Verkrampf di net… // Teil II

…ja was soll ich sagen?

Es war einfach nur der Hammer!!! Georg Göttl hat mich mit seinem Gesamtkonzept absolut überzeugt, mir die Angst vor dem Berg genommen und mir Lust auf`s Ski fahren gemacht – der nächste Termin ist schon vereinbart, aber ganz langsam und von Anfang an…

Samstag morgen um 06.00 Uhr – ich steige in mein Auto und fahre los. Neben mir hat gerade meine Panik Platz genommen und während der ganzen Fahrt nimmt sie mehr Raum ein. 😉 Aber egal ich fahre einfach weiter durch den strömenden Regen. Warum muss es in Strömen regnen wenn ich Ski fahren will? Etwas wieder ein Omen? Ok, in diesem Fall will ich nicht an Omen glauben und irgendwann kurz vor dem Ziel wandelt sich tatsächlich der Regen in Schnee. Die Landschaft wird weißer, nicht wie im Hochwinter aber weißer als in Niederbayern vermutet 😉

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Ich finde den Göttlhof sofort und der Chef Georg kommt mir auch schon entgegen. Mit seiner sympathischen offenen Art nimmt er sofort jede Scheu und irgendwie hat man sofort das Gefühl gut aufgehoben zu sein. Bei einem Frühstück mit der Familie gibt er mir erst einmal die Möglichkeit ruhiger zu werden. Auch sein Sohn Sebastian, dessen Frau Tanja und der Sonnenschein der Familie Julian sind offen und geben einem das Gefühl dazuzugehören. Wir lachen viel und so ganz nebenbei fällt mir auf dass die Panik wohl im Auto geblieben ist und nur noch die Aufregung dabei ist und die darf definitiv mit.

Zuerst wird mir dann die nötige Ausrüstung verpasst und ich bin überrascht wie viel Wissen nötig ist um die richtigen Skischuhe zu bekommen, das mein Schienbeinkopf ausgemessen wird damit die Bindung eingestellt wird und unzählige andere Kleinigkeiten. Nach Georgs Motto „Jeder Schelm braucht einen Helm“ werde ich auch noch mit dem passenden Helm ausgerüstet und dann kann es losgehen.

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Verkrampf di net… // Teil I.

Ich weiß nicht wann mich der Wahnsinn überkommen hat. Es war irgendwann zwischen Weihnachten und Silvester, es lag Schnee und in meiner tropisch beheizten Wohnung sah der Schnee echt schön aus 😉

Ich sollte auch Wintersport machen – gesagt, getan und erstmal gegoogelt. Langlaufskating erschien mir optimal, das wirkt relativ sportlich aber ich muss nicht in den Abgrund rasen, denn ich habe Angst vor dem Berg.

Ok, eher davor dass ich das mit dem Bremsen nicht drauf habe und als erste Schneelawine des Jahres die bayerischen Berge runterschieße…

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Also habe ich angefangen zu suchen und bin fündig geworden bei einer Skischule im Bayerischen Wald. Der Chef war mir auf Anhieb sympatisch weil er im Sommer Wanderritte veranstaltet. Das musste ein Omen sein und bei dem Unterfangen „Ich mag den Winter vielleicht doch“ muss man definitiv jedes Omen positiv deuten. Skilehrer Georg ist dann aber der Meinung dass es doch äußerst sinnvoll wäre wenn ich Alpin lerne, zumal mein Freund ja auch Alpin fährt. Hmmmm, das hat eine gewisse Logik die ich nicht abstreiten kann. Zumal Langlaufskating für meine kaputten Kniegelenke auch nicht so toll sein soll. Ich bin immer noch der Meinung dass er meinen Unterricht nur deshalb übernommen hat, weil er jetzt schon weiß das er etwas zum Lachen haben wird 😉

Ich bin in Niederbayern aufgewachsen und hier ist man im Niemandsland – bergtechnisch gesehen. Warum muss ich mich also jetzt mit sowas auseinandersetzen? Ach ja, weil ich ja auf einmal den Winter mag und sportlich bin 😉

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Ok, ich habe es gebucht und nachdem mir der Skilehrer Georg schon per WhatsApp Nachricht mitteilt dass ich mir „net de Wadeln obscheißen“ soll, packe ich meine Sachen um morgen zum ersten Skiurlaub meines Lebens aufzubrechen. Mit bei mir meine nagelneue Skijacke, meine sündteure Pudelmütze und die überaus hässlichen aber lt. Verkäuferin unverzichtbaren Moon-Boots. Ich erwähne jetzt nicht dass mein geliebter und immer fürsorglicher Freund einen Lachkrampf bekommen hat als ich ihm diesen überaus wichtigen Kauf vorgeführt habe, denn er hat solche Dinger – die anscheinend alles für den gut vorbereiteten Skifahrer bedeuten – nicht 😉 Ich denke jetzt nicht weiter darüber nach und bin froh und dankbar dass es nicht noch mehr gab das die Verkäuferin loswerden wollte. In meiner Unwissenheit hätte ich mir auch noch ein rosa Tütü besorgt wenn das meine Kurventechnik verbessert.

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Mein ganzes Leben habe ich mich gefragt wie man schon seit Oktober nervös werden kann und den ersten Schnee kaum erwarten kann und um ehrlich zu sein hege ich tief in mir drin noch die Hoffnung auf entspannte und plötzlich auftretende 30 Grad die alles zum Schmelzen bringen und mir einen sauberen und „unschuldigen“ Ausweg aus dem Ganzen ermöglichen. Der Skilehrer hat meine Hoffnungen allerdings gerade mit einem Satz zunichte gemacht: „Super-Schneeverhältnisse“

Ok, ich bin bereit und morgen früh geht es los und zumindest werde ich verdammt gut aussehen wenn ich nach 1000 Jahren im Eis wieder gefunden werde und ich hoffe das ich dann auch die stylischen schwarzen Lackmoon-Boots anhabe und die Menschen werden dann sagen „…ja die brauchte man damals um im Winter zu überleben!“

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Die Heimfahrt – Zeit zum Nachdenken oder auch – ein bayerisches Herz blutet…

Eigentlich wollte ich am „sehr“ frühen Morgen losfahren, aber meine Maria bestand auf einem letzten Frühstück und so stieg ich nach einer herzlichen Verabschiedung in mein Auto und brach auf in Richtung Deutschland. Punkt 08.00 Uhr fuhr ich los und es war zu dieser Zeit schon sehr warm. Sehr zur Freude meiner neuen Kühltasche – denn am Vortag hatte ich noch einen Supermarkt leer gekauft. Meine ganzen Einkäufe hatte ich vorsichtshalber gleich im Auto gelassen, damit Maria nicht denkt dass wir in Deutschland eine Hungersnot haben 😉

letzter Kaffee

Während der Fahrt wurde mir wieder einmal bewusst wie gut es auf italienischen Autobahnen mit dem Tempolimit klappt und es drängt sich sofort die Frage auf warum so etwas bei uns nicht funktioniert? Übrigens sind die einzigen Drängler tatsächlich Deutsche oder Österreicher, das liegt vielleicht auch daran dass die Italiener wissen wie teuer der Spaß ist 😉

Bis zur Mautstelle Sterzing kam ich ziemlich gut voran und dann war ich mittendrin – viele, viele Kilometer Stau und es ist heiß – richtig heiß… – Der Vorteil am Stau ist definitiv der, dass man Dinge sieht die einem nie aufgefallen sind. Zum Beispiel die Seilbahn die man von der Autobahn aus sieht  und mit der ich unbedingt irgendwann einmal fahren will oder kleine Burgen die an der Seite stehen.

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Da irgendwann sowieso gar nichts mehr ging, fuhr ich bei der nächsten Raststätte raus um nochmal einen Caffè zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen und da bekam ich einen Schock der mein niederbayerisches Herz bluten ließ…

Also vielleicht muss man vorausschicken das ich ein waschechter Bayer bin – überzeugt und patriotisch und auch in Bagno meiner Gastmama die Wichtigkeit von König Ludwig erklärt habe (das hatte zur Folge dass eine kleine Fahne mit seinem Bild jetzt auf dem Wohnzimmerschrank steht 😉  ) Also als echter Bayer freut man sich wenn man nach einem Urlaub und somit einer gewissen Abstinenz zum ersten Mal wieder das Wort Leberkäs auf der Speisekarte lesen kann – auch dann wenn man ihn gar nicht so oft isst – aber wenn man dann die Frage hört „Mit Senf, Ketchup oder Majo“ !!!!!!!!!!!!! Da stellten sich mir sämtliche Nackenhaare auf und man konnte das blanke Entsetzen in meinen Augen sehen! Man kann doch keinen Leberkäs mit Majo essen??? Also bei Ketchup wird es ja schon schmerzhaft – aber Majonäse??? Ich habe mich also lieber für ein Panino mit Prosciutto crudo und Pecorino entschieden und bin einfach wieder zum Auto gegangen.  Allerdings hat mich das Thema auch zuhause noch beschäftigt – solange bis mich mein Freund darauf hingewiesen hat dass es auch bei uns Leute gibt die echte italienisch Pasta mit Ketchup essen und dass das auch nicht wirklich besser ist und da musste ich ihm leider recht geben…  😉

Nach meiner kurzen Pause ging es wieder im Schritttempo auf die Autobahn und ich hatte kurz vor der Mautstelle Gelegenheit die Beamten der Guardia di finanza zu beobachten. Also mal ganz ehrlich, – die sahen alle aus als wenn sie bei „CSI Italy“ mitspielen würden. Wo haben die nur so viele gut aussehende Polizisten her? Nachdem einer davon allerdings einen Motorradfahrer angebrüllt hat – der nach der Mautstelle ganz entspannt mittig stehengeblieben ist um seine Sachen zu verstauen – habe ich beschlossen dass die nicht nur gut aussehend sondern auch ziemlich furchteinflössend sind und ich deshalb entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten keine dummen Witze machen werde 🙂

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Um 18.30 Uhr hatte ich es dann endlich geschafft…

Wieder zuhause wo meine Familie schon auf mich gewartet hatte. Und was soll man sagen? Bayern ist schon auch schön und „dahoam is hoit dahoam“

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Resümee? Wie gesagt, ich denke es war einer meiner besten Urlaube und ich werde das auf jeden Fall wiederholen. Ich habe sehr viel italienisch gelernt, wertvolle Menschen kennengelernt und gemerkt dass ich auch allein sehr gut klar komme 🙂 Sogar dann wenn mein Navi mitten in der größten Wildnis anfängt neu zu berechnen 😉

Abschied von Bagno…

Der Abschied von Bagno fiel mir definitiv schwer…

Das Leben, die Menschen, das ganze Lebensgefühl – es war ein Ort an dem man sich sofort zuhause fühlt. Ein Ort an dem man mit den Einheimischen in der Bar sitzt und sich nach dem 3.ten Espresso einfach kennt. Ein Ort an dem man sich gegenseitig die Tageszeitung in die Hand drückt, solidarisch beim Fußball mitfiebert und das Gefühl hat schon ewig dort zu sein. Vielleicht ist auch die Tatsache, dass es sich um ein kleines Dorf handelt in dem jeder wirklich jeden mindestens 2 x am Tag sieht ziemlich förderlich um Kontakte zu schließen 😉

Im Vorfeld hatte ich ja einen Artikel gelesen in dem die Autorin erzählt, dass es hier auch immer wieder zu Beziehungen und Ehen zwischen den Einheimischen und den Studenten/innen gekommen ist aber keine Angst hier wird man nicht angesprungen und auf der Stelle geheiratet 😉 Obwohl es ein schöner Ort wäre um dort zu leben…

Bagno ist, wie viele andere kleine Dörfer in Italien, von der Wirtschaftskrise betroffen und so haben nicht mehr alle Geschäfte jeden Tag bis spätabends auf. Nachvollziehbar – vor allem an den Tagen an denen nicht so viele Kurgäste die Thermalbäder nutzen und man nur ein paar vereinzelte Studenten der Sprachschule oder einige ältere Leute bei ihrem Caffè sitzen sieht. An den beiden Markttagen ist das Dorf dann aber wieder voll mit Menschen und man hat die Möglichkeit sich überall zu unterhalten. Persönliche Gespräche werden hier generell groß geschrieben. Die Menschen sind offen und bereit sich die Zeit zu nehmen die es braucht um auch Anfänger die richtigen Worte zu finden.

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Ganz besonders schön war auch der letzte Abend mit Karin und Marlies in „unserer“ Bar in der sich mein Lieblingskellner noch mit dickem Baccio verabschiedet hat. Jeden Morgen hat er mir nicht nur meinen Caffè gebracht sondern auch immer eine Lektion in der italienischen Konversation 🙂 Ich werde auch nie vergessen wie glücklich er war als ich bereits am zweiten Tag einen Caffè bestellt habe und keinen Espresso 😉

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Maria war stolz wie eine Mama auf jedes meiner italienischen Wörter und wurde nicht müde jedem zu erzählen wie sehr ich mich verbessert habe. Generell würde ich jedem empfehlen die Möglichkeit einer Gastfamilie zu nutzen. Die Erfahrung in der Familie zu leben, zu essen und sich am Tagesgeschehen zu beteiligen ist unbezahlbar. In keinem anderen Urlaub kann man soviel über das Land und die Menschen lernen. Man ist Teil einer Familie und gehört deshalb für die Nachbarschaft genauso dazu wie jeder andere Besuch auch und man lernt nicht nur italienisch zu sprechen sondern auch italienisch zu leben…

Eine wunderbare Erfahrung die ich nicht missen möchte und tatsächlich vermisse ich „meine“ Familie und werde auch weiterhin den Kontakt halten…

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Edle Wäsche und gutes Essen….

Wie der Titel schon sagt, in Italien dreht sich alles um die schönen Dinge des Lebens 😉

Wer Urlaub in Bagno di Romagna oder Umgebung macht sollte deshalb unbedingt einen Abstecher zum Outlet von La Perla machen. Der Schulleiter Cesare hat uns dafür sogar eine Skizze gemacht 🙂 Der Outletshop ist anscheinend für Italiener ein Ausflugsziel und so findet man hier die gesamte Familie inklusive Nonna und Nonno zwischen zarter Spitzenwäsche stehen 😉

Der Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall weil es hier qualitativ absolut hochwertige Wäsche zu unschlagbaren Preisen gibt – Karin und ich waren die letzten Kunden die beladen mit großen Einkaufstüten den Laden verlassen haben 🙂 Keine Angst, wir haben noch etwas im Laden gelassen 🙂 

 

Abends stand dann das erste Abschiedsessen an und Edgar und Arlett aus der Schweiz führten uns in ihren Geheimtipp in San Piero die Bagno. Hier stehen der Besitzer, seine Frau und die 80jährige Mama in der Küche und das Essen ist umwerfend gut…

Viele Bilder und noch viele Geschichten werden folgen – aber jetzt muss ich mich erst einmal vom Team der Scuola verabschieden.

 

Eine wunderschöne Zeit geht zu Ende und ich bin dankbar für alles was ich hier erleben durfte. Für die Menschen die ich kennengelernt habe und die Erfahrungen die ich sammeln konnte…

Ci vediamo

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Come passa il tempo…

…es ist Freitag und ich habe soeben die letzte Unterrichtsstunde beendet. Es ist mir unbegreiflich wie schnell die Zeit hier vergangen ist. Silva hat ein letztes Mal meine Hausaufgaben kontrolliert, ein letztes Mal habe ich mio pranzo in der kleinen Bar eingenommen aber mit Sicherheit war ich nicht zum letzten Mal in Bagno di Romagna…

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Die Besitzerin der Bar Marina hat zum Abschied molto dolce gebracht und das war wieder eines der Dinge die mich hier sprachlos machen und die mich berühren. Die Freundschaften die entstehen gehen immer ein bisschen über normale Bekanntschaften hinaus. Das mag daran liegen dass die Hauptsaison vorbei ist und man mehr Zeit für die Gäste hat, aber diese zuvorkommende Art zeichnet generell Bagno und seine Bewohner aus.

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Da ich immer wieder Probleme mit dem Internet hatte, fasse ich euch jetzt noch einmal zusammen was die letzten Tage noch so passiert ist. Also eins vorweg – keine großen Katastropen aber ständig Regen und es war auch nicht wirklich warm. Vielleicht wärmer als in Deutschland aber nicht wirklich warm…

Am Mittwoch hat die Scuola Palazzo Malvisi einen Ausflug zum Agritourismo Cisina organisiert. Agritourismo steht für eine Art „Urlaub auf dem Bauernhof“. Die Betriebe befinden sich mitten in der Natur und dürfen nur verkaufen was sie herstellen, ich denke dass eventuell auch Produkte aus der Region angeboten werden dürfen z.B. Wein.

Für uns wurde ein Essen mit allen typischen Gängen aufgefahren dass einfach nur perfekt war.

L’aperitivo: Ein typischer Aperitiv der nicht zwangsläufig alkoholisch sein muss 🙂

L’antipasto: Die Vorspeise, hier gibt es typische lokale Spezialitäten

Il primo piatto: Das „primo“ ist zumeist ein Nudelgericht, Risotto oder auch eine Suppe.

Il secondo piatto: Der „secondo“ ist dann der Gang für alle Fleisch-, Fischesser… Beilagen müssen extra dazu gewählt werden und bestehen in der Regel aus Gemüse und Salaten.

Il dolce / formaggio: Mein persönlicher Lieblingsgang 😉 Hier gibt es typische italienische Süßspeisen oder auch Obst / Obstsalat „macedonia“

l Caffè (Espresso) / Grappa: …und natürlich muss man ein gutes Essen mit einem guten Caffè und einem Grappa abschließen


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Das Essen war absolut perfekt organisiert und die Stimmung ungezwungen und fröhlich. Diese Veranstaltung ist – wie jede Veranstaltung der Schule – absolut zu empfehlen!

Am Donnerstag waren wir dann zur Weinprobe bei Tenuta Casali und hatten eine sehr interessante Führung. Der Inhaber spricht sehr deutlich und langsam und so ist es tatsächlich für jeden möglich seinen Ausführungen zu folgen. Die Firma ist seit vielen Generationen in Besitz der Familie und der Besitzer ist sehr stolz darauf, dass seine Tochter sogar in Kalifornien war um den Weinbau dort zu studieren. Die Weinprobe ist sehr interessant und im Anschluss hat man die Möglichkeit Wein zu kaufen. ABER man fühlt sich nicht gedrängt und nicht verpflichtet und hat auch nicht das Gefühl auf einer Kaffeefahrt zu sein die man ohne zwei Heizdecken nicht mehr verlassen darf. Im Gegenteil, alles ist sehr zurückhaltend und angenehm.

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Aber das war noch nicht alles, aber dazu gleich mehr 😉

Die zweite Woche…

Die zweite Woche beginnt nass und mit einem Donnerschlag…

In der Nacht von Sonntag auf Montag tobt ein heftiges Gewitter über Bagno und der Regen ist auch am Montag noch da. Durch das Gewitter hat es  extrem abgekühlt und man kann sich kaum vorstellen, dass man nur 2 Tage vorher noch im Meer baden war.

Ich bin ziemlich froh dass ich mir Stiefel für den Herbst gekauft und die warme Jacke von meinem Freund im Auto hatte, denn mir ist kalt. So mache ich mich heute also etwas später auf den Weg zur Schule, denn am Montag kommen immer die neuen Studenten und müssen ihren Einstufungstest absolvieren. Ich bin gespannt welche Menschen mich in dieser Woche erwarten und lerne gleich ein nettes Ehepaar aus Schweden mit einem süßen Hund kennen. Außerdem sind wieder nette Studenten aus Amerika, der Schweiz und Deutschland eingetroffen.

Nachdem der Test ausgewertet wurde kommt Silva zu mir und wieder einmal beweist sich wie flexibel und entgegenkommend diese Schule ist. Da die einen zu wenig und die anderen zuviel können bekomme ich das Angebot in der zweiten Woche Einzelunterricht zu erhalten. Die Stundenanzahl verkürzt sich auf 3 Stunden täglich und ich bekomme zusätzlich Aufgaben die ich im Selbststudium zu erledigen habe. Natürlich sage ich zu, denn wo sonst hat man die Möglichkeit so intensiv zu lernen?

Der erste Schultag kann also beginnen und Silva wird für diese Woche meine insegnante sein. Es dauert auch nur den ersten Tag (bzw. die ersten 3 Stunden) bis wir uns aufeinander eingestellt haben. Der Unterricht bei Silva ist tatsächlich die Fortgeschrittenenvariante weil sie konsequent italienisch mit mir spricht und so bin auch ich gezwungen immer italienisch zu sprechen und merke bereits am 2.ten Tag wieviel mir das bringt. Mein Wortschatz erweitert sich täglich aber natürlich ist auch meine Selbstdisziplin gefragt.Während dem Unterricht schreibe ich alle unbekannten Wörter mit und übersetze sie mir am Abend. Ab Dienstag arbeiten wir dann an der Vergangenheit und ich kämpfe mich taper durch Passato Prossimo und Tempi dal Presente und lasse mich von den Preposizioni in den Wahnsinn treiben 🙂

Aber ich muss auch sagen, dass ich beim nächsten Kurs generell diese Unterrichtsart wählen werde. Die Intensität und die individuelle Betreuung ermöglicht enorme Lernerfolge…

Jetzt muss ich aber für heute schließen denn es steht ein Ausflug an.

„Cena con la scuola all`agriturismo“

Also buona serata und buon appetito…

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San Marino oder „Karin im Schuhparadies“

Kurz nachdem wir San Leo verlassen hatten war der Regen schon vorbei und wir waren bei strahlendem Sonnenschein unterwegs nach San Marino. Der Weg führte uns über enge Serpentinen und mehr als einmal waren wir uns nicht wirklich sicher ob wir nicht irgendwo ein Schild übersehen haben 😉 Mein lebendes Schweizer Navi hatte aber immer den Überblick und so haben wir am späten Nachmittag San Marino erreicht.

Wir hatten uns ganz bewusst dafür entschieden jetzt keine weitere Besichtigung zu starten, sondern den Tag mit ein bisschen bummeln und einem guten Essen abzuschließen. Neben zahlreichen Schmuckgeschäften gibt es in San Marino natürlich auch Schuhgeschäfte und – wen wundert es wirklich – ich musste natürlich mal „kurz“ in den Laden um mich von sämtlichen namhaften Schuhdesignern inspirieren zu lassen. Und siehe da – nachdem Karin zuerst noch edle Turnschuhe probiert hatte, konnte ich sie tatsächlich überreden High Heels zumindest einmal zu probieren 🙂 Unglaublich sie gab mir sogar recht dass man in den richtigen Schuhen sehr gut gehen kann und noch unglaublicher sie hat sich tatsächlich dazu hinreißen lassen ihr erstes Paar High Heels zu kaufen 🙂

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Und ganz ehrlich – ganz egal was Karin jetzt sagt, aber auf dem zweiten Bild sieht man wie glücklich Frau sein kann wenn sie Schuhe kauft und vor allem dann wenn es gleich 3 Paar Schuhe sind 🙂

Ich persönlich bin ganz brav bei einem Paar geblieben… Ja, da staunt ihr 🙂 Und so ist passiert woran wahrscheinlich nicht mal Karin geglaubt hat, sie hat tatsächlich mehr Schuhe gekauft als ich.

San Marino hat definitiv viel zu bieten: Kultur, Museen und auch viele witzige Sachen wie das Museum der Kuriositäten oder das Museum der Vampire…

Die wenigen Stunden die uns noch bis zur Heimfahrt blieben wollten wir einfach nur genießen. Ganz zufällig konnten wir die Wachablösung beobachten und haben dann in einem netten kleinen Lokal hoch oben ein wunderbares Essen genossen und einen unbeschreiblich schönen Sonnenuntergang beobachtet…

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Der Heimweg hat sich noch ziemlich witzig gestaltet 🙂 Nachdem wir festgestellt haben, dass computergesteuerte Toiletten ziemlich gewöhnungsbedürftig sind 😉 waren wir uns auch nicht mit meinem Navi einig und nicht nur ich brauche einen Italienischkurs sondern auch mein Navi… Die Aussprache der italienischen Straßennamen ist noch ein bisschen verbesserungswürdig und sorgte immer wieder für viel Spaß.

Fazit dieses Tages? Es ist nicht wichtig woher man kommt und wer man ist, wichtig ist die Bereitschaft auf Menschen zuzugehen und sie so zu nehmen wie sie sind. Es ist nicht wichtig wie sich jemand kleidet oder wie er lebt, weder Haut- noch Augenfarbe oder Nationalität zählen. Hohe Schuhe – flache Schuhe, kurze Haare – lange Haare, tätowiert oder nicht: Das alles ist unbedeutend und wir sollten uns statt dessen eine ganz andere Frage stellen:

Macht es das Leben nicht erst interessant wenn man sich mit Menschen unterhalten kann die andere Ansichten haben? Menschen die ein anderes Leben führen und die einem Einblicke in ihr Leben gewähren? Andere Ansichten zu hören die einen vielleicht auch dazu bewegen über den Tellerrand zu schauen? Und vielleicht trägt diese Bereitschaft zur Offenheit und Weitsicht ein bisschen dazu bei Menschen als Individen und sich sich die Mühe machen zuzuhören und alles was im Leben passiert als eine Bereicherung zu sehen. Es lohnt sich auf jeden Fall…

In diesem Sinne – buona giornata…

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San Leo e San Marino…

Es ist Sonntag – domenica – und Bayern hat sich mit der Schweiz zusammengetan um einen Ausflug zu machen. Weil Maria jeden Tag so liebevoll für mich sorgt wollte ich ihr einen freien Sonntag gönnen und habe versucht ihr am Samstag zu sagen, dass sie kein Frühstück für mich machen muss. Maria war kurz vor der Ohnmacht! Ich könne doch nicht ohne einen Caffé e un collazione aus dem Haus gehen 🙂 Also war sie schon morges auf um mich mit Frühstück und Sicherheitshinweisen zu versehen. Das morgendliche Gespräch dehnt sich immer mehr aus, wir sprechen über aktuelle Themen und auch über unsere privaten Belange. Es macht Spaß und meine Lieblingswörter sind definitiv ma und perche 🙂

Über kleine verschlungene Straßen geht es nach San Leo, una piccola citta in der Provinz Rimini.

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Wir genießen erst das geschäftige Treiben in einer kleinen Bar und machen uns dann auf dem Weg zur Burg von San Leo. Die Kirchen meiden wir heute weil weder ich mit kurzem Rock noch Karin mit kurzer Hose „kirchentauglich“ angezogen sind DSC_0072😉

 

Da ich euch jetzt nichts über meine umfassenden geschichtlichen Kenntnisse vormachen will zitiere ich hier ganz offiziell Wikipedia:

Festung San Leo

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Festung San Leo

Die eindrucksvolle Festung oberhalb von San Leo liegt weithin sichtbar auf einer Höhe von 600 Metern. Sie besitzt einen ungefähr dreieckigen Grundriss mit zweiflügeligem Gebäudekomplex am steilen Abhang des in römischer Zeit als Mons Feretrius benannten Stadtberges; die gegenüberliegende Seite wird von zwei mächtigen Rundtürmen aus der Renaissance geschützt. In römischer Zeit soll auf der Felskuppe von San Leo ein Tempel für den Gott Iuppiter feretrius gestanden haben. Den Ausbau zur ursprünglich viereckigen Festung (am Bergabhang stürzte ein Teil der Burganlage in den Abgrund) unternahm im späten 15. Jahrhundert der Architekt Francesco di Giorgio Martini aus Siena nach dem Willen des Herzogs von Urbino, Federico von Montefeltro, und schuf so eine praktisch uneinnehmbare Festung.

Seit dem 18. Jahrhundert diente die Festung von San Leo dem Vatikan als Kerker. In den Jahren 1791 bis 1795 verbrachte hier als berühmtester Gefangener der Alchimist, Arzt und Freimaurer Giuseppe Balsamo, besser bekannt unter dem von ihm selbst erfundenen Namen Graf Alessandro Cagliostro, vier Jahre qualvoller Haft, nachdem er von der Heiligen Inquisition wegen Ketzerei zum Tode verurteilt und seine Strafe von Papst Pius VI. (1775-1799) in lebenslange Haft umgewandelt worden war. Er starb am 26. August 1795 in einem engen, als „pozzetto“ (italienisch Brunnen) bezeichneten Verlies der Festung. Diese ist heute ein Museum: Zu besichtigen gibt es neben alten Möbelstücken und Waffen (vom Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg) einen Folterkeller mit den einschlägigen Folterwerkzeugen und die Zelle, in welcher der angebliche Graf Cagliostro bis zu seinem Tod einsaß. Der Hochstapler und Alchimist starb wohl an der Syphilis; ein Mordanschlag seiner Wärter ist unwahrscheinlich.

Absolut beeindrucken und unfassbar schön ist der Ausblick den man von jeden Winkel der Burg aus hat. Diese Weite und diese Ruhe sind wunderschön und so beeindruckend. Manchmal braucht es so wenig um einem einfach Ruhe und Zufriedenheit zu finden…

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Die oben beschriebenen Folterwerkzeuge lassen nachdenklich werden. Ich finde es sehr erschreckend wie „krank“ die Leute zu jeder Zeit waren. Wieviel Mühe und Aufwand sie investiert haben um andere Menschen zu verletzen. Es ist das eine diese Dinge zu sehen und die Wirkungsweise zu erfahren und das andere sich vorzustellen das tatsächlich Menschen darunter leiden mussten… Wie um das zu bestätigen beginnt es draussen furchtbar zu donnern…

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Wir machen uns langsam auf den Weg und Karin hat ihren Heidenspaß dran dass mir die Füße weh tun weil ich flache Schuhe anhabe – später an diesem Tag werde ich noch meinen Spaß haben weil sie hohe Schuhe anhat, aber dazu später mehr..  😉

Wir schaffen es genau bis zum Auto dann setzt ein kurzer Regen ein – uns ist das egal weil wir über wunderschöne Straßen schon unterwegs zum nächsten Ziel sind – San Marino

 

Il mio primo fine settimana…

Habe mich total gefreut dass es so vielen aufgefallen ist, dass ich am Wochenende nichts geschrieben habe – das bedeutet ja auch dass ihr tatsächlich verfolgt was hier in Bella Italia passiert 🙂

Wie euch der Titel schon sagt, geht es jetzt um mein erstes Wochenende hier. Ich wollte ganz bewusst alleine etwas unternehmen um festzustellen wie weit ich tatsächlich mit meinem Italienisch komme. Also bin ich am Samstag nach dem Frühstück zum Markt in Cesena aufgebrochen. Bis Cesena kein Problem ich habe ja ein Navi, dann immer Richtung Centro weil ich der Meinung war der Markt müsse zentral liegen. War auch absolut richtig, da ich aber irgendwann keine Ahnung hatte wo ich genau hinfahren muss, bin ich einfach stehen geblieben und habe auf der Straße nachgefragt. Ja, ihr habt richtig gelesen und für die witzigen unter euch – nein ich habe keinen Deutschen gefragt. 🙂 Die Signora hat mich tatsächlich auf Anhieb verstanden und noch besser: Ich habe sie perfekt verstanden und war ein paar Minuten später auf dem Markt. Mein Vorsatz war es kein einziges Mal auf englisch oder deutsch zurückzugreifen. Auf dem Markt waren auch auffallend wenig Deutsche und ich fing langsam an mich an die Sache ranzutasten – wo macht man das besser als bei einem Stand für Handtaschen? Nachfragen ob es die in einer anderen Farbe gibt oder auch eckig und nicht rund und siehe da es funktioniert. Sicher muss ich noch manchmal mit „eh“ aushelfen aber anscheinend war ich durchaus zu verstehen. Ok, also weiter zum nächsten Thema in dem ich mir zumindest in Deutsch ziemlich sicher bin – Schuhe 😉

Also die Frage ob es die in meiner Größe gibt ist ja noch ganz einfach, aber dass ich Schuhe mit Absätzen will und welche die vorne geschlossen sind war dann schon eine Herausforderung die ich aber ohne Probleme erledigt habe. Ihr seht die 2 Paar Schuhe und die 3 Handtaschen wurden nur aus rein studientechnischen Gründen angeschafft – das hat nichts mit Ossessione zu tun 😉

Ok, nachdem alles so gut geklappt hatte wollte ich noch unbedingt ganz bestimmte Espressotassen und die passenden Piattini kaufen und hier hat sogar das handeln geklappt 🙂  Nachdem ich den Markt gut gemeistert hatte, ging ich noch eine Kleinigkeit essen, habe nach den Zutaten im Obstsalat gefragt und zum Abschluss schon ganz automatisch meinen Caffè getrunken… 

Da ich mir vorgenommen hatte einmal an`s Meer zu fahren nutzte ich das geniale Wetter und folgte strikt dem braunen Schild mit der Aufschrift „mare“. Dort angekommen war ich wieder mal echt dankbar dass ich mit meinem Auto umgehen kann und auch in die kleinste Lücke parken kann und habe mir dann ein lettino gemietet, mich bei 32 Grad gesonnt und im warmen Meer gebadet – ein Traum…

Wieder zuhause habe ich sofort den Nachteil des Urlaubs am Meer bemerkt – überall Sand 😉

Ihr merkt ich schreibe schon zuhause, weil es das mittlerweile wirklich ist. Während Maria kocht unterhalten wir uns und sie korrigiert mich jetzt öfters damit ich keine Fehler mehr mache, wir essen zusammen, schauen wieder fernsehen und ich gehe schlafen…DSC06739

Fazit: Nach einer Woche intensiven Training spreche ich nicht fließend aber ich kann mich in unterschiedlichen Situationen durchsetzen. Dinge die ich nicht bezeichnen kann erfrage ich mit „Come si dice?“ und jeder Italiener der dann erfährt dass ich die Sprache gerade erlerne wird nicht müde mir zu versichern dass ich das wirklich gut mache. Die Menschen in Italien freuen sich so sehr über den Willen die Sprache zu erlernen dass mir jeder hilfsbereit zur Seite steht. Mir fällt auch auf, wie schnell man in eine neue Sprache kommt wenn man sie lebt. Hier in Bagno spricht niemand ausser einigen Studenten deutsch, der Alltag funktioniert italienisch und so kann man nach nur einer Woche manchmal nicht mehr exakt trennen. Ich telefoniere und schreibe mit zuhause im italienisch – englisch – deutsch Mix und genauso denke und träume ich mittlerweile. Das fasziniert mich am meisten und ich denke jeder der eine Sprache lernen will oder lernen muss sollte es auf diese Art und Weise tun, bzw tun können…

Ci vediamo…