunden am Baum stehen bleiben oder Patricias Traber Paul der gechillt neben ihr döst.

Am heutigen Zielpunkt findet ein Countryfest statt und ich denke, dass wir das nach den heutigen Streitereien gut brauchen können. So können sich alle wieder beruhigen und wir morgen entspannt von vorn anfangen. Vor diesen frommen Wunsch hat der Wanderreitgott jedoch noch eine Prüfung gesetzt die es in sich hat …

Im weiteren Streckenverlauf werden wir auf einen Reitweg kommen. Lt. Organisatorin perfekt zum Galoppieren. Ich bin mir nicht mehr sicher ob es 5 oder 7 km waren, es war auf jeden Fall lang. Siri’s Besitzerin möchte ihr Pferd verständlicherweise lieber schonen, damit sie morgen nicht wieder lahmt und deshalb beschließen wir die Gruppe zu trennen. 6 Reiter nehmen die Strecke im Galopp, wir bleiben bei ihr und es schließt sich noch eine Reiterin an, so werden wir zu 4 im Trab oder Arbeitsgalopp folgen. Als wir auf die Strecke kommen, stellen 2 weitere Reiterinnen fest, dass der Untergrund steinhart ist und sie deshalb auch lieber bei uns bleiben. Das bedeutet: 4 gehen voran, der Rest folgt.

dscn0533

Die Karawane der Ahnungslosen 🙂

Da wir den Weg nicht kennen, vereinbaren wir ein Treffen am Ende des Reitweges. So weit so gut. Der Boden ist sehr hart und wir gehen flotten Schritt. Alles kein Problem, alles in Ordnung. Bis zu dem Moment an dem wir am Ende des Reitweges ankommen. Denn hier ist niemand. Kein Reiter, kein Pferd, kein Hinweis, nichts.

Wir sind irritiert. Rechnen noch für einen Moment mit einem Versteck und stellen dann fest, dass es kein Scherz ist und wir tatsächlich irgendwo im nirgendwo stehen, keine Zieladresse haben, weder die Organisatorin noch sonst jemand telefonisch erreichen können und auch unsere Bitte nach Rückruf nicht erfüllt wird. Zufällig treffen wir auf ein Paar, dass die Reiter gesehen hat und uns somit die grobe Richtung weisen kann. Wir haben auf dem Weg noch einige Male das Glück auf hilfsbereite Passanten zu treffen. Je länger wir aber unterwegs sind, desto größer wird unsere Wut. Die Tatsache, dass noch immer keiner ans Handy geht, macht die Sache nicht besser. So habe ich mir einen organisierten Ritt nicht vorgestellt und so war auch noch keiner der vielen Ritte die ich bisher gemacht habe. Irgendwann erreicht die Reiterin, der ihr Sattel gebracht wurde, ihren Papa und der ist tatsächlich noch vor Ort. Er ist erleichtert von uns zu hören und fährt uns entgegen.

Unser Einlauf am Zielort, gleicht wahrscheinlich dem Einlauf der Gladiatoren. Auf den ersten Blick sehen wir, dass der Rest gut angekommen ist und bereits die Pferde versorgt hat. Es erfolgt keinerlei Begrüßung und auch sonst keine Reaktion auf das Geschehene. Ich kenne Georg viele Jahre, aber ich habe ihn noch nie so wütend gesehen. Mir fällt auf, dass er versucht seine Wut mit Beschäftigung abzubauen und ich bin überzeugt davon, dass noch nie ein Paddock so schnell und vor allem mit so tief versenkten Koppelpfosten errichtet wurde. Dann geht es ganz schnell irgendwie wie der Showdown in einem alten Western…

img_1245

Die Linedancer stampfen mit ihren Stiefeln im Takt der Musik und wir Wanderreiter stampfen auch. Allerdings nicht im Takt sondern es gleicht eher dem Stier vor dem Kampf. Einer aus der Gruppe kommt auf mich zu und ich bin kampfbereit. Er überrascht mich, als er von sich aus sagt, dass er die Aktion nicht in Ordnung fand und auf uns warten wollte. Allein konnte er sich nicht durchsetzen und ein Rückruf an die Organisation hätte wohl ergeben, dass sie weitergehen sollten. Die Organisatorin wollte uns abholen. Dazu hätte sie wohl an ihr Handy gehen sollen, oder? Ich erfahre außerdem, dass Unverständnis darüber herrschte, warum wir uns so anstellen. Das ist ein ausgewiesener Reitweg den kann man galoppieren. Ich weise darauf hin, dass dieser Begriff nur dafür steht, dass wir dort reiten dürfen und nichts über die Beschaffenheit des Bodens aussagt. Er zuckt die Achseln und schweigt. In der Zwischenzeit gibt es an der vordersten Front Tränen und Geschrei. Ich habe beschlossen mich tatsächlich komplett herauszuhalten und versorge lieber die Pferde. Letztendlich ist es Georg zu verdanken, dass sich alles wieder irgendwie beruhigt. Beim Abendessen kann man deutlich sehen, dass dies wohl eher ein oberflächlicher Frieden ist. Alle sitzen in Gruppen und es ist deutlich stiller als sonst.

light-574403_1920

Als ich endlich im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse, werde ich nachdenklich. Es ist faszinierend wie sehr solche extremen Situationen Menschen aneinander geraten lassen und wie sehr sie auch zusammenschweißen. Während ich darüber nachdenke höre ich den Regen auf das Dach prasseln und bevor ich einschlafe denke ich noch grinsend: „Na ja, zumindest haben wir keine Kaltblüter getroffen…“

Die Alpenüberquerung – Der 3.te Reittag

Heute liegt der bisher schönste und auch anstrengendste Reittag hinter uns. Nach dem Start mit einem tollen Frühstück, wartete schon meine neue Helferin auf mich…

Genauer gesagt stand sie mit ihren Gummistiefeln schon seit 6:30 Uhr bereit. Soleo bewies auch heute wieder, dass er trotz ausgebrochenem Pferd  das auf ihn zustürmte und der Tatsache, dass ihm gerade ein  kleines Mädchen etwas von geflochtenen Zöpfen  und rosa Schleifen erzählte, durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist.  😜

🦄

Allerdings gab es an diesem Morgen leider auch eine schlechte Nachricht. Ira’s Stute war es wohl gestern zuviel und deshalb fällt sie heute aus. So etwas ist immer traurig für alle. Bitter vor  allem auch für Ira, die wirklich diejenige in unserer Gruppe ist, die sich am besten vorbereitet hatte. So ziehen wir also heute mit 9 Menschen und 9 Pferden los und zumindest ein Teil von uns ist bedrückt. Wir hoffen, dass sich bis morgen eine Besserung einstellt und die beiden wieder dabei sein können.

Bevor wir zur heutigen Etappe starten, ertönt wieder das unvermeidliche Jagdhorn mit dem die Veranstalterin den Tag gern ein und manchmal auch ausläutet. Im Gegensatz zum ersten Tag, an dem alle Pferde das Tröten ziemlich erschreckend fanden, ignorieren es heute die meisten. Wir packen uns etwas zum Essen ein, denn heute gibt es steckenbedingt kein Picknick. Es sind viele tolle und vor allem lange  Trab-Strecken dabei und auch die Landschaft verändert sich zunehmend. Wir kommen heute sogar einmal auf eine Höhe von 1200 Metern und machen insgesamt 33 km.

dscn0306

Für mich persönlich ist die Begegnung mit den freilaufenden Rindviechern oder auch Weidevieh (wie der Fachmund sagt) das Highlight des Tages. Wir reiten durch ein großes Gatter an dem schon auf die freilaufenden Kühe hingewiesen wird und zugegeben bin ich etwas nervös. Ich weiß aus der Erfahrung der letzten Tagen, dass mein Pferd keine Angst vor Kühen hinter einem Zaun hat und auch dann ruhig bleibt, wenn die Youngster spielend auf uns zugaloppieren. Ich habe jedoch keine Ahnung wie er reagiert, wenn dieser Zaun nicht mehr zwischen uns ist und wir direkt durch die Herde müssen. Ein bisschen schade finde ich hierbei, dass die Frage nach dem richtigen Verhalten in solchen Situationen unbeantwortet blieb. Nach mehrfacher Nachfrage gab es zumindest die Auskunft „Durchreiten.“ – Ja, das wäre uns jetzt so auch klar gewesen und ist genau die fachmännische Auskunft die man braucht um neue Situationen zu meistern. Gut, dass eine ganz liebe Mitreiterin aus Österreich kommt und auf ihren Reitwegen sehr häufig Kühe sind. Also handhabe ich es so, wie ich es auch mit jedem meiner Schülern handhaben würde: Wir klemmen uns an ein erfahrenes Pferd und ich werde je nach Reaktion handeln.

Was soll ich sagen? Soleo zuckt nicht mal, sondern ist interessiert. Es ist wirklich der Hammer!!! Keine Sekunde gezögert und mein Stolz ist unsagbar groß. Wir stehen inmitten dieses Glockengeläutes und irgendwie finden die Kühe uns genauso interessant wie wir sie.

img_3580
Die Pause machen wir inmitten in einer Herde neugieriger Kälber und Kühe und diese sind zwar neugierig, aber auch vorsichtig im Umgang mit den Pferden. Nach dem Aufsteigen will ich es natürlich wissen und muss testen ob Soleo Rinder treiben kann. Der Versuch gelingt im ersten Anlauf und man sieht deutlich wie toll auch mein Pferd es findet, dass die Rinder vor ihm weichen. Schmeichelt definitiv seinem Ego 😉

Ganz nebenbei kann man auch ganz deutlich die unterschiedlichen Naturelle der Pferde erkennen. Apollo ist sofort im Angriffsmodus und hechtet mit angelegten Ohren auf die Kühe zu, während Soleo souverän und beherrscht bleibt und sie ruhig aber konsequent dorthin treibt wohin ich das will. Ich würde jetzt gern sagen „…wie der Herr so`s Gscherr“ aber das glaubt wieder keiner und darum bin ich einfach super glücklich über mein entspanntes Cowhorse.  😍

Unser nächstes Ziel an diesem Tag ist der Grenzübergang nach Österreich und hier vor allem die Tankstelle an der Grenze zu Österreich. Schließlich sind Georg und ich seit dem Frühstück ohne Kaffee und somit definitiv auf Koffeinentzug. Wer uns kennt, weiß das dies ein grausliger Zustand ist, vor allem für alle anderen…

Kaum angekommen werden die Pferde getränkt und die Angestellten der Tankstelle sind hier echt super und total hilfsbereit. „Wasser für die Pferde am Klo, Kaffee kriagts bei uns“ Für die Touristenbusse und Familien sind wir so exotisch wie Ausserirdische und es werden viele Bilder von unserer Gruppe gemacht, Es werden Kinder für Erinnerungsbilder auf die Pferde gesetzt und die Stimmung ist entspannt. Nicht zu vergessen: Der Kaffee ist super! 👍☕️☕️

Nach diesem Stopp geht es zur letzten Etappe des Tages. Mit Begleitschutz überqueren wir die stark befahrene Straße und traben dann im flotten Tempo das letzte Stück zum Tagesziel.

Wir freuen uns dort Ira und ihre Stute Siri zu sehen. Vielleicht war die unfreiwillige Pause ganz gut für Stute Siri (das Pferd mit der Kuhphobie) weil sie somit den Hardcore-Kuh-Test nicht machen musste. Dank unserer Fachfrau Katrin, bekam Siri am Abend noch den „Katrin-Spezial-Huf-Verband“ angelegt und wir hoffen alle, dass die beiden morgen wieder mit uns kommen können.


Nachdem die Paddocks aufgebaut und die Pferde versorgt sind, können wir an uns denken. Bei der Hotelsuche stoßen wir auf den Hinweis zum Jakobsweg und manchmal denke ich, dass wir auch irgendwie eine Art Pilgerweg gehen. Zumindest üben wir uns in Ruhe und Gelassenheit und das ist manchmal gar nicht so leicht, aber bevor ich abschweife, suche ich lieber das Hotel und gehe duschen. Schließlich wartet der riesige Löwenteller auf uns.

 

Ein aufregender Tag liegt hinter uns und ich bin sehr gespannt was morgen kommen wird. Morgen geht es Richtung Fernpass und somit auf zu neuen Abenteuern…

Die Alpenüberquerung – Der 1.te Reittag // Es geht los

Der erste Tag liegt hinter uns und wie uns unsere Reiseleitung gestern erklärt hat sind es jeden Tag 28 km die wir zu bewältigen haben. Mal kurze 28 und mal lange 28 km…

Heute waren es eher die kurzen 28, denn nach knapp 19 km und einer Reitzeit von 3 Stunden und 46 Minuten sind wir am ersten Ziel angekommen. Für den ersten Tag eigentlich eine gute Einführungsstrecke. Das ist also die Kurzzusammenfassung, jetzt die etwas ausführlichere Form 😉

Früh am Morgen, der Regen strömt – Und zwar so richtig. Ich putze im Regen und bin erleichtert dass er nachlässt als ich satteln muss. Unser Start ist etwas holprig, weil Soleo mal wieder den Spanier rauslässt. Na toll, wer hat keine Lust am Morgen mit einem tänzelnden Pferd durch die Gegend zu rennen? Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass ich nicht ganz unschuldig daran bin. Ich bin gestresst von der Arbeit angereist, habe schlecht geschlafen, hasse Regen und das habe ich wunderbar übertragen. Ihr wisst es ja: Die Pferde spiegeln uns 😉

Nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei und sowohl mein Pferd als auch ich selbst sind wieder die Alten. Manchmal braucht man einfach einen Freund an seiner Seite, der einen lang genug kennt um einen schnell wieder runter zu bringen und das Pferd gleich mit dazu zu. Danke Georg ! Es geht also los und wir lernen das links nicht immer links ist und manchmal auch rechts bedeuten kann, und auch für die Pferde ist es erst einmal Stress. Sie müssen in dieser neuen Gruppe ihren Platz  finden. Apollo, der in der Regel Gruppen mit Georg anführt, lernt an diesen Tag dass man tatsächlich auch hinten gehen kann. Mein Pferd hat sich sofort unsterblich in eine braune Stute verliebt und folgt gebannt ihrem Hinterteil. Dabei interessiert es ihn auch überhaupt nicht, dass die Dame seiner Wahl ihn zwar immer wieder anlockt, aber es nicht leiden kann, wenn er dann doch näher kommt  😂 Männer halt, fallen immer wieder auf die gleichen Tricks rein😂😂

Bis zur ersten Pause beruhigt sich aber die Situation und langsam findet jeder seinen Platz. Am Picknickplatz erwarten uns dann schon die Veranstalterin und unser Trossfahrer mit Getränken, Kaffee und leckerem Essen. Beim Weiterreiten schließt sich uns ein süßer Hund an und begleitet uns bis zur nächsten Station, also unserem Ziel. Den Besitzer interessiert das anscheinend nicht, aber weil wir nett sind,  sorgen wir trotzdem  dafür das er sicher nach Hause gebracht wird.

Nach der Ankunft werden erst mal Paddocks aufgebaut, die Pferde versorgt und dann bekommen wir noch eine Hofführung. Dabei verliebe ich mich unsterblich als mich etwas weiches anstupst…

Als alles versorgt ist, können wir endlich an uns denken und fahren in unsere Unterkunft. Ich will eigentlich nichts als eine heiße Dusche und etwas zu essen und beides bekomme ich hier. Und jetzt? Bin ich tot müde und wünsche euch einen schönen Abend und bis morgen…

Die Alpenüberquerung – Morgen geht es los

Es ist der Tag -1 und morgen früh geht es los.

Nach einem extrem stressigen Tag hat mich mein Schatz „angeliefert“ und wer wartet auf uns? Ein total entspannter und neugieriger Soleo, der zusammen mit Kumpel Apollo alles im Griff hat.


Neugierig verfolgen die beiden alle Neuankömmlinge und begrüßen sie lautstark. Nachdem alle eingetroffen sind, die Pferde versorgt und die Gespannfahrer aus Italien zurück sind, treffen wir uns alle zum ersten Kennenlernen.  Zum Auftakt die obligatorischen allgemeinen Hinweise. Es ist beeindruckend auf der Karte zu sehen, wie weit wir reiten werden und welche Route wir nehmen werden. Also mache ich jetzt Schluss für heute und bin gespannt auf alles was auf uns zukommt…

Plötzlich ist die Angst da…

Wenn Angst und Unsicherheit die Luft nehmen und das Reiten unmöglich machen, braucht man Hilfe. Ich befasse mich seit vielen Jahren mit dem Thema Angst und konnte in dieser Zeit vielen Menschen den Weg aus ihrer Angst zeigen. Aus diesen Erfahrungen habe ich 2008 den Kurs „Kick die Angst aus dem Sattel“ entwickelt. Dabei ist mir immer wieder klar geworden, wie individuell dieses Thema ist. Es gibt nicht „den einen Weg“, der für jeden anzuwenden ist, aber es gibt einen Grundstock, den man bei jedem legen kann. Diese Basis ermöglicht es jedem Reiter seine Angst zu besiegen.

In meinem Buch „Position & Care“ habe ich diese Bausteine zusammengefasst. Position & Care ist eine Mischung aus Hintergrundwissen, gezieltem Führtraining und dem Erstellen eines ganz persönlichen Fahrplanes.

Viel Spaß beim Lesen…

lesung1,

Verkrampf di net… // Der letzte Teil ;-)

Während ich immer noch total beeindruckt davon bin dass ich auf dem Berg bin vergesse ich doch total den Haken an der Sache…

Wenn man irgendwo rauf fährt muss man in der Regel auch wieder irgendwann runterfahren. Irgendwann beginnt in meinem Fall nachdem wir Beweisbilder gemacht haben. Wir fahren in überschaubaren Etappen ins Tal und immer wieder beweist mein Skilehrer dass er mich bremsen kann wenn ich wieder einmal vergesse das ich die Ski nach innen und nicht nach aussen drehen muss 😉

Foto 5x

Auf dem Weg nach unten verlässt mich die Kraft und auch hier kann ich mich wieder auf die perfekte Betreuung verlassen. Ohne großes Gerede nimmt Georg mich ein Stück im Tandem als Passagier mit und ich muss einfach nur stehenbleiben. Das letzte Stück fahre ich dann wieder selbst und als wir in den Jugend -Skizirkus einfahren ist auf einmal alles ganz leicht. Ich hätte nicht gedacht dass man an einem Tag soviel lernen kann!

Ich bin so unendlich stolz auf mich und todmüde…

Essen, duschen, in`s Bett fallen und schlafen zu mehr bin ich nicht mehr zu gebrauchen. Und irgendwie habe ich im Bett das Gefühl als wenn meine Beine immer noch skifahren würden 🙂

skihase-orstsschild-6831770

TAG 2

Am Sonntag wird erst einmal gemütlich gefrühstückt und die Eindrücke des letzten Tages verarbeitet. Der Muskelkater ist nur leicht an den Waden zu spüren, also bin ich bereit – bereit für Tag 2 als angehendes Skihaserl 😉

Heute gibt mir Georg die Möglichkeit alles noch einmal auszuprobieren (abgesehen von meinem Skilift-Stunt) Er korrigiert anfänglich noch und lässt mich dann alleine üben. Als die einfachen Sachen klappen trau ich mich wieder auf das längere Förderband, das mit dem unheimlichen Ausstieg… 😉

Und ich schaffe es, mein Bremsweg ist lang, das Aussteigen dürfte noch schneller werden aber ich schaffe es. Stolz steh ich auf dem Berg, der wahrscheinlich für versierte Fahrer eher ein „Bergerl“ ist und schau nach unten…

War das gestern auch schon so weit???? Und so steil??? Und wie bin ich gestern eigentlich von der Ausfahrt in die Position zur Abfahrt gekommen. Kurz stellt sich Panik ein und ich überlege sogar einige Sekunden ob es jemanden auffallen würde wenn ich die Ski einfach ausziehe und zu Fuß runtergehe. Aber dann siegt mein Kampfgeist. Ich habe es am Tag vorher geschafft – ich werde es auch heute schaffen!!! Also mal kurz den Superhelden in mir rausgeholt und tief durchgeatmet und los geht es…

superhero-534120_1280

…und es geht – und wie es geht…

Mein Plan steht, ich nehme mir vor so oft auf dieses Förderband zu steigen bis ich oben:

  1. Schnell und ohne Panik aussteige
  2. den Ausstieg sofort im Pflug runterfahre
  3. noch während der Fahrt die Kurve nach rechts einleite
  4. und ohne zu stoppen im Tempowechsel nach unten fahre
  5. WICHTIGSTES ZIEL: Beim Bremsen unten muss es dieses tolle Geräusch machen…

Was soll ich sagen? Es hat genau 26 Abfahrten gedauert…

Dann habe ich aufgehört und bin zufrieden und mit einem großen Grinsen nach Hause gefahren. Genau wie es mir mein Skilehrer vorhergesagt hat…

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an einen hervorragenden Lehrer:

Georg Göttl von der GS Schneesportschule

Foto 4

Er ist wirklich ein Skilehrer mit Leib und Seele und er hat an diesem Wochenende nicht nur einen soliden Grundstock  zum Skifahren gelegt sondern mir auch sehr viel über Anatomie und Biomechanik, Bewegungsabläufe und vieles mehr beigebracht. Bei all dem hatte ich unheimlich viel Spaß und in jedem Moment 100% Vertrauen. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön

http://www.gs-schneesportschule.de/

Foto 4

Ich werfe einen letzten Blick zurück und kaum zuhause mache ich schon den nächsten Termin aus, denn jetzt hat mich das Fieber gepackt…

Verkrampf di net… // Teil IV.

…aber der Tag ist noch nicht zu Ende denn blöderweise habe ich Georg von meiner Skilift-Panik erzählt. Mein gesamter Bekanntenkreis hat mir mit Freude Horrorgeschichten über Skiliftunfälle erzählt. Warum tut man sowas???? Als Anfänger findet man das nicht lustig, es steigert nur die Angst vor dem Lift…

ski-lift-582342_1280

Dieses Problem will mein Skilehrer erst gar nicht aufkommen lassen und so beschließt er wir nehmen jetzt den Almwiesenlift. Ach du Sch….. Mein Herschlag vervielfacht sich und ich bekomme spontane Schnappatmung – mein Feind der Lift und dann gleich soooooooo weit rauf. Oh Mann…

Ok, es geht los. Ich frage ihn gefühlte 200 x ob er das echt für eine gute Idee hält. Ja tut er, immer noch. Ich erzähle ihm auch nochmal alle meine Horrorgeschichten für den Fall dass er gar nicht weiß wie gefährlich das Ganze ist, aber er lächelt und schiebt mich zum Lift. Es geht los und wir fahren, ich kann es nicht fassen aber wir fahren tatsächlich. Und während ich so auf meine Ski runterschaue habe ich eine ganz, ganz tolle Idee…

ski-16221_1280

Ich finde das meine Ski nicht ganz gerade sind und versuche das zu korrigieren – während der Lift weiter zieht…

Ganz tolle Idee – Großes Kino…

Meine Ski überkreuzen sich, meine Beine noch mehr und schwups… schieße ich wie ein Katapult aus dem Skilift. Weil das aber noch nicht reicht schubse ich bei der Gelegenheit auch noch den armen Skilehrer aus dem Lift… Ich liege am Boden und muss schon fast lachen denn meine Ski stehen ordentlich im richtigen Abstand immer noch da wo ich abgesprungen bin und ich frage mich warum sie nicht vorher schon so schön gestanden sind?

Und mein Skilehrer? Sammelt mich ganz entspannt im Schnee auf biegt meine Skistöcke wieder gerade und ist immer noch total nett und ruhig anstatt mich mit dem Kopf voraus in den Schnee zu stecken. Noch mehr, er traut sich sogar das Ganze noch einmal mit mir auszuprobieren damit ich keine Angst mehr davon habe. Wir fahren also das Stück das wir schon geschafft hatten wieder runter und vor lauter Aufregung merke ich gar nicht das ich eigentlich schon ganz schön fahre 😉

almwiesenlift

2.ter Versuch: Erneut im Skilift und meine Hand krallt sich in den Oberarm von Georg, sorry ich kann nicht loslassen denn ich habe Panik. Und wir fahren und fahren und fahren und ich kann es nicht glauben wir sind gleich oben…

Ich bekomme noch Instruktionen wie wir das Gerät wieder verlassen und dann ist es auch schon so weit. Ich habe den leichteren Job, muss nur nach links wegfahren und das klappt dank Schubs von hinten ganz gut und dann stehe ich tatsächlich auf der ersten richtigen Abfahrt meines Lebens…

Foto 5

Verkrampf di net… // Teil III

Ich stehe auf der Skipiste und sehe ziemlich professionell aus…

Na ja, eigentlich stehe ich eher im Junior Skizirkus Mitterdorf, um mich herum laufen lauter Kinder und ich beneide sie gerade weil sie scheinbar alle keine Angst haben und irgendwie einfach fahren. Meine tolle Ausrüstung wird jetzt gleich nicht mehr darüber hinweg täuschen können dass ich noch nie in meinem Leben auf Ski gestanden bin, aber Skilehrer Georg geht es wie versprochen entspannt an. Wir beginnen mit einem Ski und ich übe zu gleiten, nach einem Beinwechsel und vielen Tipps schaffe ich es zu gleiten ohne meine Spur zu verlassen 😉 Wir steigern uns jetzt also auf 2 Ski…

Foto 1

Erst einmal ein ganz blödes Gefühl aber nach ein paar Übungseinheiten wird das sicherer, ich lerne wie ich seitlich einen Berg raufgehe und fahre zum ersten Mal mit einem Förderband, laut Prospekt auch Zauberteppich genannt 😉 Ich bin tatsächlich verzaubert, muss nur ein bisschen grinsen als ich vor mich schaue und die Schüler der gerade anwesenden Skikurse sehe. Sie gehen mir bis zur Hüfte. Eine süßes ungefähr 5 jähriges Mädchen dreht sich um, grinst mich breit an und meint: „…du musst keine Angst haben, die passen schon auf dich auf.“ Gut dann kann ja scheinbar echt nichts mehr passieren. Ich drehe meine Ski in die richtige Richtung und lerne von Georg was ein Pflug ist und das ich damit mein Tempo steuern kann. Ich bin fasziniert 🙂 Mein Skilehrer fährt rückwärts vor mir her, hat mich ständig im Blick und hilft sofort wenn auch nur die leichteste Panik in mir aufkommt. So kann sich diese gar nicht steigern und ich habe immer das Gefühl sicher zu sein… Wir probieren das ein paarmal aus und Georg hinterfrägt immer wieder wie ich mich fühle, ob alles ok ist und mit der Zeit wächst mein Selbstbewusstsein. Genau in diesem Moment wechseln wir zum nächsten Förderband das jetzt schon wesentlich größer ist…

junior-ski-zirkus-karte_hi

Die Auffahrt dauert schon mal wesentlich länger und es sind mehr Erwachsene dabei, das macht mich nervös. Ab der Mitte kann ich sehen dass der Ausstieg ganz anders ist. Ich bin geschockt – Georg reagiert sofort und erklärt mir die Technik und verspricht mir den Rücken freizuhalten. Aber der Ausstieg ist nicht das einzige Problem… Wie können die so einen steilen „Riesenberg“ da hinmachen den ich runterfahren muss und das auch noch schnell und bremsen soll ich auch und – kaum zu glauben aber wahr – da stehen auch noch Leute!!!! Wissen die nicht dass ich sie gleich über den Haufen fahren und damit ihren Skitag beenden werde????? Scheiße das blöde Geländer kommt rasend schnell auf mich zu und ich höre von hinten die Kommandos „…jetzt den rechten und jetzt setze nach und jetzt runter“ Ich bin heilfroh dass Georg gerade mein Gehirn übernimmt denn ich kann vor Angst nicht denken und dann „schieße“ ich im Pflug den Riesenberg von der Ausfahrt zur Piste….

Woah……. Ich habe gebremst 🙂 Kennt ihr den Film wo sich der Steinzeittyp so freut weil er Feuer gemacht hat???? Ich bin original in dieser Situation: ICH HABE GEBREMST

Hier seht ihr die mörderische Ausfahrt ;-) und dann könnt ihr sehen das es tatsächlich schon mal Strecke war die ich gefahren bin :-)

Hier seht ihr die mörderische Ausfahrt 😉 und dann könnt ihr sehen das es tatsächlich schon mal Strecke war die ich gefahren bin 🙂

Ich habe das wohl breiteste und blödeste Grinsen im Gesicht denn ich habe es geschafft, oder? Alle leben noch, ich stehe und neben mir mein Skilehrer der mich lobt. Wahnsinn….

Ich kann es nicht fassen, meine Freude kennt keine Grenzen bis Georg sagt „….und jetzt fahren wir runter“

Wie runter???? Ich fand das rauf toll und als Erfolgserlebnis reicht doch auch die Ausfahrt. Echt den Berg komplett runterfahren???? Hmmm, Georg grinst ganz nett und schafft es auch hier wieder mich so zu motivieren das ich losfahre. Was mich total beeindruckt ist das ich, der ständige Zweifler, jemanden spontan so vertrauen kann. Und so fahren wir los, er wieder rückwärts vor mir und es funktioniert. Ich kann es nicht fassen… Wir fahren tatsächlich den Berg runter, einen richtigen Berg… Wir machen das immer und immer wieder und ich lerne wie ich nach links und rechts fahre und vor allem immer wieder wie ich bremse. Er bläut mir eins immer wieder ein „…bleib ganz ruhig und tu was du gelernt hast“ So wird jedes Bremsen sicherer und das Vertrauen in mich selbst wächst…

Foto 5